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Wie Organisationen Frauen für den Aufsichtsrat gewinnen können

Unsere Autorin war Mitglied im Präsidium von Wikimedia Deutschland. Eines ihrer Ziele, die Frauenquote zu erhöhen, hat sie erreicht. Fünf Tipps, wie Organisationen Vielfalt fördern können.

Eigentlich wurde ich als Kommunikationsexpertin ins Präsidium von Wikimedia berufen. Am Ende habe ich viel über Diversität gelernt. Zum Beispiel, dass Kommunikation zentral ist, um Vielfalt zu erzielen. Von der gab es nicht viel, als ich ins Präsidium kam: Nur eine Frau hatte für das Gremium kandidiert. Sie wurde zwar mit klarer Mehrheit gewählt. Aber für einen Verein, der Vielfalt fördern und mehr Autorinnen für Wikipedia gewinnen will, war das eine schlechte Quote. Zwei Frauen hat das Präsidium zusätzlich kooptiert. Ich war eine davon. Um die Quote dauerhaft zu verbessern, mussten wir jedoch mehr unternehmen. So habe ich im Präsidium nicht nur eine Arbeitsgruppe für Kommunikation, sondern auch eine für Diversität übernommen. Wie beides zusammenhängt, habe ich im Laufe des Jahres erkannt. Auch, wenn es bei uns vorrangig um Frauen ging und wir es tatsächlich geschafft haben, eine Frauenquote von 57 Prozent zu erzielen, lassen sich viele Erkenntnisse auf mehr Vielfalt im breiteren Sinn übertragen.

1. Über die Arbeit sprechen

Um Menschen für ein Gremium zu begeistern, muss man kommunizieren, was das Gremium macht. Bei Männern reicht oft der Aspekt: „Wichtig, will ich!“ Frauen fragen sich eher: „Was mache ich da überhaupt, was bestimmt die Kultur?“ Das zeigt unsere eigene Umfrage für die AG. Für Vereine bedeutet das, sich von der reinen Ergebnisprotokoll-Denke zu verabschieden: Es geht nicht nur darum, Beschlüsse zu kommunizieren, sondern auch den Weg dorthin, zum Beispiel mit Posts und Berichten aus den Arbeitsgruppen. Die sollte man planen, denn von alleine ergibt sich mehr Transparenz nicht.

2. Role Models zeigen

Wenn man bestimmte Personengruppen für ein Gremium gewinnen will, sollte man zeigen, dass sie dazugehören. Frauen zum Beispiel. Wikimedia hatte zwar Frauen im Präsidium, sehr präsent aber waren sie nicht. Das lag unter anderem daran, dass der Vorsitzende stets ein Mann war. In vielen Aufsichtsgremien sieht es ähnlich aus. Es gibt genug Möglichkeit, Frauen trotzdem zu zeigen: mit Blogposts, in Podcasts, Newslettern, auf Social Media oder bei Events. Wie es möglich ist, heute noch ein All-Male-Channel oder -Panel anzubieten, ist mir ein Rätsel. Wir brauchen weibliche Role Models, um andere Frauen nachzuziehen.

3. Fragen beantworten

Auch wenn die Zuschreibungen nerven: Frauen haben mitunter andere Fragen als Männer. Oder alleinerziehende Väter. Oder Menschen mit einer Behinderung. Eine solche Frage könnte sein, ob es Fortbildungen für das Präsidium gibt, wie oft man sich trifft, ob man barrierefrei teilnehmen kann oder auch rein virtuell, ob es Kinderbetreuung gibt und wie viel Zeit man für die Aufsicht investieren muss. Es lohnt sich, solche Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sammeln und in Form eines FAQ zu beantworten. Das ist nicht nur sehr hilfreich. Es zeigt auch, dass es ein echtes Interesse gibt, neue Personen zu rekrutieren.

4. Sprache und Bilder anpassen

Gendergerechte Sprache scheint vielen zu kompliziert. Frauen sind in Formulierungen wie „Kandidaten gesucht“ mitgemeint. Sonderlich einladend wirken diese Ausschreibungen aber nicht. Im schlimmsten Fall gibt es neben dem Aufruf ein Bild, auf dem nur Männer zu sehen sind. Und im Text verstecken sich Biases, die ausgrenzen. Zum Beispiel sollte die Frist zwischen Aufruf und Frist lang genug sein: Frauen wägen länger ab, ob sie kandidieren, manche stimmen sich mit Partner*innen und Familie ab. Das braucht Zeit. Wer mehr Diversität will, muss Sprache und Bilder auf den Prüfstand stellen.

5. Frauen ansprechen

Um Frauen zu gewinnen, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass sie einen Aufruf finden und sich bewerben – sondern sie ansprechen, auffordern und ermutigen. Idealerweise gibt es regelmäßige Kontaktpunkte zwischen Präsidium, Verein und Interessierten sowie ein Wahlkommittee, das die Ansprache koordiniert. Im Gespräch kann man selbstkritischen Frauen die Angst nehmen, anzutreten oder mit ihrer Kandidatur „zu scheitern“. Statistisch gesehen haben Frauen bei Wikimedia sogar eine große Chance, gewählt zu werden. Der Weg dahin ergibt sich aber nicht von selbst.

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