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Wenn Thomas am liebsten Thomas befördert – Schluss mit den Versprechen, her mit den Quoten!

Was tut sich in deutschen Vorständen von Börsenunternehmen? Nichts. Außer für Männer, die Thomas oder Michael heißen, denn von denen gibt es in den Börsenvorständen mehr als Frauen insgesamt. Und das zeigt: Wenn beim Thema Vielfalt nur Empfehlungen ausgesprochen werden, statt Vorgaben zu machen, wird sich gar nichts tun.

 

Investition in die Karriere: Nennt eure Tochter einfach Thomas

Es ist die Nachricht, die jedes Jahr aufpoppt und die man langsam müde wird überhaupt niederzuschreiben: Der Anteil an Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen ist miserabel. Deutlich macht das einmal mehr der gerade erschienene Bericht der All Bright Stiftung, mit dem bezeichnenden Titel „Die Macht der Monokultur“. Das Ergebnis: In 110 von 160 Vorständen von Börsenunternehmen sitzt keine einzige Frau.

Doch es gibt noch mehr Zahlen, die in Frage stellen, wie sich je etwas ändern soll, wenn wir nichts an Einstellungsprozessen verändern: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt sechs Frauen in Vorstände geholt – unter den Männern wurden alleine fünf Männer mit dem Namen Thomas befördert. Und Thomas ist, so die Studie, in der Regel ein männlicher westdeutscher Wirtschaftswissenschaftler Mitte fünfzig.  Kurz gesagt: Es wird befördert, wer einem ähnlich ist – und so zieht Thomas eben gerne Thomas nach, leider aber nicht Anita oder Aylin.

Während die Zahl der „Thomasse“ im vergangenen Jahr auch noch gestiegen ist, hat der Zuwachs an Frauen, ganz gleich welchen Namen sie tragen, sich nicht verändert. Wenn das so weitergehen würde, gäbe es erst in ca. 40 Jahren ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Sind wir wirklich bereit, so lange zu warten, nur um keine „Quotenfrau“ sein zu müssen? Und wieso sollten wir das wollen?

Fordern statt hoffen: Kein Mann wird freiwillig seine Privilegien aufgeben

Es ist doch recht müßig, darüber zu sinnieren, ob eine Frauenquote sinnvoll und auch gerecht wäre – wenn bisher in der Wirtschaft eine (weiße) Männerquote von der Mehrheit absolut akzeptiert wird. Es ist doch so: Angst davor zu haben, als Frau durch eine Quote andere zu übervorteilen, ist nicht nur Quatsch (besonders, wenn wir von Quoten um die 30 Prozent sprechen), sondern echte Idiotie, mit der wir diese männerdominierte Kultur weiter mit am Leben erhalten. Es ist einfach an der Zeit, mit einer Frauenquote dagegen zu halten, weil sich sonst nichts bewegen wird.

Denn wieso sollte jemand freiwillig Privilegien aufgeben, die er*sie zeitlebens quasi selbstverständlich genossen hat? Das wird nicht passieren. Weder hier in Deutschland, noch woanders. So hat auch Gouverneur Jerry Brown gerade beschlossen, für Unternehmen in Kalifornien eine Frauenquote einzuführen, die sicherstellt, das bis 2019 mindestens eine Frau in den Verwaltungsrat von börsennotierten Unternehmen einberufen wird. Nicht berauschend, aber immerhin. Insgesamt steht die USA auch jetzt schon besser da – denn dort hat zumindest schon jedes dritte der großen Börsenunternehmen einen Frauenanteil von mehr als 30 Prozent in den Vorständen. 

Geschlechtergerechtigkeit alleine reicht nicht, um divers zu sein

Um echte Diversität auf Entscheidungsebene zu schaffen, reicht es letztlich aber nicht aus, einfach nur den Frauenanteil zu erhöhen. Denn Vielfalt entsteht nicht nur durch einen ausgeglichenen Geschlechteranteil, sondern auch durch unterschiedliche Kulturen, Altersstrukturen, unterschiedliche Ausbildungen und so weiter uns so fort. Wir brauchen also eine Diversitätsquote, die den Einheitsbrei in den Vorständen endlich bricht, und damit mehr Chancengleichheit für alle garantiert.

Denn was sich auch dann wahrscheinlich nicht ändern wird: Auch die, die nachrücken, werden wieder nach dem „Gleich-und-gleich-gesellt-sich-gerne“-Prinzip die Stellen besetzen – und dennoch wird es durch eine vielfältigere Führung auch vielfältiger nach unten hin. Und das ist nicht nur wichtig, um zukunftsfähig zu sein – denn ja, diverse Teams sind erfolgreich als homogene, aber warum immer den Nutzwert von Menschen erklären? Es sollte  für jedes Unternehmen selbstverständlich sein, auf Vielfalt zu setzen! Unsere Gesellschaft besteht nicht nur aus weißen, mittelalten Männern – auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

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