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Sein oder nicht sein – Warum Generationsanalysen Blödsinn sind

Hi, darf ich vorstellen: Wir sind die Generation Y alias Generation Beziehungsunfähig. Wir sind zu sehr auf der Suche nach dem Sinn in jedem und allem und zu wenig auf der Suche nach Sex. Wir lieben Hunde, hassen Partys bei denen wir länger als bis 3 Uhr Nachts durchhalten müssen und machen irgendwas mit Medien. Wir sind die GenYs, wir wurden zu Tode analysiert, bevor wir leben konnten.

 

Generationsanalysen gibt es nicht erst seit gestern. Bevor es uns GenYs gab, wurde die Generation X, auch Gen X genannt, auseinander genommen. Der Begriff bezeichnet die Generation die von den frühen 1960iger bis in die frühen 1980iger Jahre geboren wurde. Ja, das X kommt nach dem Y im Alphabet. Ganz schön einfallsreich diese Generationsforscher. Ich komme mir ein wenig vor wie in der Hundezucht, bei der es bei jedem Welpenwurf nach dem Alphabet geht. Beim ersten Wurf bekommt jeder Welpe einen Namen der mit A beginnt, beim zweiten Wurf beginnt jeder Name mit B und so weiter und so weiter. Kein Wunder, dass wir Hund so sehr lieben, liebe Generationsforscher.

Die neuste Studie besagt, wir hätten wenig Sex. Nicht nur das, sie erzählt uns auch warum das angeblich so ist. Eine These meint wir seien so viel online auf Tinder und Co. unterwegs, dass die Partner – sei es für etwas ernstes oder nur zum Bettgeflüster – im realen Leben ausblieben. Oder unser Panda-Sexualtrieb wird damit erklärt, dass wir verstärkt auf Sicherheit bauen wollen und unsere Risikobereitschaft deutlich geringer sei, als bei unseren Vorgängern. Sex, Drugs & Rock’n’Roll haben dann eher unsere Eltern betrieben. Was nach all den Jahren noch übrig bleibt ist höchstens Rock’n’Roll, obwohl der sich bei den GenYs irgendwie ziemlich elektronisch anhört. Sex haben wir nicht, haben wir schon festgestellt. Und die Drugs sind uns auch irgendwo auf halber Strecke verloren gegangen. Unser Alkoholkonsum sinkt. Bei Drogen, die du nicht eben mal beim Späti um die Ecke bekommst, scheiden sich die Geister. Über Marihuana spricht jeder und niemand, bei den einen gehört der Dübel schon fast zum Alltag, die anderen denken du meinst das Ding, was du in die Wand hast, wenn du von einem Dübel sprichst. Von LSD oder Extacy oder Kokain wollen wir hier gar nicht anfangen. Ein Klassiker unter den GenY Sprüchen: „Nee, ich nehme keine chemischen Drogen!“ – Als hätte die Drogensezene jetzt ihre eigenen Veganer. Die Ökos unter den Druppis, sozusagen. Der Drogenkonsum der Generation Y ist so individuell wie alles andere an ihr und an denenen die dazu gehören. Und trotzdem wird eine ganze Generation in (unzählige) Studien gepresst. Keine Generation wird so ausführlich analysiert, keine Generation bekommt so viel Aufmerksamkeit wie wir, zumindest fühlt es sich so an. Aber lässt sich wirklich eine ganze Generation in Studien pressen, wenn wir nur genug davon aus den Ärmeln schütteln?

Big Brother is watching you

„Warum GenYs so selten aufs Scheißhaus gehen“ – zugegeben, diese Studie fehlt bislang. Na Generation Beziehungsunfähig, wie oft geht ihr auf den Pott? Und was macht ihr während der Zeit? Dauert ja manchmal etwas. Zockt ihr  Pokémon GO, weil in der Dusche ein Glumanda sitzt? Seit ihr auf Tinder unterwegs? Und wenn ihr die Person auf eurem Bildschirm scheiße findet, wischt ihr dann nach rechts? Bei den ganzen Studien, die über uns existieren, blickt doch keiner mehr durch. Jenachdem, mit wem du dich unterhältst sind wir mal faul, mal fleißig, mal spießig, mal abenteuerlustig. Sind wir Selbstoptimierer, Selbstinszinierer oder Freigeister und Traumtänzer. Wie soll ich mich denn selbst definieren, wenn nicht mal diese beschissenen Studien wissen, wie sich mich definieren sollen?

Wir GenYs geben große Rätsel auf. Wer sind wir und wenn ja wie viele? Von welchem Planeten kommen wir und gibt es dort Wasser? So muss Ötzi sich gefühlt haben, als um ihn und seine Lebenszeit geforscht wurde. Nur war der schon einige Jährchen tot, als er analysiert wurde und hat davon nicht mehr viel mitbekommen. Wir dagegen werden an Ort und Stelle zu Tode analysiert. Jedes Verhaltensmuster, jeder Klamottenstyle wird auseinander genommen.

Alles soll man selber machen lassen

Bei den vielen Forschungen und dem ganzen Trubel um uns ist Individualität irgendwie nicht so am Start. Und einfach mal damit aufhören, das Rätsel der Generation Y lösen zu wollen ist natürlich auch nicht drinnen. Anstatt, dass man uns einfach mal Leben lässt, einfach mal machen lässt, wird sogar unser Schlafzimmer-Verhalten analysiert. Es ist schwierig genug aus den unzähligen Möglichkeiten für einen selbst die Beste herauszukristallisieren oder einen Partner zu finden, oder sich selbst. Da muss der Weg dorthin nicht auch noch protokolliert werden bis ins kleinste Detail. Und wem hilft das überhaupt? Uns bestimmt nicht. Im Gegenteil. Wenn sich jemand mit keinem Merkmal der Studien identifizieren kann, gehört der dann überhaupt dazu, oder ist der ein generationsloser Alien? Vielleicht gibt es ja noch einen Planeten, ohne Wasser, dafür mit ganz viel Alkohol, Drogen und Sex und ohne Hundewelpen. Wer weiß das schon. Das sollte wirklich mal erforscht werden. Aber selbst wenn wir uns mit einigen der Merkmale identifizieren können, hilft uns das nicht auf unserem eigenen Weg. Wir suchen angeblich nach der Beständigkeit. Und die, die nicht danach suchen? Sind die dann komisch? Bekommen die dann Selbstzweifel und versuchen krampfthaft Beständigkeit in ihr Leben zu bringen, weil das die Generation Y nun mal so macht?

Es kann ja sein, dass einige Merkmale auf eine Vielzahl der Personen zutreffen, die sich den GenYs zugehörig fühlen. Aber mal ganz ehrlich: Wir sind doch auch nur Menschen. Keine Versuchsobjekte. Und wenn wir einen Planeten mit Wasser gefunden haben, können wir ja eine Whatsapp-Nachricht schicken und Fotos auf Instagram und Snapchat posten. Weil die Generation Y das nun mal so macht, oder?!

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