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Traumjob oder Familie? Beides, bitte!

Beförderung oder Kind? Karriere oder mehr Zeit zu Hause? Traumjob oder Familie? Oft denken Frauen, sie müssten sich zwischen ihrem Beruf und ihrer Familie entscheiden. Nicht unbedingt – meint Kerstin Harney.

 

Führungsposition zu besetzen – familiäres Team, internationale Klienten, Arbeitsort: Frankfurt am Main. 

So ging es euch vielleicht auch schon mal: Kaum habt ihr die Zeitung aufgeschlagen, lacht euch diese eine Anzeige an. Euer Traumjob – formuliert in zwei kleinen Zeilen. Während euer Lebenstraum Nummer eins vor eurem inneren Auge in allen Farben zum Leben erwacht, meldet sich Lebenstraum Nummer zwei auf der anderen Seite des Tisches: „Mama, ich habe noch Hunger“, jammert euer fünfjähriges Kind und zieht dabei eine Schnute.
Puh … und jetzt? Traumjob oder Familienglück?

Zwiespalt zwischen Beruf und Familie

Oft fühlen sich Mütter, als müssten sie zwischen ihrer Familie und ihrem Beruf entscheiden. Das beginnt schon bei ganz grundsätzlichen Fragen wie der Wahl des Wohnorts. Das Reihenhaus in einem 2000-Einwohner-Dorf ist familienfreundlicher als die Dreizimmerwohnung in der Großstadt. Wenn sich dann eine berufliche Chance auftut, die einen Wohnortwechsel oder andere Nachteile für die Familie erfordert, sind die Zweifel oft groß.
Mit diesen Ängsten kam kürzlich auch eine junge Mutter zu mir ins Coaching. Ihre Karrierechance war riesig – die Entscheidungsangst nicht kleiner.
Wie trefft ihr in solchen und ähnlichen großen Fragen die richtige Entscheidung?

Ein Blick in die Zukunft

Meine Coachee fürchtete vor allem um das Glück ihrer Tochter. Wie würde sie den Umzug in die Großstadt verkraften? Muteten sie und ihr Mann ihr damit vielleicht zu viel zu? Oder würde die Familie gar darunter leiden?
Ich konnte förmlich beobachten, wie ihre Schultern beim Sprechen immer verkrampfter nach oben rollten. Also holte ich sie raus aus ihrer einschüchternden Gegenwart: „Stell dir doch mal vor, du bist 60. Deine Tochter ist aus dem Haus und du sitzt an einem gemütlichen Ort. Erzähl mal, wie euer Leben so verlaufen ist. Was war für jeden Einzelnen von euch wichtig und was habt ihr geschafft?“
Mit etwas Anleitung kam die Frau ins Träumen: Die Familie hatte viel zusammen erlebt, wodurch ein toller Zusammenhalt entstanden war. Das war ihr wichtig. Und ihre Tochter – die hatte erfolgreich das Selbstbewusstsein entwickelt, das ihr in der Vergangenheit manchmal gefehlt hatte.

Entscheidung mit echten Werten

Zurück im Jetzt erkannte meine Coachee: „Wow, der Umzug könnte uns ja sogar helfen, dahin zu kommen!“ Frankfurt am Main versprach mit einem Mal ein großes Erlebnis als Familie und eine tolle Plattform für die Tochter, sich weiterzuentwickeln und neue Hobbys zu entdecken. Sie könnte zum Beispiel auf eine internationale Schule gehen und eine Hip-Hop-Tanzgruppe besuchen, ohne dafür jedes Mal fünf Orte weiter fahren zu müssen.

Solche Parallelen aufzutun, wird oft erst durch eine kleine Gedankenreise in die Zukunft möglich. Sie hilft dabei, Werte zu erkennen und klarer zu greifen. Was wird euch im Rückblick wichtig sein? Was möchtet ihr erreicht haben?
Sich diese Fragen zu beantworten, hilft sehr bei der Entscheidungsfindung, auch wenn es um richtig dicke Fische geht. Denn dann könnt ihr eure Entscheidung an dem ausrichten, was euch viel bedeutet – sei es die Familie, der Partner, der Freundeskreis oder das Sammeln von großen Erfahrungen.

Euer Leben entscheidet mit

Wenn ihr eure Werte erst für euch erkannt und geklärt habt, fragt euch im zweiten Schritt: „Passt das zu den Rahmenbedingungen meines Lebens?“
Wenn zum Beispiel Freiheit und Weltoffenheit zu euren Werten zählen, visiert ihr vielleicht einen Job an, bei dem ihr viel unterwegs seid und reist. Das wäre ja nur naheliegend. Aber was, wenn ihr bereits zwei Kinder und einen Hund zu Hause sitzen habt? Da passt diese Entscheidung natürlich herzlich wenig zu eurem Leben.
Überlegt euch in dem Fall, ob ihr euren Traum guten Gewissens ablegen könntet. Vielleicht gibt es ein anderes Feld, in dem ihr euch ebenso gut verwirklichen könnt? Und wenn es eben doch unbedingt Plan A sein soll: Ich bin überzeugt, dass ihr immer eine Alternative findet, wie ihr eure Motive dennoch bedienen könnt. Vielleicht wird es dann eben nicht der Umzug in eine Dreizimmerwohnung im Zentrum, sondern die Fünfzimmerwohnung mit Garten im Speckgürtel.
Und wenn eure Entscheidung auf diese Weise entsprechend eurer Werte und passend zu euren Rahmenbedingungen gefallen ist – na, dann nichts wie los! Und zwar in perfekter Balance zwischen Traumjob und Familienglück.

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