Foto: Refinery29

Cloudy Zakrocki: „Wir wollen Frauen in ihrer Vielfältigkeit feiern“

Refinery29 ist eines der erfolgreichsten Onlinemagazine in den USA. Seit letzter Woche gibt es einen deutschen Ableger. Was dürfen wir von diesem erwarten?

 

Refinery29: Die ambitionierten Pläne eines deutschen Ablegers

Refinery29 ist das führende Onlinemagazin für junge Frauen in den USA. Die Zielgruppe sind ganz klar die viel umschriebenen „Millennials“. Für die werden vor allem Beauty- und Lifestylethemen aufbereitet. Immer wieder finden sich aber auch gesellschaftliche oder politische Artikel auf der Seite. Diese Mischung
scheint in Amerika sehr gut aufzugehen: Dort hat das Portal rund 25 Millionen
Leser.

Und deshalb will das Team, um den deutschstämmigen Gründer Philippe von Borries, nun den globalen Markt erobern. Nachdem vor einem halben Jahr der
erste internationale Ableger in England online gegangen ist, lancierte vergangenen Montag Refinery29.de – mit einer weiblichen Doppelspitze, bestehend aus Nora Beckershaus als Head of Marketing und Operations sowie Cloudy Zakrocki als Chefredakteurin. Die beiden Frauen bringen jede Menge Erfahrung in der Medienbranche mit und haben ambitionierte Pläne für den deutschen Ableger. Mit Cloudy Zakrocki haben wir über die angestrebte Positionierung von Refinery29 in Deutschland, die Startphase und die inhaltliche Ausrichtung des Onlinemagazins gesprochen.

Ihr seid erst vor einer Woche online gegangen. Da ist ja noch alles sehr frisch und neu. Kannst du trotzdem schon ein Fazit zur Startphase ziehen?

„Die ersten Tage liefen sehr gut. So eine Startphase ist natürlich immer mit viel Aufregung und auch Ängsten verbunden. Man arbeitet ja immer sehr, sehr lang auf den Launchtag hin. Das Datum des Onlinegehens ist das langherbeigesehnte Ziel. In der Vorbereitungsphase muss man viele Dinge bedenken und abwägen, die man vorher vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte.  Seit wir online sind, sind wir überraschender Weise alle entspannter. Jetzt ist ja quasi: „Business as usual“, man macht seinen gewohnten Job. Und das läuft sehr gut bis jetzt.“

Konntest du in diesem Prozess viele neue Erfahrungen sammeln?

„Ich habe ja das große Glück, dass ich Refinery29 Deutschland mit Nora Beckershaus, als Head of Operations and Growth, zusammen mache.
Dadurch sind in die Aufbauarbeit sowohl ihre Vorerfahrungen, als auch meine eingeflossen – so haben wir uns super ergänzt. 

Aber ein neunköpfiges Team zusammenzustellen war auf jeden Fall trotzdem eine ganz schöne Aufgabe. Klar haben wir das beide schon mal gemacht und hatten unsere Erfahrungen, aber es ist ja trotzdem immer ein aufregender Prozess, der in unserem Fall durch die relative kurze Zeitspanne, die wir hatten, mit viel Druck verbunden war. Den wir allerdings ganz gut gemeistert haben.“

Wer genau hat das Team zusammengestellt? Hattet ihr freie Hand, oder hat das internationale Team die Entscheidungen getroffen?

„Den Bewerbungsprozess haben Nora und ich, gemeinsam mit Kate Ward, International Vice President aus England geleitet. Der Bewerberkreis bestand zu großen Teilen aus einem Zusammenspiel unserer jeweiligen Kontakte. Die Bewerbungsgespräche haben wir dann tatsächlich immer zu dritt geführt. Und daraus ist unser aktuelles Team entstanden, mit dem wir wirklich sehr happy sind.“

Welchen Themenmix dürfen wir bei euch erwarten?

Grundsätzlich orientieren wir uns bei der Themenzusammenstellung auf jeden Fall beim amerikanischen Vorbild. Der Kern des Produkts „Refinery29“ ist dort – und wird es auch bei uns sein – Fashion und Beauty. Weitere Themen sind aber auf jeden Fall auch „Body und Soul“, also alles was Körper und Geist betrifft, Beziehungen, Sexualität, Sport, Politik – eben das diverse Spektrum, das junge Frauen heutzutage interessiert.

Stichwort Amerika: Wie viel Inhalte werdet ihr aus den USA übersetzen und wie viel eigene Artikel werdet ihr produzieren?

„Jetzt in der Anfangsphase erscheinen 30 Prozent übersetzte
Artikel bei uns und 70 Prozent eigenproduzierter Inhalt. Das soll auch erst
einmal so bleiben. Allerdings werden wir, dadurch, dass wir der erste nicht-englischsprachige Ableger sind, ganz im Sinne von „Learning by doing“ auf die Entwicklungen hier in Deutschland reagieren. Wir haben natürlich eine recht klare Strategie, die aber auch Platz zum Ausprobieren lässt. Die Grundstruktur ist dabei klar vom amerikanischen „Mutterschiff“ vorgegeben. Wir werden aber trotzdem auch unsere eigenen Schwerpunkte setzen können.“

Welches Frauenbild vertretet ihr mit eurem Online-Magazin?

„Bei uns geht es darum jede Frau in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Deshalb müssen wir uns – das ist das Schöne – gar nicht auf ein Frauenbild fixieren, sondern feiern Frauen in ihrer Vielfältigkeit. Ihr Sprachrohr wollen wir sein. Der Aufbau des Community-Bereichs, gerade über die Social-Media-Kanäle, gehört deshalb auch fest zu unserer Strategie.“

Wenn man sich eure Zielgruppe anschaut, kommt die Frage auf: Warum braucht es überhaupt einen deutschen Ableger? Ist der Markt nicht schon mit dem amerikanischen „Original“ bedient?

„Mit dem globalen Rollout möchte Refinery29 eine internationale Plattform schaffen und hier die Inhalte der verschiedenen Seiten spielen, um einen internationalen Austausch für die Leser zu ermöglichen. Deutschland ist nun mal einer der wichtigsten Märkte und stellt außerdem die fünftgrößte Lesergruppe auf der amerikanischen Seite dar. Für diese Menschen ist der deutsche Ableger sicherlich interessant. Zudem glauben wir, dass es in der deutschen Medienbranche noch ein wenig Platz für etwas Anderes gibt.“

Für ein digitales Magazin gibt es ja diverse Möglichkeiten der Berichterstattung, vor allem der Foto- und Videojournalismus wird immer wichtiger. Wie geht ihr damit um?

„Videojournalismus wird auf jeden Fall ein Schwerpunkt bei uns sein. Die Spannbreite dabei wird von Bewegtbildern in Form von kleinen Social-Media-Videos, die auch ohne Ton funktionieren, bis hin zu größeren Videoreportagen reichen. Wir halten diese Art der Berichterstattung für die modernste Form, um „Content“ an eine digitale Leserschaft heranzutragen. Unser amerikanisches Team hat deshalb ja auch schon länger eine eigene Fotoabteilung. Und die ist langfristig auch für den deutschen Ableger geplant.“

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