Foto: Gabriel Santiago

Zehn Monate, 90 Bewerbungen, unzählige Standardabsagen – Was stimmt nicht an mir?

Mein Freundeskreis weiß, dass ich mittlerweile nicht nur ein Lied sondern gleich ein ganzes Album über die Jobsuche singen könnte. Mittlerweile sind zehn frustrierende Monate vergangen, über 90 Bewerbungen verschickt – und das Ergebnis? Viereinhalb Bewerbungsgespräche, unzählige Standard-Absagen und noch immer kein Job.

 

Ich bin gut ausgebildet

Ich hab eine dreijährige Ausbildung als Mediengestalterin Digital und Print im Printbereich (Druckvorstufe und Bildbearbeitung) hinter mir und arbeite seit einem Jahr auch in der Agentur in der ich ausgebildet wurde – unbefristet. Teamleiter, Projektmanager und Co. sind zufrieden mit meiner Arbeit und froh, wenn sie wissen, dass ich ihre Projekte bearbeite und druckfertig mache.

Durch meine Ausbildung kenne ich vom ersten Tag Termindruck, Jobs die mal kurz dazwischen funken, Drucktermine die sich verschieben – den üblichen Agenturwahnsinn eben. Eine Erfahrung, die ich den meisten studierten Mitstreitern voraushabe.

Trotz Erfahrung nochmal Trainee?

Da ich aus dem Printbereich bin, bilde ich mich in meiner Freizeit über einen Fernkurs noch als Webdesignerin weiter. Agenturen und Unternehmen biete ich aufgrund meiner fehlenden Online-Erfahrung auch an, das erste halbe Jahr als Trainee zu absolvieren. Ich mache also deutlich: „Hey, ich hab Bock auf Ihr Unternehmen und bin bereit auch noch viel dazu zu lernen.“

Insgesamt vier Mal habe ich meine
Bewerbung überarbeitet, verbessert, das Standardanschreiben nach ein
paar Bewerbungen jedes Mal persönlich auf das Unternehmen zu geschnitten
und mir kreative Anschreiben überlegt. Zehn Leute im Bekanntenkreis
waren schonungslos mit ihrer Kritik und können sich jetzt keine Absage
mehr erklären. Auch meine jetzigen Kollegen in der Agentur sind
überzeugt, dass ich gut und belastbar bin und eigentlich schnell etwas
finden müsste. Pustekuchen. Reales und virtuelles Netzwerken führen
leider noch zu keinem Erfolg.

Zu jung oder zu unfähig?

Die Frage, die ich mir nach der Zeit
stelle: Bin ich mit 22 Jahren wirklich zu jung? Und in zwei Jahren bin
ich dann wahrscheinlich zu alt, da es ja sein könnte, dass mir meine
Eierstöcke in die Quere kommen und ich Mutter werden könnte(!) – oder
was? Dann bekomme ich Fragen wie „Möchten Sie wirklich so weit weg von Ihrer Familie
wohnen?” oder „Sind Sie sich sicher hier her zu ziehen?”. Ja bin ich! Ich
bin 22, will etwas Neues lernen, mich weiterentwickeln und mach mir über
mein Handeln genau Gedanken – nachzulesen zum Beispiel hier.

Warum glauben Unternehmen nicht, dass ich wirklich umziehen will? Ich möchte in Berlin arbeiten, wohne momentan aber noch mehr als 500 km entfernt. Ich habe einen festen Freundeskreis in der Stadt und habe mir diesen Schritt lange und gut überlegt. Somit liebe zukünftige Arbeitgeber: Ich werde nicht nach ein paar Monaten vor lauter Heimweh wieder abhauen.

Die Absagen verletzen

Jede Absage ist wie eine virtuelle
Ohrfeige und mit der Zeit ist es verletzender als jeder Korb, jedes
miese Tinder-Date oder jede noch so schräge Verabredung. Das
Bewerbungsverfahren fühlt sich immer etwas nach Speed-Dating an. Denke
das nur ich so? Ich bin vergeben und somit auch auf keinen Dates. Jedoch
entdecke ich immer mehr parallelen zwischen Dates und Bewerbungen. Ist
man gut genug? Hübsch genug (auch wenn Personaler das nicht zugeben
würden)? Könnte man die Mutter der zukünftigen eventuellen Kinder oder
eben der Projekte sein? Oder eben nicht mal für eine schnelle Nummer
geeignet? Oder bin ich zu kompliziert weil ich nicht sofort verfügbar
bin, aufgrund einer zweimonatigen Kündigungsfrist.

Jetzt erst recht!

Für die Date-Suche gibt es unzählige
Apps – die für die Jobsuche schießen genauso schnell aus dem Internet,
egal ob für Freelancer, Tandem-Jobpartner, Praktika, Vollzeit – egal.
Oft stolpert man über die gleichen Jobs, manchmal findet man auch eine
Ausschreibung die man noch nicht auf den anderen Seiten gefunden hat.
Somit werden tägliche alle möglichen Apps und Seiten durchforstet auf
der Suche nach „dem einen Job“.

Ich bin echt nicht empfindlich und kann
mit Niederlagen umgehen. Jede Absage spornt mich an noch mehr in die
nächste Bewerbung zu investieren, aber mittlerweile weiß ich nicht mehr,
was ich noch machen soll um einen Job in Berlin zu ergattern. Die
Jobsuche in der Berliner Medienbranche ist schwer, ich weiß es, ich
wusste es vorher und habe mich darauf eingestellt. Aber langsam kommt es
mir vor als wäre die Medienbranche der Bachelor und er hat keine Rose für mich.

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