Foto: Lu zieht an | Luciana Schmidt

Gibt’s die auch in klein UND dick? Warum die neuen Barbies noch immer zu perfekt sind

Die neue Barbie ist jetzt da: größer, kleiner oder dicker. Ein Schritt, der schon lange nötig war. Luciana Schmidt vom Plus-Size Blog „Lu zieht an“ sagt uns, was sie über die neuen Modelle denkt.

 

Gibt’s die auch gemischt?

Die „neue“ Barbie – ein Schritt, der sehr wichtig ist und schon lange nötig war. Nach der ewigen Diskussion um ihren Körper ist Barbie nun größer, kleiner oder dicker. Und da frage ich mich gleich: Gibt’s die neue Barbie auch gemischt? Denn ich bin klein UND dick, also hätte ich gerne eine „petite curvy“ Barbie! 

Generell sehe ich hier eine positive Veränderung. Barbie, unser Vorbild von klein auf, wird vielfältiger. So wird die Tall-Barbie eine Freundin für die Mädchen, die in der Schule gehänselt werden, weil sie größer sind als die anderen. Die Petite-Barbie bekommt trotz ihrer Körpergröße einen tollen Job und ist erfolgreich – und somit der richtige Ansporn, nicht aufzugeben, weil man kleiner ist. Und die Curvy-Barbie zeigt: Auch wenn man dick ist, kann man sich durchaus stylish kleiden. Zu verstecken braucht sich deswegen niemand.

Wo ist die Barbie mit Behinderung?

Natürlich wurden bereits einige Stimmen laut, dass die drei neuen Modelle nicht genügen. Wo sind die Barbies mit Makeln? Barbies mit Behinderung? Die Aussage ist deutlich: Barbie ist noch immer zu perfekt. 

Tatsächlich stimme ich dem zu, dass Barbie trotz des neuen Looks, des Andersseins und vielleicht auch dieser eventuell gesehenen Makel unserer Gesellschaft – größer, kleiner oder dicker zu sein ist ja nun wirklich nichts Schlimmes! – nach wie vor eben makellos ist. Barbie ist schön und erfolgreich, bekommt jeden Traumjob als Ärztin, Pilotin oder Präsidentin. Vielleicht sollte sich unsere Gesellschaft genau daran ein Beispiel nehmen, denn Barbie ist in ihrer Welt schon gleichberechtigt. Sie muss sich weder darum scheren, wie sie als Frau einen Job in Führungspositionen bekommt, noch muss sie aufgrund ihres Geschlechts einen niedrigeren Arbeitslohn akzeptieren. Zuhause wartet ihr Traummann Ken (Bekommt der eigentlich auch ein „Update“?) in ihrem Traumhaus auf sie. Ein Stück weit bleibt Barbie wohl immer realitätsfremd.

Echtere Alternativen

Wer eine „echtere“ Puppe will, sollte sich momentan nach der Puppe „Lammily“ mit ihren „Lammily Marks“ umsehen. Zu denen gehören unter anderem Akne, Cellulite, Pickel und Narben, aber eben auch positive Merkmale wie Sommersprossen, Tattoos, gerötete Wangen und Gras- und Schmutzflecken – denn Lammily hat Spaß und fällt auch mal auf die Nase. Mir persönlich gefällt dieses Konzept etwas besser. Lammily ist realitätsnah, der Körperbau entspricht eher dem eines lebensfähigen Menschen, ist etwas normaler, nicht übertrieben geschminkt und sie hat eben auch ihre Probleme, die wir alle kennen. 

Trotzdem würde ich mir wünschen, dass Barbie diesen Sprung auch schafft. Den Sprung zur Normalität, zum alltäglichen Leben. Denn Barbie ist eben DAS Vorbild der Puppen. Barbie ist unsere Freundin. Wäre es da so verkehrt, wenn man zum Beispiel seinem gehbehinderten Kind eine Barbie im Rollstuhl schenken könnte? (Diese Version der Barbie – genannt „Becky“ – wurde 1996 als Sonderedition einmalig auf den Markt gebracht. Kaufen kann man sie heute nicht mehr.) Oder seinem krebskranken Kind eine Barbie ohne Haare, mit der es gemeinsam die Chemotherapie übersteht? Da helfen die zig Frisuren und Haarfarben ja auch nichts – und, dass das kreative Abschneiden gewöhnlich nach hinten losgeht, wissen wir vermutlich alle. 

Die richtigen Werte vermitteln

Das klingt vielleicht sehr drastisch und geht noch einen ordentlichen Schritt weiter als Lammily, aber vielleicht wäre es genau das Richtige. Schließlich wird gerade beim Spielen im Kindesalter viel Inspiration aus dem echten Leben geholt, man schlüpft in verschiedene Rollen, spielt eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln wieder und wieder durch. Den Prozess des Spielens sollten wir wirklich nicht unterschätzen. Daher sollte Barbie eine Frau sein, die unseren Kindern ein Vorbild sein kann und ihnen die richtigen Werte vermittelt. 

Barbie könnte die starke Frau sein, die zwar im Rollstuhl sitzt, aber trotzdem all das erreicht, was sie sich vornimmt. Oder, sie ist die beste Freundin, die zusammen mit dir den Krebs besiegt, weil sie das Gleiche auch schon durchgemacht hat. Als Diabetikerin (Typ 1, seit ich zehn Jahre alt bin), hätte ich damals eine Barbie mit einem kleinen Plastik-Spielzeug-Blutzuckermessgerät toll gefunden – denn ich war damals die Einzige in meiner Klasse und sogar auf der ganzen Grundschule, die Diabetes hatte. Vielleicht wäre mir die erste Zeit leichter gefallen, wenn ich sie nicht alleine hätte durchmachen müssen. 

Niemand ist perfekt

Barbie soll uns unterstützen, Verständnis entgegenbringen und eben jemand sein, mit dem man sich identifizieren kann. Und dazu gehört auch, dass der Mensch nicht perfekt ist. Etwas, das wir unseren Kindern von klein auf beibringen sollten – perfekt gibt es nicht und wir sollten das von niemandem, weder uns selbst, noch von anderen, erwarten. 

Was ich mir noch wünschen würde, wäre, dass es für all das keine Namen bräuchte. Denn es ist selbstverständlich, dass wir nicht alle gleich aussehen. Wir sehen nicht alle wie das Barbie-Ideal aus. Aber muss es unbedingt benannt werden? Ich finde die Bezeichnungen zwar nicht abgrenzend, aber man bräuchte sie nicht. Denn Vielfalt ist eben so. Da ist jemand, der größer ist, normal, und jemand, der kleiner ist, ebenso. Auch jemand, der dicker ist, gehört zum ganz normalen Prinzip der Vielfalt. Und vielleicht lernen wir das ja doch noch endlich von Barbie, auch wenn das alles ein bisschen zu spät kommt.

Zum Blog von Luciana geht es hier entlang.

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