Foto: Daniel Case | CC BY 2.0 | Wikimedia

Anna Wintour: Warum es gut ist, das Image einer Zicke zu haben

Sie ist die Eiskönigin der Modebranche. Und sie ist damit verdammt erfolgreich. Vielleicht kann man da noch etwas lernen. Happy Birthday, Anna Wintour!

 

Ich, eine Zicke? Vielen Dank!

Wohl jeder hat schon einmal von „Der Teufel trägt Prada“  gehört. Der Film zeigt, wie eisig der
Wind in der Modebranche weht – und das vor allem wegen der
Chefredakteurin des fiktiven High-Fashion-Magazins „Runway“. Verkörpert wird
die Chefin aus der Hölle von Meryl Streep, Vorbild aber war – na klar – Anna
Wintour
.

Die Chefredakteurin und Condé Nast Artistic Director Anna
Wintour ist seit jeher das
Paradebeispiel für eine komplizierte und herrschsüchtige Chefin,  da ist man sich in der Öffentlichkeit einig. Oder kurz gesagt:
Sie hat das Image der Königin aller Zicken. Aber wieso sollte das in einer
Führungsposition eigentlich schlecht sein, fragt sich Vanessa Merit Nornberg bei Inc.

Sie
selbst ist CEO und nimmt daran Anstoß – denn welcher Mann, der hart durchgreift, wurde
jemals als „Zicke“ beziehungsweise im Englischen als „Bitch“ betitelt? Merit Nornberg findet, dass wir uns daher Anna Wintour als Vorbild
nehmen sollten und unsere innere Zicke frei lassen – in drei Schritten. Wir
haben uns ihre Argumente mal angesehen.

1. Entscheidungsfreudigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg

Es gehört zur Kernaufgaben jeder Führungskraft, schwierige Entscheidungen zu treffen – und zwar genau die,
die andere nicht wagen. Und es sind eben schwierige Entscheidungen, weil sie
meist kontrovers sind und schnell jemanden finden, der sich dagegen aussprechen
wird. Bestimmt zu reagieren, ist der Schlüssel dazu, die Situation erfolgreich zu meistern, anstatt die Situation erst tagelang zu analysieren oder
sich erst gar nicht an eine Entscheidung zu trauen. Und genau für diese Entschlussfreudigkeit
ist Anna Wintour bei der Vogue bekannt.

Wenn also die Fähigkeit, auch harte Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu tragen, zu einem Bitch-Image führt, dann wird dieses Schimpfwort über kurz oder lang zu einem Kompliment. Denn genau damit wird die innere Zicke ein Einstellungskriterium,
wenn es um Chefposten geht. Und das ist dann nichts, was einem unangenehm sein
sollte.

2. Wer delegiert, schafft die Basis für Innovation

Als Redakteurin verlässt sich Anna Wintour auf die
Fähigkeiten von Fotografen, Autoren, Layoutern und so weiter, um ihre Vision
von einem guten Magazin Wirklichkeit werden zu lassen. Und indem sie das tut,
braucht sie sowohl die Fähigkeit Verantwortung zu delegieren und sich damit abhängig zu machen von den Menschen, die Aufgaben übernehmen. Man könnte nun sagen: Alle anderen nehmen ihr also den Job ab und
sie glänzt dafür. Ihr Erfolg zeigt aber, dass genau in diesem Delegieren der Schlüssel
für gute Arbeit liegt. Sie weiß, wer was besonders gut kann. Wer als Mitarbeiter schlechte Ergebnisse liefert, muss mit den Konsequenzen leben. Dazu gehört auch eine negative Kritik der Chefin. Na und?

Wir halten jedenfalls fest: Delegieren ist Teil des Jobs als Chefin und
macht dich nicht zur faulen Zicke, sondern zu jemandem, der weiß, welcher Expertin
du den Job geben musst, um ein gutes Resultat zu erzielen. Wenn es schief geht,
muss eine Führungskraft reagieren und das ist dann eben nicht immer kuschelig. Wenn alles gut läuft,
dann sollte man sein Team aber durchaus auch loben können. Das tut dem guten
Zicken-Image schon keinen Abbruch.

3. Unerreichbarkeit zu kultivieren schadet nie

Wie viele andere in einer solchen Position wurde aus Anna
Wintour auch eine Figur der Öffentlichkeit gemacht, die fest mit
ihrem Posten verknüpft ist. Sie ist dabei nicht nur für ihre Stimmgewalt in
Sachen Mode
bekannt, sondern auch dafür, dass sie ihr professionelles Leben
strikt von ihrem Leben als Privatperson trennt.

Viele missverstehen dieses klare Grenz als
weiteren Hinweis auf ihren Zicken-Status. Dabei ist es für jede
Führungsposition sowohl wichtig, Vertrauen zu schaffen als auch ein gewisses Überraschungspotential
zu wahren, denn das kann in schwierigen Verhandlungen entscheidend sein. Bei
anderen die Neugier aufrecht zu erhalten kann ein machtvolles Instrument dazu
sein, einen Deal abzuwickeln, Veränderung zu bewirken oder sich im Wettstreit
ein Quäntchen Vorsprung zu verschaffen. Wenn also die Tatsache, nicht für jeden
ein offenes Buch zu sein, auch gleich in die Zicken-Schublade führt, dann Bitteschön. Wir sind hier längst auf der Spur von doppelten Standards.

Hinter dem ominösen Begriff der „Zicke“, der vor allem Stereotype über erfolgreiche Frauen bedient, stecken also gute Eigenschaften, wenn man sich mal die Mühe macht, dahinter zu schauen. Alles Eigenschaften, die sich übrigens Mann und Frau in einer Führungsposition
auf die Fahne schreiben können. Aber bei allem Zickentum sei gesagt: Vergesst
nicht, dass für euch Menschen arbeiten, die gut behandelt und in ihrem Tun
geschätzt werden wollen. Denn wer die Teammitglieder vergrault, macht seinem Leben als Chefin schnell selbst ein Ende.

In dem Sinne: Liebe Anna Wintour, Happy Birthday!

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