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„Max” versus „Murat” – für echte Chancengleichheit an Schulen muss sich die Lehrer*innen-Ausbildung ändern

Werden Kinder mit nicht-deutschen Namen in der Schule diskriminiert? Die Ergebnisse einer neuen Studie sprechen dafür.

 

„Max” versus „Murat” 

Deutschland hat ein Rassismusproblem – was für Betroffene und Expert*innen keine Überraschung darstellt, ist auch in der gesellschaftlichen Debatte nicht mehr zu leugnen. Der Umgang mit dem ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil und das Urteil im NSU-Prozess zeigen dabei das breite Spektrum von Diskriminierung, das bei rassistisch konnotierten Aussagen anfängt und im letzten Schritt tödlich sein kann. Und deshalb muss auch eine Debatte über strukturellen Rassismus geführt werden. Dazu gehören auch die Rassismuserfahrungen von Kindern in Schulen. Wie sehr Rassismus auch in Bildungseinrichtungen verankert ist, zeigt einmal mehr eine neue Studie, die Wissenschaftler*innen der Universität Mannheim durchgeführt haben und die aufzeigt, dass angehende Lehrkräfte schlechtere Diktat-Noten für Schüler*innen mit „ausländischen“ Namen vergeben, obwohl die Anzahl der Fehler gleich war. 

Für die Studie wurden 204 Lehramtsstudent*innen, im durchschnittlichen Alter von 23 Jahren, Diktate zur Benotung vorgelegt. Die Diktate waren, einschließlich der Fehleranzahl, identisch, nur dass die eine Hälfte das Diktat von „Max” bekam und die andere Hälfte das von „Murat”. Das Ergebnis: die Teilnehmer*innen leiteten unterschiedliche Noten aus der gleichen Fehleranzahl ab: „Max” wurde dabei besser bewertet als „Murat”, trotz gleicher Fehleranzahl.

Lehrer*innen brauchen objektive Maßstäbe 

Meike Bonefeld, eine der beiden Herausgeber*innen der Studie, sagte dazu: „Es zeigte sich, dass es keine Unterschiede in den gezählten Fehlern für das Diktat des vermeintlich türkischen und für das des vermeintlich deutschen Schülers gibt, wohl aber in den daraus abgeleiteten Noten. Daraus leiten sich, laut Bonefeld, direkte Konsequenzen für die Lehrer*innen-Ausbildung ab: „Es ist wichtig, objektive Bewertungsstandards zu entwickeln, die dann von Lehrkräften angewendet werden können.” Während das Fehlerzählen, so Bonefeld, eine eher leicht zu fällendes Urteil darstellt, weil die Anzahl der Fehler das Urteilskriterium darstellt, scheinen bei der Übertragung dieser Fehleranzahl in eine Note andere, subjektive Bewertungskriterien mit einzufließen. Dagegen könnten zum Beispiel Fehlertabellen helfen, die es an einigen Schulen für Diktate auch schon gibt. 

Die Ergebnisse der Studie, die Teil eines langfristigen Forschungsprojektes ist, dienen auch als Grundlage für weitere Forschung. So arbeiten Bonefeld und ihre Kolleg*innen gerade an einer Studie, die überprüft, ob es sich bei der unterschiedlichen Bewertung der Schüler*innen um eine Benachteiligung der vermeintlich türkischen Schüler*innen oder eine Bevorteilung der vermeintlich deutschen Schüler*innen handelt. Beides wäre relativ gesehen, zum Nachteil der türkischen Schüler*innen, würde allerdings jeweils andere Handlungsempfehlungen nach sich ziehen.

Die Studie der Universität Mannheim zeigt – so wie viele weitere Studien – das Chancengleichheit in deutschen Schulen auch durch Rassismus erschwert wird. Sie zeigt darüber hinaus, da die Studienteilnehmer*innen allesamt in der Ausbildung waren, dass sich das Problem von rassistischen Strukturen nicht durch die Verrentung von älteren Lehrer*innen von ganz alleine lösen wird, sondern dass die Lehrer*innen-Ausbildung dringend auf diese Probleme eingehen muss. Bis dahin bleibt das Gefühl vieler Kinder aus Einwandererfamilien, dass sie immer doppelt so viel leisten müssten, um die gleichen Noten zu erlangen, leider Realität.


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