Foto: Nathan Dumlao | Unsplash

Eine Uni in Japan hat jahrelang Aufnahmetests manipuliert, um Frauen an einem Studium zu hindern

Eine interne Untersuchung hat ergeben, dass die Tokyo Medical University über zehn Jahre Testergebnisse systematisch fälschte, um zu verhindern, dass Frauen Zugang zum Medizinstudium bekommen. Jetzt soll es eine Entschuldigung wieder richten.

 

Sorry, Frauen nicht erwünscht!

Frauen können heute alles werden, was sie wollen? Nun, an einer Hochschule in Japan, so ergab die interne Ermittlung, deren Ergebnisse am 7. August öffentlich gemacht wurden, ist das zumindest nicht der Fall. Zwölf Jahre lang sollen die Tests zur Aufnahmeprüfung derart manipuliert worden sein, dass es Frauen fast nicht möglich war, zugelassen zu werden. Selbst wenn sie die vollen 100 Prozent erreicht haben, wurden ihre Tests, so wie auch die der Männer, auf 80 Prozent runtergestuft. Männlichen Bewerbern wurden anschließend wieder mindestens 20 Punkte gut geschrieben, sofern sie nicht schon viermal durch die Aufnahmeprüfung gefallen sind. Die Frauen mussten also mit dem Ergebnis von maximal 80 Prozent gegen die männlichen Bewerber antreten, wenn sie an dieser Hochschule zu Ärztinnen ausgebildet werden wollen.

Aber warum die systematische Manipulation, die Frauen dem Zugang zum Studium verwehrt?

Frauen halten sich eh nicht lange im Job!

Als Begründung diente nach bekanntwerden der Praxis unter anderem folgende Antwort: Frauen würden ja nach der Heirat oder spätestens, wenn sie Mütter würden, sowieso aus dem Job ausscheiden. Und da schien es für die Verantwortlichen offensichtlich ratsamer, schlechter qualifizierte Männer auszubilden, statt Frauen, diese Pause – wenn sie sie denn überhaupt nehmen – zu ermöglichen. Das Ganze ist nicht mehr als das pure Armutzeugnis einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur, denn das gezielte Aussortieren von Frauen zeigt sich als nichts weiter als eine Quote für den mittelmäßigen Mann.

Der Geschäftsführer der Universität gab sich wiederum gegenüber der Presse angesichts der Ergebnisse geschockt. Die Frage ist nur: Wie kann es über zwölf Jahre nicht auffallen, dass sehr viel weniger Frauen ein Studium beginnen und Frauen grundsätzlich immer wesentlich schlechter in den Aufnahmeprüfungen abschneiden? Sollte man seine Aussage ernstnehmen, ist die Antwort: nicht weniger als ausgeprägter Sexismus. Oder um es in den Worten von Nobuko Kobayashi, Partnerin im Bereich Mangementberatung bei AT Kearney, die sich dazu in der Presse folgendermaßen äußerte: Die Medizinbranche ist traditionell von Machismus geprägt. Es gibt dort eine tief verwurzeltes Einverständnis darüber, dass Männer hier die Hauptrolle spielen und Frauen in den Nebenrollen verhaftet bleiben sollten.“

Seit bekanntwerden der manipulativen, sexistischen Praxis der Hochschule ist auch eine öffentliche Diskussion über die Benachteiligung von Frauen entbrannt, wie Bloomberg berichtet – es bleibt zu hoffen, dass sie andauert und Früchte trägt.

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