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Viel Ruhm

„Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen“ – so schallte es mit glockenheller Stimme Ende der sechziger Jahre aus den Radios der Nation

 

„Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen“ – so schallte es mit glockenheller Stimme Ende der sechziger Jahre aus den Radios der Nation. Zu verantworten hatte dies Hendrik Nikolaas Theodoor Simons, alias Heintje, der mit seinem Hit weltweit für klingelnde Kassen sorgte. Doch mit dem Stimm- kam auch der Karrierebruch, denn den pubertären Heintje mochte niemand hören. Genau hier nimmt das Problem seinen Lauf: die Showbranche ist schnelllebig. Und außerdem, was wird aus den Kindern, die schon ihre Träume erfüllt haben? 

Die Familie spielt keine unwesentliche Rolle

Da wären zum Beispiel die Olsen-Twins, die quasi im Fernsehen zur Welt gekommen sind. Sie hatten nicht einmal ihr erstes Lebensjahr vollendet, als sie sich die Rolle der Michelle Tanner in „Full House“ teilten. Nach der Serie machten die millionenschweren Zwillingsschwestern fast alles gemeinsam. Erst in den vergangenen Jahren wagte sich Mary-Kate, die als Jugendliche an Magersucht erkrankte, an eine Solokarriere. Sie beteuert, dass sie froh sei, in ihrer Schwester Ashley eine Person zu haben, der sie alles anvertrauen könne. Vielen Kinderstars hingegen blieb dieses Glück vorenthalten. Aaron Carter steht im Guiness-Buch der Rekorder als jüngster Sänger, der jemals eine Platinscheibe erhielt. Mit 18 erfuhr der Mädchenschwarm von einst, dass seine Eltern sein Geld nie angelegt, sondern verprasst hatten. Was von diesem Vertrauens-Missbrauch blieb waren Schulden in Millionenhöhe. 2009 scheiterte sein Comeback-Versuch. Nach seiner Therapie in der Betty-Ford-Klink will er an einem neuen Album arbeiten. Als Cover könnte sich ja eines seiner von ihm getwitterten Mucki-Fotos anbieten. 

Halbes Leid ist geteiltes Leid

Was haben der King of Pop und der Kevin-Darsteller Macaulay Culkin gemeinsam? Beide bekamen die harten Hände ihrer Väter zu spüren. Joseph Jackson kennen wir heute als elegant gekleideten Mann, immer mit den edelsten Uhren und Accessoires unterwegs. Das war damals nicht so, aus der Unterschicht kommend förderte er seine Kinder von klein auf musikalisch, teils mit drastischen Mitteln, wie es heißt. Eines der bösen Gerüchte besagt, dass er Michael gezwungen habe, auf heißen Herdplatten zu tanzen, damit seine Bewegungen schneller werden würden. Ob ihm diese „Trainingseinheiten“ zum Ruhm verholfen haben oder nicht – Michael Jackson war schon als Kind ein Star und wird heute als King of Pop vergöttert. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Nach seinem Tod fand man auf seinem Anwesen eine Unmenge an Medikamenten vor, darunter das Narkosemittel Propofol. Ferner nagten zahlreiche kosmetische Operationen und Gerichtsprozesse wegen angeblichem Kindesmissbrauch an seiner Gesundheit und Psyche. Einer der Verhörten, die sich als Kind auf seiner Neverland Ranche amüsierten, war der einstige Kinderfilmstar Macaulay Culkin, der als 24-Jähriger die sexuellen Missbrauchsvorwürfe vor Gericht als absolut lächerlich bezeichnete. Der Hauptdarsteller von „Kevin – allein zu Haus“ und „Kevin – allein in New York“ hatte, laut eigenen Aussagen, eine wirklich enge Beziehung zu ihm. Jackson habe den Druck nachvollziehen können, dem ein Kinderstar ausgesetzt sei. Culkin stand schon ab seinem 4. Lebensjahr im Rampenlicht und avancierte als Neunjähriger in seiner Rolle als Kevin zum Weltstar. Doch der frühe Ruhm und wohl auch der Scheidungskrieg seiner Eltern hinterließen Spuren. So verfiel er bereits mit 14 dem Alkohol und dem Rauschgift. Über sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, der auch sein Manager war, schrieb er später in seiner Autobiographie „Junior“. 

Viele Gerüchte

Dem Alkohol unterlegen war auch Haley Joel Osment. Am 20. Juli 2006 verursachte der Jungschauspieler, der als 6-Jähriger in „Forrest Gump“ den Sohn der Hauptfigur spielte, unter Alkoholeinfluss einen Autounfall. Einige Monate später musste er unter anderem an mindestens 26 Sitzungen der Anonymen Alkoholiker, binnen sechs Monaten, teilnehmen. Ob er da wohl auch, wie in seiner Kinder-Rolle als Cole Sear in „The Sixth Sense“, Toten begegnet ist? Auf eine Antwort darauf wartet wohl niemand, dafür aber auf sein lang ersehntes Comeback. Als tot erklärt wurde im Übrigen Jaleel White, der als Steve Urkel sowieso schon unvergessen bleibt. Eine Agenturfalschmeldung im Internet löste 2006 eine Gerüchtelawine über den vermeintlichen Selbstmord des Schauspielers aus. Jedoch bewies der quicklebendige Mann unter anderem in diversen US-amerikanischen Comedy-Dramen das Gegenteil. Nach dem Ende der erfolgreichen Serie „Alle unter einem Dach“ scheiterte er daran, ähnlich markante Rollen zu finden, aber Steve Urkel ist derjenige, der nun endgültig in Frieden ruht. 

Einen Neuanfang wagen – für jeden eine Herausforderung

Anna Chlumsky fiel es schwer, an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. 1991 wurde die US-amerikanische Schauspielerin mit der Hauptrolle im Film „My Girl – Meine erste Liebe“ bekannt. Danach wirkte sie nur noch in mäßig erfolgreichen Filmen mit. Mittlerweile arbeitet Chlumsky als Restaurantkritikerin. Inger Nilsson verkörperte zwischen 1968 und 1973 Pippi Langstrumpf, die frei und unbeschwert mit ihrem Pferd und ihrem Äffchen in ihrer Villa Kunterbunt lebte. Nach dem Ende der „Tralleri-trallera-traller-hoppsassa-Serie“ kehrte sie dem Filmgeschäft vorerst den Rücken zu und hielt sich mit vielen Jobs, von der Sekretärin bis zur Sprecherin für Werbespots und Kinderfilmen, über Wasser. Zwar gelang ihr hier und da die Rückkehr zur Schauspielerei, doch viele sehen in ihr immer noch den kleinen, frechen und überaus starken Rotschopf, der von der Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren kreiert wurde. Die 1959 geborene Inger Nilsson wird auch heute noch als Pippi Langstrumpf wahrgenommen. Und dies ist wohl das Fatalste was einem Schauspieler widerfahren kann: Die nicht enden wollende Identifikation mit einer Filmrolle. Besonders wenn man diese vor der eigenen Entwicklung gespielt hat. 

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