Foto: Sylwia Bartyzel

Die zehn häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch und die besten Antworten

Wir alle kennen das, den Moment des Vorstellungsgesprächs. Doch auf welche Fragen kann man sich vorbereiten und was sind die besten Antworten?

 

Vorbereitung zählt

Entscheider wollen in einem Vorstellungsgespräch keine vorgefertigten Floskeln oder auswendig gelernten Phrasen hören. Sie wollen dich als Persönlichkeit kennenlernen. Wie man sich am besten auf Vorstellungsgespräche vorbereitet, hat Anne Ritter uns bereits in ihrem letzten Artikel aufgeschrieben. Doch was sind die Top-Fragen und die besten Antworten?

1. „Erzählen Sie uns doch mal etwas über sich selbst“

Darum geht es:

  • Präsentationsstärke, Überzeugungskraft, Beziehungsebene herstellen

Das ist der Klassiker und in den allermeisten Fällen die offizielle Einstiegsfrage: Sie dient beiden Parteien dazu, sich in dieser etwas konstruierten Situation zu verorten. Der Personaler hat deinen Lebenslauf gelesen und ihn vielleicht sogar gerade vorliegen. Er möchte sehen, wie der Bewerber sich präsentieren, Probleme identifizieren, verhindern und lösen kann.

Die richtigen Worte finden: Hier reicht dir jemand die Hand – das ist deine Chance, um dich direkt von der besten Seite zu zeigen. Doch bitte nicht missverstehen: Es ist keine Einladung dazu, deine beruflichen Stationen runterzurattern oder über dein Privatleben zu plaudern. Erzähle lieber eine Geschichte. Die Hamburger Karriereberaterin Maya Skubella nennt das auch Bewerbungsstorytelling. Konzentriere dich auf den roten Faden in deinem Lebenslauf, der nur auf das eine Ziel zuläuft: diesen Job! Konkretisiere Erfolge mit Fakten und Zahlen – und all das immer in Bezug auf die ausgeschriebene Stelle. Um dich darauf vorzubereiten, kannst du vier oder fünf der geforderten Kompetenzen aus der Stellenausschreibung mit deinem Lebenslauf abgleichen.

2. „Was wissen Sie über unser Unternehmen?“

Darum geht es:

  • Fleiß, Wissen und Motivation testen, echtes Interesse am Unternehmen

Ein Personaler will, dass der Kandidat gut vorbereitet ist und versteht, was das Unternehmen, seine Geschichte, Kultur und Werte ausmacht. Eine Variante der Frage lautet: „Warum bewerben Sie sich bei uns?“ Diese Frage zielt noch mehr auf die Motivation des Kandidaten ab.

Die richtigen Worte finden: Diese Frage ermöglicht dir zu beweisen, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast. Denn du bist motiviert. Schließlich bewirbst du dich – hoffentlich – bei deinem Traumarbeitgeber. Natürlich kennst du die Internetseite, Publikationen und Produkte, hast alle Social-Media-Kanäle abonniert und das Organigramm verinnerlicht.

Zeige Initiative, aber ohne wie ein Streber rüberzukommen: Dein Gesprächspartner will kein Referat über seinen Arbeitsplatz hören – sondern begreifen, warum du da rein passt.

3. „Warum bewerben Sie sich für diesen Job?“

Darum geht es:

  • Qualifikation, Soft und Hard Skills, Motivation

Der Personaler möchte veranschaulicht bekommen, wie qualifiziert und motiviert ein Bewerber ist, welche Karrierestrategie er verfolgt und wie selbstreflektiert er seine Entscheidungen vertritt.

Die richtigen Worte finden: Du hast dich aus gutem Grund für diese Stelle beworben, nun brauchst du deine Motivation nur noch eloquent vortragen. Gute Gründe beziehen sich vor allem auf Inhalte – dass du deinen alten Chef nicht leiden kannst, ist also kein guter Grund.

4. „Was sind Ihre größten Stärken/Schwächen?!

Darum geht es:

  • Stresstest, Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, Imagepflege

Diese Frage provoziert ein bisschen, da es unangenehm ist mit Fremden über Stärken und Schwächen zu reden. Mit diesem kleinen Stresstest möchte man sehen, wie der Bewerber unangenehme Situationen meistert.

Die richtigen Worte finden: Die Frage löst eigentlich nur Stress aus, wenn du nicht darauf vorbereitet bist. Solltest du einen Hang zur Selbstkritik haben, hier lieber bremsen. Eine bessere Strategie ist es, sich auf ein oder zwei Eigenschaften zu konzentrieren, die einen beruflich gesehen aber immer noch gut aussehen lassen oder zu zeigen, dass man konstruktiv mit seinen Schwächen umgeht. Wird nach Stärken gefragt, punkte mit starken Beispielen, die an die zu besetzende Stelle anknüpfen.   

5. „Was erwarten Sie für sich, von uns, von dem Job?“

Darum geht es:

  • Vorstellungen abgleichen, Persönlichkeit kennenlernen

Dem Kandidaten wird mit dieser Frage die Möglichkeit gegeben, ein bisschen freier über seine Wünsche und Werte zu reden.  

