Bild: Jonas Armbruster

Wenn dir Pfannkuchen versprochen werden, du aber in eine LSD-Verkostung reinstolperst

Unsere Redaktionspraktikantin Denise ist für sechs Monate nach Berlin gezogen. Was ist ihr Lieblingscafé oder Restaurant? Das weiß sie nicht, aber sie kann euch eh viel besser erzählen, wo ihr am besten LSD verkosten könnt.

Die ganz eigene Berlin-Erfahrung

Sechs Monate Berlin reichen nicht, um diese Stadt kennenzulernen. Sie überrascht einen an jeder Ecke aufs Neue. Denn wie in so vielen Großstädten ist hier alles möglich: Wie zum Beispiel, dass man ganz naiv einem mit Blumen verzierten Schild mit der Aufschrift „Pfannkuchen“ folgt und auf einmal in eine LSD-Verkostung hineinstolpert.

Wie mir das passiert ist und ob es denn keine Warnsignale oder ähnliches gab? Nein, ich konnte keine zumindest finden – und meine Neugier, ausgelassene Laune und der Wunsch, die Stadt zu erkunden hat mich einfach mal reinlaufen lassen. Aber von vorn:

Zwei Freunde haben mich über ein Wochenende in Berlin besucht und wir sind den ganzen Samstag an der Spree entlang spaziert. Wir starteten am Treptower Park mit der East-Side-Gallery als Ziel – nebenbei gesagt eine Route, die ich sehr empfehlen kann.

Irgendwo zwischen Alt-Treptow und Friedrichshain kamen wir in einem Viertel wie aus dem Bilderbuch an: Zwischen einer selbst zusammengebastelten Bar direkt an der Spree, schiefen Blumenkästen und alten Häusern tummelten sich ein paar Hipster mit der obligatorischen Mate in der Hand. Auf unserer Seite der Spree stand ein altes, auf den ersten Blick, verlassenes Backsteinhaus, an dessen Tür ein blumiges Fahrrad mit dem netten Hinweis auf Pfannkuchen lehnte. Vereinzelte Menschen folgten dem Schild oder traten wieder hinaus. Das wirkte alles ziemlich einladend, das Haus spannend zu erkunden  – also rein da.

Pfannkuchen gab es an dem Tag keine für mich

Im Haus selbst kamen uns immer noch keine Zweifel: Wir hatten einen echt schönen Blick über das Viertel und die Spree. Uns begegneten andere Tourist*innen, die ebenso begeistert waren, von dieser vollen Dröhnung Bilderbuch-Berlin und munter Erinnerungsfotos schossen. Am Ende des Flures, wurde es leise und man hörte nur eine einzelne Stimme aus einem Raum. Huch, ein Vortrag oder vielleicht eine Mieter*innenversammlung?

Da die Tür offen stand, haben wir wie viele andere hineingelinst. Direkt im Eingangsbereich des Raumes standen zwei Bierbänke auf denen lauter kleine Shot-Becher mit Wasser aufgereiht waren, zumindest dachte ich das zu dem Zeitpunkt noch. „Ganz schön geizig sind die hier mit ihren Erfrischungen“, war mein erster Gedanke. Mein Blick schweifte weiter nach links zu einer Art Podium in einem bestuhlten Raum. Auf dem Podium hielt jemand einen Vortrag, den ich leider nicht verstand, weil wir zu weit weg waren. Als wir uns ein paar Schritte weiter hinein trauten, konnte ich auch besser die mickrigen Wassergläser anschauen. Und siehe da, bei näherer Betrachtung war es gar kein Wasser: Ein Schild hieß uns beim Micro-Dosing willkommen und erklärte uns, dass in den Bechern flüssiges, verdünntes LSD ist und man sich gerne einen nehmen kann – aber Vorsicht: Anfänger*innen bitte nur einen Becher in den nächsten 24 Stunden, Geübte können zwei bis drei Becher nehmen. Mein Herz machte einen kleinen Sprung, denn egal wie viel oder wenig und ob nun in bunten kleinen Party-Bechern verdünnt oder pur, LSD bleibt illegal, oder?

Auch wenn das hier alles nach einem gesitteten Vortrag und keiner Drogen-Höhle aussah, habe ich mit einer spontanen Polizei-Razzia gerechnet. Mein inneres Kopfkino setzte ein und ich sah mich schon von einer Polizeistation aus meine Eltern anrufen, um zu erklären, dass ich bereits nach zwei Monaten in Berlin bei einer Drogen-Razzia festgenommen wurde. Was soll ich sagen, ich war auf sowas einfach nicht vorbereitet – also wollte ich nur noch schnell raus hier. Ob der Vortrag vielleicht wirklich interessant war oder ob ein Becher LSD wirklich kreativer und weiser macht, wie es auf den Schildern versprochen wurde, konnte – und wollte – ich nicht herausfinden.

Immerhin habe ich am Abend auf meiner „Berlin-To-Do-List“ die Erkundungstour an der Spree abhaken können. Und auch den bis dahin nicht vorhandenen Punkt „LSD-Verkostung crashen“. Nur Pfannkuchen hatte ich bis dahin leider keine bekommen.

Typisch Dorfkind – naja, nicht ganz

Ist ja gut ausgegangen und eine schöne Berlin-Anekdote, die ich immer wieder erzählen kann. Die vielleicht sogar in ein paar Jahren von Nacherzähler*innen aufgebauscht wird in Richtung „wie drei Freund*innen todesmutig einen Drogendeal sprengten“ – dann wirken wir vielleicht auch nicht mehr wie kleine naive Kinder vom Dorf. Jetzt ist womöglich auch ein guter Zeitpunkt, um zu erklären, dass ich nicht vom Land bin, durchaus schon in Großstädten gelebt habe und nicht so naiv durch die Gegend laufe wie es sich vielleicht anhört. Aber egal, ob Groß- oder Kleinstadt, man lernt nie aus und ich in meinem Fall habe eben habe gelernt, dass nicht jedes Schild, was leckere Pfannkuchen ankündigt, sein Versprechen hält.

Aber neben dieser etwas irritierenden Überraschung,  hatte ich in den sechs Monaten auch Momente, die mein Herz haben höher springen – vor Glück, nicht aus Angst. So habe ich die revolutionärste Pommes-Tüte der Welt mit einer extra Lasche für den Ketchup entdeckt. Und ein Café, in dem ich auch abends noch brunchen kann – was will man mehr? Und ein Burgerladen, der uns zum Nachttisch ganz ungefragt Glücks-Kekse hingelegt hat – die beste kulinarische Kombination überhaupt, meiner Meinung nach. Das sind soweit meine Highlights und es werden bestimmt noch jede Menge folgen – man weiß eben nie was kommt und wann man in die nächste LSD- oder doch eben nur in eine Wein-Verkostung stolpert.

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