Trauer.

Chester Bennington nimmt sich das Leben. Und ich spüre eine tiefe Trauer, von der ich nicht geahnt habe, dass ich sie spüren würde.

 

Ich weiß noch, wie es war, als ich das erste Mal „One Step Closer“ hörte. Ich weiß noch, wie sich die feinen Härchen auf meinem Arm aufstellten und ich einfach nur Euphorie spürte. Ich weiß noch, wie ich aufgeregt „Hybrid Theory“ in meinen Händen hielt und es rauf und runter hörte. Ich weiß das alles noch, denn die Musik von Linkin Park war die für mich prägendste musikalische Erfahrung, die ich in der Jugend machen durfte. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich nicht die Person, die ich Heute bin.

Ich weiß auch noch, wie Linkin Park die Band war und ist, die meinen Freund – mittlerweile Mann – und mich gnadenlos miteinander verbindet, auch wenn unser Musikgeschmack sonst eher in entgegengesetzte Richtungen schweift. 

Ich erinnere mich, wie wir aneinander dachten und denken, wenn „Shadow of the day“ irgendwo läuft. Wie wir unweigerlich immer aneinander denken müssen. Wie wir das Radio im Auto laut aufdrehten und drehen, wenn einer von uns „Crawling“ anmacht. Wie wir schief mitsingen und lachen.

Ich erinnere mich genau an die wummernden Bässe meines ersten Linkin Park Konzerts. An die Faszination, mit vielen Tausenden in der O2 Arena in Hamburg zu stehen und gerade die beste Show ever mitzuerleben. Ich erinnere mich an die Gänsehaut, an die Tränen, die mir bei der Stimme Chester Benningtons in die Augen stiegen.

Ich erinnere mich an weitere Konzerte danach, die mir immer wieder dieses Gefühl geben konnten.

Ich erinnere mich, dass ich mich auf das nächste Konzert gefreut habe. Auf die nächsten Shows. Dass ich auch das letzte Album „One more light“ mochte und mag. 

Ich erinnere mich, wie ich gestern Abend eine Nachricht bekomme, in der steht, dass Chester Bennington sich umgebracht hat. Ich erinnere mich an eine überraschender Weise schlaflose Nacht, in der ich viel nachgedacht habe. Ich habe an seine Familie gedacht, an seine Kinder. Seine Frau. Seine Freunde. Ich habe mich gefragt, wieso Selbstmord für ihn wohl der letzte erträgliche Ausweg gewesen ist. 

Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber mich nimmt der Tod dieses Musikers ganz besonders mit. Ich habe nicht um Robin Williams getrauert und auch nicht um Chris Cornell. Sie haben sich ebenfalls das Leben genommen. Sie waren ebenfalls depressiv.

Doch ich verspüre tiefe, schmerzende Trauer um diesen einen Musiker, der für mich nicht nur meine Jugend und junge Erwachsenenzeit verkörpert, sondern auch meine Liebe, meine Vergangenheit und meine Zukunft. Ich trauere um diesen Musiker, weil es mir von Herzen leid tut und weil es schmerzt. Ich trauere um Chester Bennington und auch wenn die Welt sich weiterdreht und wahrscheinlich Morgen oder in ein paar Tagen die Trauer gar nicht mehr so real sein wird:

Ich trauere. 

Möge er Frieden finden. 

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