Foto: Jana Zieseniß

Reisemüde! Kann einem das Reisen wirklich zu viel werden?

Reisen ist die schönste Nebensache der Welt! Aber kann man auch zu viel reisen? Jana schreibt in ihrer Kolumne über ein Gefühl, das so ziemlich jeder Viel- beziehungsweise Weltreisende schon einmal erlebt hat und das für alle anderen wie ein lächerliches Luxusproblem erscheint: Reisemüdigkeit.

 

Übersättigt von Eindrücken?

Reisen ist eins der schönsten Dinge auf der Welt. All die neuen Eindrücke, spannenden Abenteuer und einmaligen Momente, die einem niemand mehr nehmen kann. Die einen zu dem machen, wer man heute ist. Die einem die Augen öffnen für die einmalige Schönheit unserer Welt.

Aber kann man auch ZU VIEL Reisen? Plötzlich von Eindrücken gesättigt und und zu müde für neue Erfahrungen? Vor einiger Zeit hätte ich ganz klar mit „Niemals!“ geantwortet. Heute denke ich darüber ein bisschen anders – und möchte diese Gedanken gerne mit euch teilen.

Die Crux mit der Reisemüdigkeit

„Reisemüdigkeit“ ist ein Thema, das vielen erst während ihrer ersten längeren Reise begegnet. Wenn man über längere Zeit so viel gesehen, erlebt und erfahren hat, dass dies einfach nichts mehr toppen kann. Dass alles irgendwie schon einmal dagewesen ist. Dass man plötzlich anfängt zu vergleichen.

Etwas, das ich sonst eigentlich nie tue, denn ich möchte jede Region für sich erleben. Anders würde doch auch jedes Mittelmeerziel gegen die traumhaften Strände Südostasiens oder der Karibik einfach nur verlieren. Oder jedes Mittelgebirge gegen die Alpen. Geht man mit einem offenen Blick in eine Reise und lässt sich darauf ein, kann man erst die wahre Schönheit des Reiseziels entdecken.

Doch das wollte mir gegen Ende meiner Südamerika-Rundreise einfach nicht mehr gelingen. Stattdessen wollte ich einfach nur faul am Pool herumliegen und am liebsten gar nichts machen. Kaum etwas konnte mich wirklich begeistern. Ein klares Zeichen für Reisemüdigkeit.

Ähnlich ging es mir auch Anfang des Jahres: Schweiz, Lappland, Panama, Honduras, Australien – und das alles innerhalb von zweieinhalb Monaten. Versteht mich nicht falsch, ich bin verdammt glücklich mit meinem Lifestyle und dass das Reisen mittlerweile zu meinem Job gehört, aber ich musste feststellen: Ja, es gibt auch ein „zu viel“.

Wenn ich etwas mache, dann richtig

Vielleicht liegt es auch ein wenig an meiner Leidenschaftlichkeit. Habe ich etwas
(Neues) für mich entdeckt, dann stürze ich mich Hals über Kopf hinein: Wenn ich etwas mache, dann richtig. Und ehe ich mich versehe, verbringe ich jeden Tag vier bis fünf Stunden im Fitnessstudio (kein Scherz!), bis irgendwann der große Knall kommt oder ich ganz plötzlich die Lust an der Sache verliere und/oder etwas Neues für mich entdecke. Das mit der, ja man könnte es tatsächlich als „Sportsucht“ bezeichnen, ist übrigens inzwischen ein paar Jahre her. (Mittlerweile habe ich einen ganz guten Mittelweg gefunden.)

Sollte es mit dem Reisen etwa genauso sein?

Auch auf Reisen tendiere ich dazu, immer „all in“ zu gehen. In den fünf Jahren, in denen mein Blog jetzt existiert, habe ich 38 verschiedene Länder (viele mehrfach) bereist. Keine einzige Erinnerung möchte ich davon missen. Aber: Entspannen oder gar an einem schönen Ort, wo es doch sooo viel zu sehen gibt, einmal nichts tun, fällt mir unglaublich schwer. Permanent habe ich sonst das Gefühl „etwas da draußen zu verpassen“.

Deshalb bin ich auch absolut ungeeignet für das Leben als digitale Nomadin,
obwohl ich theoretisch als Selbstständige meine Arbeit von überall erledigen könnte. Ich kann doch aber nicht die ganze Zeit drinnen sitzen und arbeiten, während es draußen doch so viel zu entdecken gibt.

Eine Frage der goldenen Mitte

Das Gute an der ganzen Reisemüdigkeitsproblematik: Nach ein paar Wochen
Alltag zu Hause kommt die Reiselust von ganz alleine wieder zurück – jedenfalls ist das bei mir so. Und eins habe ich aus der ganzen Sache gelernt: Ich brauche einfach regelmäßige Reisepausen, Auszeiten, um mich auf jede Reise wieder genauso freuen zu können wie auf meinen Sommerurlaub damals als Angestellte. Wie zum Beispiel auf meinen bevorstehenden Trip nach Den Haag am Wochenende, auf den ich mich nun nach sechs Wochen Reisepause riesig freue.

Und es wäre ja auch einfach nur schade, wenn man vor lauter Reisen die schönen Dinge vor der eigenen Haustür nicht genießen könnte, wie ich es jetzt in meinen Reiseauszeiten liebend gerne tue.

Und wenn dich auf Reisen der Travel-Blues überkommt?

Bist du gerade auf einer längeren Reise und dir kommen die Symptome
irgendwie bekannt vor? Dann schalt einen Gang zurück. Nimm dir mehr Zeit an den einzelnen Orten oder verbringe gar mehrere Wochen an einem einzigen Ort, mache ganz alltägliche Dinge, die du auch zu Hause gerne machst wie Kinobesuche, Sport oder Kochen (wenn möglich) und nimm dir Zeit, deine bisherigen Erlebnisse zu verarbeiten.

Und wenn es ganz schlimm ist: Leg doch einfach während deiner (Welt)Reise einen mehrwöchigen Heimatstopp ein. So sammelst du wieder neue Energie und hast wieder richtig Bock auf deine Weiterreise. Wichtig ist, dass DU
dich gut fühlst und es sich für DICH richtig anfühlt.

Wie siehst du das? Wärst (oder bist) du am liebsten die ganze Zeit auf Reisen oder brauchst du wie ich regelmäßige Pausen?

PS: Vielleicht scheinen meine Gedanken für die ein oder andere das absolute Luxusproblem zu sein. Sind sie auch! Ich wollte euch aber einfach daran teilhaben lassen und bin super gespannt auf eure Meinungen. Vielleicht zeigen sie aber auch, dass jeder Lebensstil seine Vor- und Nachteile hat – auch wenn man sie anfangs nicht sieht oder sehen möchte. Und bei mir hat es einige Zeit gedauert, mir einzugestehen, dass ich nicht zum Dauerreisen gemacht bin und dass die Mischung aus Reisen und Abenteuern vor der Haustür, die sich auch auf meinem Blog widerspiegelt, für mich einfach am Schönsten ist und nicht bloß eine Notlösung für eine begrenzte Zahl an Urlaubstagen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Sonne & Wolken, dem Reiseblog von Jana Zieseniß. Wir freuen uns, dass sie einmal im Monat ihre Kolumne rund ums Reisen bei uns veröffentlicht.

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