Foto: Ricardo Alves | unsplash

Weiblich, 34, auf Jobsuche: Ja, wir werden dafür diskriminiert, eine Gebärmutter zu haben

Was macht man eigentlich, wenn man zum ersten Mal in seinem Leben laufend diskriminiert wird? Und dann auch noch für etwas, über das man froh ist? Als Frau Anfang 30 kann sich das Leben oft drastisch ändern, auf die eine oder andere Art.

Verliebt, verlobt … und automatisch schwanger?

Es begann alles mit meiner Verlobung als ich gerade 32 war. Mein wundervoller, großartiger Mann hat sich viele Gedanken gemacht und seine süßen Pläne monatelang vor mir geheim gehalten. Dann ist es passiert, unerwartet für mich, romantisch, kitschig und sogar lustig.

Im Leben hätte ich nicht damit gerechnet, welche negativen Effekten dieses wunderbare Ereignis und die Hochzeit hervorrufen könnten.

Die erste Frage nach meinen Kinderwünschen kam postwendend nach der Verlobung am ersten Tag zurück im Büro. Und übrigens: man muss nicht heiraten, um Kinder zu bekommen. Wer das glaubt, hat im Bio-Unterricht aber wirklich nicht aufgepasst.

Tschüss, Job!

Viele Fragen von vielen Kollegen und Freunden und Fremden (!) später kam dann die Kündigung. Offensichtlich bin ich nicht schnell genug schwanger geworden. Ich war mit 33 Jahren zu alt und zu teuer für mein Unternehmen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass ich einfach durch eine zehn Jahre jüngere neue Kollegin ausgetauscht wurde.

Und was macht man nun? 100 Bewerbungen, 30 Vorstellungsgespräche und 30 Absagen später? Außerdem geschätzte 30 Fragen nach Alter, Familienstand und Kinderwünschen später? (Habe ich erwähnt, dass ich mein Geburtsdatum im CV nicht angebe und nie Zeugnisse mitschicke aus denen hervorgeht, dass sich mein Name geändert hat?)

Option 1: In Panik verfallen

Als erwachsene, gut ausgebildete Frau in einer Leistungsgesellschaft ist Panik wahrscheinlich die naheliegendste Reaktion. Oh Gott, der Knick im Lebenslauf! Was werden die Leute denken? Wie erkläre ich das unerklärliche –  eine
Kündigung, trotz hervorragender Arbeitsergebnisse?

Option 2: Kopf in den Sand stecken und warten

Natürlich kann ich abwarten bis ich 40 und außerhalb des „gefährlichen“ Alters bin. Ich kann mich bis dahin über die Mindestsicherung freuen und in das allgemeine „man muss die Unternehmen schon verstehen“ (O-Ton Arbeitsamt) mit einstimmen.

Option 3: In Depressionen versinken und mit einer Familienpackung Eis auf der Couch vergammeln

Zuerst kommt wahrscheinlich noch ein bisschen Wut und dann die Depression. Man weint und beklagt sich, es ziehen immer mehr schwarze Wolken auf und man versucht die Tränen mit einer doppelten Portion Vanilleeis zu begraben.

Option 4: Weitermachen

Das ist die Option, die mich als grundoptimistischen Menschen am meisten anspricht. Niemals aufgeben, neue Wege finden, schließt sich eine Türe öffnet sich eine neue, etc. etc. etc…

Option 4b: Sich nebenbei auch noch dafür stark machen, dass sich solche Dinge in unserer Gesellschaft ändern

Ehrlich? Das mache ich so gut, wie es mir eben in meiner Position gelingt, aber das bringt mich manchmal an den Rande der Verzweiflung.

Und wenn wir schon bei Ehrlichkeit sind: Das da oben sind eigentlich gar keine Optionen, es sind die Phasen, die ich hinter mir habe und in die ich manchmal zurückfalle. Letztens hat jemand zu mir gesagt, es ist im Moment mein Job einen neuen Job zu finden. Ja, sicher. Aber es ist auch mein Job mich durch alle diese Phasen durchzuarbeiten, bis ich wieder bei Option 4 bin. Und das ist harte Arbeit.

PS: Hätte ich erwähnen sollen, dass ich gar keine Kinder bekommen kann, obwohl ich mir das gewünscht hätte? So als Spruch auf einem T-Shirt würde sich das sicher gut machen … vor allem in einem Bewerbungsgespräch.

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