Wenn der Nobelpreis nicht reicht, um wahrgenommen zu werden

Im Mitgleiderjournal der Deutschen Physikalischen Gesellschaft erschien ein Artikel, der die Nobelpreisträger Donna Strickland und Gérard Mourou ehren sollte. Leider vergaß der Autor die Ehrung von Frau Strickland.

 

Die Bekanntgabe der diesjährigen Physiknobelpreisträger*innen hat in diesem Jahr für große Freude unter Physikerinnen gesorgt: Nach 55 Jahren wurde mit Donna Strickland endlich wieder eine Frau für ihre Leistung honoriert. Sie hat als Doktorandin zusammen mit ihrem Doktorvater Gérard Mourou die CPA-Methode entwickelt, die es ermöglicht kurze Laserpulse enorm zu verstärken. CPA-Laser stehen in fast jedem Laserlabor des Landes. Während 1974 das Nobelkomitee noch „vergaß“, die Doktorandin Jocelyn Bell Burnell zu berücksichtigen (ihren Doktorvater selbstverständlich nicht), wurden in diesem Jahr beide Wissenschaftler zu gleichen Teilen ausgezeichnet.

Es ist durchaus eine positive Entwicklung der letzten Jahre, dass mehr und mehr versucht wird, die Leistungen und Errungenschaften von Wissenschaftlerinnen sichtbarer zu machen und somit auch positive Rollenvorbilder für Schüler*innen und Student*innen schafft.

Leider ist dieses Konzept noch nicht bis zur Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) vorgedrungen, der mit 62.000 Mitgliedern größten physikalischen Fachgesellschaft der Welt. In der Dezember-Ausgabe des Physikjournals, der Mitgliederzeitschrift der DPG, erscheinen jedes Jahr Artikel über die Nobelpreisträger. Dieses Jahr gab es zwei Artikel, einen über Arthur Ashkin und seine Entwicklung von optischen Pinzetten und einen über Donna Strickland und Gérard
Mourou für die CPA. Allerdings wird Donna Strickland in dem Artikel über die CPA nur drei Mal erwähnt: Im Untertitel, im Teaser (abstract) und in einem Nebensatz. Auch das Foto zeigt nicht etwa beide Preisträger sondern ausschließlich Gérard Mourou neben dem Autor des Artikels. Der Autor Georg Korn ist Science and Technology Manager am ELI in Prag und hat in der Vergangenheit viel mit Gérard Mourou zusammen gearbeitet, was im Artikel auf anderthalb Seiten auch breit dargestellt wird. Er erwähnt sich selbst und seine Zusammenarbeit mit Mourou öfter (sechs Mal), als Donna Strickland. In den Augen des Autors sei Mourou ein „äußerst innovativer und großartig visionäre[r] Wissenschaftler“ während Donna Stricklands Rolle bei der Entwicklung der CPA eher „die technische Umsetzung und detaillierte Untersuchung“ seiner Idee gewesen war. 

Die Physiker*innen in Deutschland sind entsetzt über diesen Artikel und fragen sich zu Recht, was eine Frau alles erreichen muss, bevor sie Anerkennung und angemessene Repräsentanz in den Veröffentlichungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft bekommt. Offensichtlich reicht der
Nobelpreis in Physik nicht aus.

Wenn man keine positiven und sichtbaren Rollenvorbilder für junge Mädchen schafft oder deren Leistungen nicht angemessen würdigt und anerkennt, wird es weiterhin schwer sein, Mädchen und Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern.
 

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