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Nach einem Jahr direkt das nächste Kind – seid ihr wahnsinnig?

Ein Jahr ist unser Kind nun alt. Gerade kann ich das erste Mal durchatmen. Und da soll ich schon an die nächste Schwangerschaft denken?

 

Drei ist nicht genug?

Gedankenverloren sitze ich im Kreise meiner „Mit-Muddis” und höre, wie sie erzählen: wahlweise von Kind Nummer Zwei, vom Geschwisterchen, vom erneuten kleinen Wunder, das sie ganz bald planen wollen. Und alles, was ich tun möchte, ist aufstehen und wegrennen.

Denn mein Kind ist gerade einmal ein Jahr alt. 12 Monate lang hat sie unseren Alltag bestimmt, alles auf den Kopf gestellt, viel Tränen und noch viel mehr Lachen in unser Leben gebracht. Ich finde Babys toll. Ich mag den Geruch, ich mag es, sie stundenlang zu halten. Aber nach 365 Tagen bin ich gerade erst dabei, mir ein Stück von mir selbst zurückzuerobern: Ich kann wieder weggehen, meine Tage sind planbarer, es ist doch irgendwie alles leichter geworden. Und diese Leichtigkeit kann und will ich momentan noch nicht aufgeben, um Platz zu machen für ein zweites Kind, ein Geschwisterchen, ein neues kleines Wunder.

Der Mann spricht meine Gedanken laut aus, sagt, dass die Zeit für ein Geschwisterchen noch nicht gekommen ist. Und ich? Reagiere wütend, eingeschnappt, verletzt. Nicht, weil ich mir so sehr ein zweites Kind wünschen würde. Ich reagiere so, weil es tief im Inneren das ist, was ich auch denke, was ich mich aber nicht traue offen auszusprechen.

„Um Gottes Willen”, will ich sagen, „eins reicht!” 

Aber ich gestehe mir nicht ein, dass ein Kind für mich (momentan) reicht. Ich gestehe es mir und uns nicht zu, dass dieses eine uns schon an die Grenzen bringt. Und zwar täglich aufs Neue. Ich gestehe mir nicht ein, dass meine Hormone noch eine Weile nicht explodieren werden, wenn ich an eine weitere Schwangerschaft denke.

Warum nicht? Weil ich im Kreise anderer Mütter das Gefühl habe, anders zu sein. Sie alle wollen so schnell wie möglich Nummer Zwei in diese Welt bringen. Wollen so schnell wie möglich eine „richtige Familie” werden. Aber eine Familie, das ist man doch schon mit einem Kind? Eigentlich ist man auch zu Zweit irgendwie schon eine Familie. Und überhaupt, ist es nicht okay, wenn man mit nur einem Kind irgendwie glücklich ist und den Stress einer zweiten Schwangerschaft und Geburt vorerst – oder gar für immer – nicht braucht? 

So sitze ich also mit meinen Gedanken und Befürchtungen da, umringt von Müttern, die unbedingt ein zweites Kind wollen, und habe das Gefühl, verteidigen zu müssen, was ich tief in mir fühle. Also sage ich: „Och, das lassen wir auf uns zukommen.”, und weiß doch, dass wir frühestens in ein paar Jahren noch einmal darüber sprechen werden und dann einfach sehen, ob die Zeit für uns gekommen ist oder ob wir zu dritt nicht einfach schon komplett sind. Das ist doch ok, oder?

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