Foto: Kourtlyn Lott | Flickr | CC BY-ND 2.0

10 Jahre Elterngeld und Mama schmeißt den Laden noch immer

Das Elterngeld feiert 2017 seinen zehnten Geburtstag. Wie hat es das Familienleben verändert? Leider nur ein bisschen, findet unsere Community-Autorin Cora Christine Döhn.

 

Mütter nehmen Elternzeit, Väter nehmen „Vätermonate“

Das Elterngeld wurde vor zehn Jahren eingeführt, um die Geburtenraten wieder anzukurbeln und Müttern einen schnelleren Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Doch das war nicht alles. Die Transferzahlung sollte auch dafür sorgen, dass mehr Männer sich an der Kindererziehung beteiligen (können). Denn der Staat schenkt Eltern,  die sich die Erziehungsarbeit teilen, zwei zusätzliche Monate. Dahinter verstecken sich zwei Ideen: Zum einen sollten Männer motiviert werden, nach der Geburt ebenfalls Care-Arbeiten zu übernehmen. Zum anderen sollte ein politisches Signal gesetzt werden, das Arbeitgeber dazu zwingt, nicht nur Mütter, sondern auch Väter für eine Weile ziehen zu lassen.

Extra-Monate = Väter-Monate?

Nach zehn Jahren Elterngeld ist Zeit für ein Fazit: Hat Vater Staats Vorhaben funktioniert? Vielleicht ein bisschen. Aber es gibt noch viel zu tun. Das sieht man schon daran, dass die zwei geschenkten Elterngeldmonate sich – mir nichts, dir nichts – in zwei „Vätermonate“ verwandelt haben. Eine recht bizarre und erschreckende Entwicklung, die wohl auch die gesellschaftliche Wahrnehmung der Vater- und Mutterrolle widerspiegelt. Es sagt schon einiges über eine Gesellschaft aus, die es als Selbstverständlichkeit wahrnimmt, dass die Mutter standardmäßig die gesamte Elternzeit übernimmt und der Vater die zwei geschenkten Extra-Monate quasi als besonderes Bonbon für den modernen Mann bekommt. 2016 bezogen nur sieben Prozent der Väter länger als zwei Monate lang Elterngeld, während knapp 90 Prozent der Mütter die vollen zwölf Monate ausschöpfen.

Aufteilung der Elternzeit abhängig von den Finanzen

Wie sich die Aufteilung der Elternzeit und damit auch die des Elterngeldes im letzten Jahrzehnt entwickelt hat, hängt sicherlich nicht nur damit zusammen, dass Familienleben oft noch immer recht konservativ abläuft. Der häufig entscheidendere Punkt ist schlichtweg die Höhe des Elterngeldes. Wie viel Entgeltersatzleistung die Väter und Mütter erhalten, hängt von ihrem bisherigen Nettoeinkommen ab, maximal gibt es 1.800 Euro pro Monat. Paare können mit einem Elterngeldrechner schnell berechnen, wer bei ihnen aus finanzieller Sicht zu Hause bleiben sollte. Da Frauen meist weniger verdienen als Männer, ist es für die gemeinsamen Finanzen einfach praktischer oder auch notwendig, wenn sie mit dem Nachwuchs zu Hause bleiben. Ein weiteres Problem sind Arbeitgeber, die Vätern Steine in den Weg legen, wenn diese eine längere Auszeit für die Kindererziehung nehmen möchten.

Elterngeld Plus als Hoffnungsschimmer?

Nach der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 wurde schnell klar, dass die Leistung nicht die Bedürfnisse aller Familien bedient. Viele Mütter und Väter wünschten sich zum Beispiel, dass sie schneller wieder Fuß in ihrem Beruf fassen können, ohne auf den Großteil ihres Elterngeldes verzichten zu müssen. Denn wer trotz Elterngeld in Teilzeit arbeiten geht, muss seinen Verdienst mit der Entgeltersatzleistung verrechnen.

Die Politik hat daher einen Plan geschmiedet, um einen sanfteren Übergang zwischen Familien- und Berufsleben zu ermöglichen, und das Elterngeld Plus eingeführt. Diese Form des Elterngeldes wird nur zur Hälfte gezahlt, dafür aber doppelt so lange. Der Unterstützungszeitraum, während dem sich Eltern auf den Balanceakt zwischen Familie und Beruf einstellen können, verlängert sich durch das Elterngeld Plus. Finanziell lohnt sich das oftmals auch, da weniger monatliches Elterngeld mit dem Hinzuverdienst verrechnet werden muss.

Familie leben, so wie man will: Eine Utopie der Gegenwart

Muss das Geburtstags-Fazit nun sein: Elterngeld ist zwar schön und gut, doch es packt die strukturellen Probleme nicht am Schopf? Wohl schon. Denn alle, die aufs Elterngeld angewiesen sind, können nicht wirklich frei entscheiden, wer zu Hause bei den Kindern bleibt. Aktuell dürfte das Elterngeld einer ganzen Menge Familien diktieren, wer von ihnen (aus finanzieller Sicht) den Fokus auf die Erwerbsarbeit beziehungsweise auf die Haushaltsarbeit legen sollte. Ein Teufelskreis, der noch durchbrochen werden muss.

Was denkt ihr? Welche Reformen beim Elterngeld sind notwendig, um es gerechter zu gestalten?

Titelbild: Kourtlyn Lott | Flickr | CC BY-ND 2.0

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