Die richtigen Worte finden: Eine klare Vorstellung zu dieser Frage zu haben, hilft während des gesamten Auswahlverfahrens. Das Vorstellungsgespräch dient auch dir dazu, herauszufinden, ob du dir deine Zukunft bei diesem Arbeitgeber vorstellen kannst. Wie sollst du das herausfinden, wenn du nicht weißt, wonach du suchst und was dir bei der Zusammenarbeit wichtig ist?

6. „Wieso sollten wir uns gerade für Sie entscheiden?

Beliebte Variante: „Warum sind Sie für den Job am besten geeignet?

Darum geht es:

  • Qualifikationen, Argumentationsstärke, Stresstest

Den Personaler interessiert an dieser Stelle vor allem, wie qualifiziert der Bewerber ist und wie gut er sich selbst verkaufen kann.

Die richtigen Worte finden: Diese Frage kann sehr konkret beantwortet werden. Überlege dir vorher, welche Anforderungen der Job an dich richtet – die du mit deinen Erfahrungen und Kenntnissen hervorragend bewältigen kannst.

7. „Wo sehen Sie sich selbst in drei/fünf/zehn Jahren?“

Darum geht es:

  • Strategische Planung, Visionskraft und Loyalität

An dieser Stelle will kein Arbeitgeber hören, dass der Kandidat eine Top-Karriere beim erfolgreicheren Konkurrenten plant. Angebracht sind realistische Ziele, die den Wunsch nach Entwicklung im Unternehmen und gewisse Ambitionen – ohne Arroganz – zeigen.

Die richtigen Worte finden: Arbeite heraus, welche Ziele du in Hinblick auf deine Karriere hast und welche Entwicklungsmöglichkeiten dir das Unternehmen dabei bietet. In Zeiten des digitalen Wandels kannst du auch dein Interesse an lebenslangem Lernen betonen.

8. „Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?“

Darum geht es:

  • Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, Charakter und Sozialverhalten, Stresstest

Eine häufig gestellte Frage, die den Bewerber zu einem Perspektivwechsel auffordert: Die Freunde kennen einen privat – mit allen Stärken und Schwächen.

Die richtigen Worte finden: Du beantwortet mit dieser Frage, wie gut du dich selbst kennst. Überzeuge mit Eigenschaften, die auf dein Sozialverhalten schließen lassen.   

9. „Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?“

Darum geht es:

  • Realistische Gehaltsvorstellung, Branchenkenntnis, Budgetplanung

Der Arbeitgeber möchte mit dieser Frage feststellen, ob der Bewerber realistisch kalkulieren kann und beide eine gemeinsame Verhandlungsbasis haben.

Die richtigen Worte finden: Es ist wichtig zu wissen, dass es sich um ein Bewerbungsgespräch und nicht etwa um eine Gehaltsverhandlung handelt. Einzelheiten wie das Gehalt, Urlaub und dergleichen werden besprochen, nachdem die Entscheidung getroffen wurde und die genauen Bedingungen für den Arbeitsvertrag verhandelt werden. Das Unternehmen will sich vorher lediglich absichern, dass bezüglich der Vergütung grob dieselben Vorstellungen vorliegen.

Du hast dich auf die Frage mental vorbereitet, kennst Gehaltsfaktoren (Größe des Unternehmens, Berufserfahrung etc.) und ganz wichtig: Du weißt, was in deiner Branche üblicherweise gezahlt wird? Prima, dann weißt du, was du wert bist. Nenn eine realistische Spanne und hab auch das monatliche Gehalt sowie die Unterschiede zwischen Brutto und Netto auf Nachfrage parat. Nimm den Stress aus der Frage, in dem du dir klarmachst, dass du dich an dieser Stelle nicht bis auf den letzten Cent festlegen musst.

10. „Haben Sie noch Fragen an uns?“

Darum geht es:

  • Echtes Interesse, Persönlichkeit und Neugier zeigen, Branchenverständnis

Das ist klassischerweise die letzte Frage im offiziellen Teil des Bewerbungsgesprächs. Der Bewerber kann das Machtverhältnis nun umkehren und selbst Fragen stellen.

Die richtigen Worte finden: Um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, solltest du diese Chance unbedingt nutzen: Stell Fragen, die zeigen, dass du mitdenkst und echtes Interesse hast. Die Fragen sollten über eine rein informative Ebene hinausgehen und nicht über eine einfache Internetrecherche selbst zu beantworten sein.

Das Vorstellungsgespräch ist keine Prüfung, sondern in der Tat ein Gespräch. Bleib immer freundlich und du selbst – spiel keine Rolle, sondern vertrete dich und deinen Standpunkt souverän. Dein Wunsch-Arbeitgeber hat dich eingeladen, weil er bereits ein sehr großes Interesse an dir hat.

Du kannst dir hundert mögliche Fragen samt Antworten ausdenken. Doch Sicherheit bekommst du nur, wenn du mit Empathie in das Gespräch gehst und aus den Fragen heraushörst, welches Bedürfnis ein Arbeitgeber da erfüllt haben will. Dann kannst du auf Themen aller Art spontan und flexibel reagieren ­– und die Entscheider im großen Finale leichtfüßig und elegant von dir begeistern.

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