Verloren.

Ich habe überall gesucht: im Bett, im Schrank, auf dem Sofa, im Büro, im Garten, selbst auf dem Dach habe ich nachgesehen. Aber finden konnte ich nichts. Da waren nur Leere und ein paar Staubflusen, die einsam herumgelegen haben.

 

Ich habe mich verloren.

Ich habe verlernt, ich selbst zu sein. Seit knapp 450 Tagen bin ich eine Mutter und werde nicht nur von der Außenwelt, sondern auch von mir selbst viel zu häufig darauf reduziert. Ich kümmere mich, ich bemühe mich, alles richtig zu machen. Ich reagiere auf Rufe, auf Weinen, auf das Lachen meiner Tochter. Ich koche, ich wasche Wäsche, ich singe Kinderlieder oder starte Kitzelattacken. Ich tröste, ich schaukele sie in den Schlaf, ich halte ihre Hand, wenn sie nicht allein einschlafen kann.

Ich bin Mutter. Und dann bin ich ganz lange gar nichts mehr.

Dabei war ich mal so viel. Ich war mal Frau, albernes Mädchen, die Kreative, die Belesene, die Sportliche, die Liebhaberin. Ich war mal so viel.

Und jetzt? Bin ich nichts? Nein, ich bin nicht nichts, aber ich bin auch nicht wieder ich selbst. Ich versuche, zu mir zurück zu finden, mir Zeitfenster zu schaffen, Dinge auszuprobieren. Ich versage viel zu häufig. 

Will ich Sport machen, bin ich am Abend so kaputt, dass ich einfach nur aufs Sofa falle. Will ich mich verabreden, kann mein Gegenüber nicht, weil sie Niemanden für die Kinder hat. Will ich laut sein, habe ich nichts mehr zu sagen. Fragt man mich nach meiner Meinung, ist da ein großes schwarzes Loch. 

Ich habe mich verloren. Und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, zu suchen. 

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