Foto: Bernd Roselieb/Deutsche Bahn

Eine Frau für den schwierigsten Job bei der Deutschen Bahn

Birgit Bohle soll im Vorstand der Deutschen Bahn künftig für den Bereich Fernverkehr verantwortlich sein – und damit für die Lösung einer Menge Probleme.

 

Eine Frau für den Vorstand der Deutschen Bahn

Ihr Motto hat sie mal in einem Interview genannt: Geleistetes wertschätzen und neue Ziele setzen. Birgit Bohle, 41, soll nun in den Vorstand der Deutschen Bahn aufsteigen und dort für den Bereich Fernverkehr verantwortlich sein – der Bereich gilt als einer der härtesten Jobs bei der Deutschen Bahn.

Birgit Bohle war bei Bertelsmann, BASF und
McKinsey. Bei McKinsey beriet sie die Deutsche Bahn, wechselte
2007 zum Konzern und stieg dort auf, seit 2011 ist sie
Vertriebsleiterin. In Interviews muss sie immer wieder mal versichern, dass das
durchaus nicht einer der undankbarsten Jobs sei, die in Deutschland
zu vergeben seien. Aber einfach ist er sicher nicht.

Ist Birgit Bohle zu unerfahren für den Job?

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, so heißt es,
habe es Vorbehalte gegen ihre Ernennung gegeben. Sie sei zu unerfahren, habe noch nie einen Bahnbetrieb operativ geleitet. Drei Gründe gelten als ausschaggebend dafür, dass sie den Job trotzdem bekommen hat: Zum
einen fehlte nach dem Ausscheiden der bisherigen Technikchefin,
Heike
Hanagarth,
eine Frau im Vorstand
des Staatskonzerns Deutsche Bahn, was natürlich nicht so gut kommt,
wenn die Bundesregierung eine Frauenquote einführt und auch sonst für mehr Frauen in Führungspositionen wirbt.

Außerdem
ist Bohle seit 2007 bei der Deutschen Bahn und gilt als eigener Nachwuchs.
Seit 2011 leitet sie den Vetrieb bei des Unternehmens, und hat diesen kräftig
umgekrempelt, wie etwa den Fahrkartenverkauf
vom
Schalter- und Automatenverkauf auf das Internet ausgerichtet, wofür
sie im Konzern viel Anerkennung bekommen hat. Der Ausbau des Online-Fahrkartenverkaufs und die Nutzung von Apps für den Ticketkauf waren ein
Kernanliegen der Bahn, gerade weil Konkurrenten wie
Fernbusunternehmen, Carsharing-Plattformen und Fluggesellschaften
ausschließlich online Tickets anbieten.

Probleme, die Birgit Bohle nun lösen muss

Alles, was unter „Störungen im
Betriebsablauf“ zusammengefasst wird, sind in Zukunft ihre
Probleme: Kaputte Klimaanlagen, Sturm,Verspätungen durch Suizide auf
den Gleisen oder Triebwerksstörungen, Signalstörungen, Weichenstörungen, Baustellen – also all das, was zu Verspätungen führt und worüber der
gemeine Bahnkunde sich am liebsten echauffiert.

Und sie muss Lösungsansätze
im Konkurrenzkampf mit der Fernbusbranche finden, die wegen deutlich
günstiger Ticketpreise der Bahn immer mehr Kunden abgräbt, kurz: Es
geht nicht nur darum, dafür zu sorgen, dass Fernzüge wie die ICEs
pünktlicher fahren und besser funktionieren, sondern auch darum,
wieder mehr Geld zu verdienen.

Erfüllt sie die Erwartungen der Bahn-Kunden?

Die Fernzugsparte der Bahn hatte in den
vergangenen Jahren nie die Erwartungen erfüllt: Im
ersten Halbjahr wurde ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 58
Millionen Euro eingefahren, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein
Minus von beinahe 53 Prozent.

In einem Interview hat Birgit Bohle mal gesagt: „Wichtig ist für mich immer, die Mitarbeiter für das Geleistete und ihre Erfahrungen wertzuschätzen und gleichzeitig neue Impulse zu setzen und frischen Wind hereinzubringen“ – für Letzteres wird sie jetzt auch bei ihrer neuen Aufgabe jede Menge Gelegenheiten haben.


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