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Wo Idealist*innen arbeiten, was sie verdienen – und ob sie glücklich sind

Für ihren neuen Gehaltsreport hat die Karriereplattform tbd* Menschen befragt, die im sozialen oder nachhaltigen Bereich arbeiten. Wie zufrieden sind sie mit ihren Jobs und können sie davon leben? 

Jobs, die die Welt verändern

An Leuten, die durchaus Lust darauf hätten, im sozialen Bereich zu arbeiten, mangelt es nicht – viele tun es am Ende nur nicht, weil sie Gehaltseinbußen befürchten. „Im sozialen Bereich wird man ja immer so mies bezahlt“ – darauf scheint man sich allgemein einigen zu können. Für die Macher*innen der Plattform tbd*, die sich auf Karrieren im sozialen Sektor spezialisiert hat, ist diese Sicht hoch problematisch. „Es kann nicht sein, dass sich Menschen aufgrund von Gerüchten gegen eine Karriere entscheiden, die unserer Gesellschaft und/oder Umwelt zugute kommt“, schreiben die Macher*innen auf ihrer Website.

Deshalb haben sie 650 Leute aus dem sozialen Sektor zu ihren Gehältern befragt. Dazu zählen etwa Non-Profit-Unternehmen, oder solche, die im Bildungs-, Gesundheits- oder Nachhaltigkeitsbereich angesiedelt sind. Menschen, die hier arbeiten, würden oft als Idealist*innen gelten, schreiben die Initiatoren der Karriereplattform im neuen Report „Gutes tun, Geld verdienen, Glücklich sein. Geht das?“ Die Studie wurde im vergangenen Monat veröffentlicht. Drei Viertel der Befragten sind Frauen und das Durchschnittsalter liegt bei 35, wobei die Hälfte davon zwischen 30 und 40 Jahre alt ist.

Bereits im Jahr 2015 und 2017 wurden die Mitglieder der Plattform befragt. Die Ergebnisse beziehen sich also immer auf die Teilnehmer*innen der Befragung und sind nicht unbedingt repräsentativ. Diesmal wollte man bei tbd* wissen, wie die Bedingungen für die Mitarbeiter*innen im sozialen Bereich wirklich sind. Wie viel verdienen sie im Vergleich zu anderen Branchen? Werden Männer besser als Frauen bezahlt? Was versprechen sich Menschen von den sozialen Jobs – und sind diese wirklich erfüllender?

Ein Ergebnis des Reports: Die Einkommen im sozialen Sektor sind vergleichsweise gering. Das durchschnittliche Jahresgehalt der Befragten liegt bei etwa 45.000 Euro – und damit 20 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Dieser liegt für Fach- und Führungskräfte bei knapp 58.000 Euro brutto. Das kann man im StepStone-Gehaltsreport von 2018 nachlesen. Zudem zahlen Organisationen aus den Bereichen Kultur, Umwelt und Gesellschaft etwa ein Fünftel mehr Lohn als Institutionen der humanitären Hilfe, Bildung und Entwicklung.

Erfahrung wird bezahlt, Überstunden nicht

Teammitglieder erhalten im Schnitt 40.000 Euro im Jahr, ihre Teamleiter*innen bekommen etwa 49.000 Euro. Und der Jahresverdienst im Management liegt wiederum bei durchschnittlich 52.000 Euro.

Ganz unten in der Gehaltsspanne befinden sich Berufseinsteiger*innen mit 35.000 Euro,  oben hingegen Personen mit jahrzehntelanger Arbeitserfahrung – sie verdienen bis zu 55.000 Euro. Zudem erhalten Angestellte mit einem befristeten Vertrag knapp 16 Prozent weniger Geld als Festangestellte. Interessant ist dabei, dass feste Arbeitsverträge für 34 Prozent der Befragten eher unbedeutend sind. Übrigens werden Überstunden – wie in vielen anderen Branchen – meist nicht vergütet.

Frauen verdienen auch hier weniger

Im sozialen Bereich arbeiten überproportional viele Frauen, trotzdem verdienen sie immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Gender-Pay-Gap liegt auch hier bei 20 Prozent. Das entspricht nahezu dem vom Statistischen Bundesamt errechneten Bundesdurchschnitt von 21 Prozent. Je nach Position verdienen Männer zwischen acht und 25 Prozent mehr als Frauen. Im Management ist dieser Unterschied am größten.

Was läuft gut? Was nicht?

Arbeitsinhalt, Identifikation mit dem Unternehmen, sowie die Möglichkeit der persönlichen Entwicklung und ein gutes Verhältnis zu den Kolleg*innen sind fast allen Befragten besonders wichtig. Die Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist mit dem Inhalt ihrer Arbeit auch zufrieden und die meisten (86 Prozent) identifizieren sich mit ihren Arbeitgeber*innen. Insgesamt sind also viele der Menschen, die einen sozialen Beruf ausüben, ziemlich zufrieden. Trotzdem gibt es Dinge, die sie stören.

Nahezu die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ist unzufrieden mit dem Gehalt; für knapp ein Drittel ist das Gehalt wiederum nicht wichtig oder sogar irrelevant (32 Prozent). Zudem wünschen sich 61 Prozent ein gutes Verhältnis zu ihren Chef*innen – aber nur 25 Prozent scheinen dies auch zu haben. Auch bei der persönlichen Entwicklung gibt es Nachholbedarf: Knapp drei Viertel (72 Prozent) wünschen sich zwar, dass sie im Job etwas dazulernen, aber nur knapp ein Viertel der Befragten sind zufrieden mit dem, was ihnen geboten wird (26 Prozent). Das klingt problematisch, denn inhaltliche Anreize und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten könnten durchaus ein Ansatzpunkt für Arbeitgeber*innen im sozialen Sektor sein, relativ niedrige Gehälter zu kompensieren.

Mehr Wertschätzung

Generell finden es die Arbeitnehmer*innen in Deutschland heute immer wichtiger, in ihrem Job wertgeschätzt zu werden. Das zeigt die Studie Decoding Global Talent von 2018. Insofern müssten Arbeitgeber*innen im sozialen Sektor besonders auf Wertschätzung achten – nicht nur, weil ihre Mitarbeiter*innen gesellschaftlich relevante Jobs machen – sondern weil sie in der Regel auch noch relativ schlecht dafür bezahlt werden.

  1. Die angegebenen Gehälter beziehen sich auf Vollzeitstellen. Viele Tätigkeiten im Sozialen Bereich sind aber emotional so anstrengend, dass sie nur in Teilzeit ausgeübt werden können, um ausreichend Zeit für Selbstsfürsorge und Ausgleich zu haben – und nicht auszubrennen.

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