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Das Überschreiten von Grenzen – wie ich gelernt habe, damit umzugehen

Im täglichen Leben begegnet man immer wieder Menschen, die
bewusst oder unbewusst die Grenzen des Gegenüber überschreiten oder missachten. Doch wie geht man am besten damit um?

 

Wo ist die Distanz geblieben?

Jeder Einzelne von uns hat Grenzen. Innerliche als auch äußerliche, sichtbare und weniger sichtbare. Die Einen können diese Grenzen klar benennen, die anderen jedoch sind introvertiert und erwarten, dass das Umfeld von sich aus diese Grenzen bemerkt und einhält.  

Immer häufiger beobachte ich, wie Menschen die Privatsphäre des Gesprächspartners und somit dessen Grenzen skrupellos durchdringen. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, wie nahe man diesen Menschen steht. Im beruflichen Kontext sind es die Kollegen, im Privaten sind es Familienmitglieder oder gar der eigene Partner, der die Grenzen missachtet. 

Doch woran liegt das eigentlich? Sind diese Menschen schlichtweg unhöflich oder bemerken sie den Umstand überhaupt nicht? Woher nehmen sie sich das Recht, so tiefen Einblick in das Leben anderer zu bekommen? Können sie sich einfach nicht in das Gegenüber hineinversetzen, oder wollen sie das gar nicht? Schier endlose Antwortoptionen tun sich auf. 

Grenzen verwischen

Die Folge: Durch solche Verhaltensmuster, die Missachtung der Grenzen, entsteht zunehmend eine Stimmung der Vereinnahmung und Grenzen verwischen immer mehr. 

Bemerkenswert sind vor allem die Reaktionen solcher Leute, wenn man sie auf ihr Verhalten hinweist. Doch Vorsicht: Sollte man mit seinen Erklärungen auf Unverständnis stoßen, kann sich ein eigentlich harmloser, gut gemeinter Hinweis als Kraftakt entpuppen.

Man möchte nicht unhöflich klingen oder gar sein Gegenüber verletzen, weil man sich eigentlich gut versteht. Also versucht man es auf die nette Art. Die Folge? Die bohrenden Fragen scheinen kein Ende zu nehmen! 

Liegt das an mir?

Gibt es ein Problem in meiner Erwartungshaltung? Wenn ich keine persönlichen Fragen stelle, erwarte ich automatisch, dass mein Gegenüber das auch so hält. Leider geht diese Rechnung meistens nicht auf. 

Deshalb habe ich für mich ein paar Regeln entwickelt, die mir helfen, besser mit solchen Situationen umzugehen.

1. Mehr innere Achtsamkeit – Will ich diese Frage überhaupt beantworten? Wie fühle ich mich dabei?

2. Nicht gereizt reagieren, sondern versuchen, sachlich und höflich zu bleiben.

3. Versuchen, die Frage klar einzuordnen: Worauf nimmt sie Bezug? Was könnte die Absicht des Fragenden sein?

4. Wenn die Absicht definitiv negativ oder aber nicht klar feststellbar ist, frage ich mein Gegenüber direkt: „Warum möchtest du (beziehungsweise möchten Sie) das denn wissen?“ 

Konkret darauf hinweisen

Manchmal ist es wirklich so, dass der Fragende nicht bemerkt, dass die Art und Weise oder der Inhalt beim Gegenüber Unwohlsein hervorruft und bereits die private Grenze überschreitet. 

Wenn mir die Situation zu anstrengend wird, weise ich die Person direkt darauf hin und erkläre, dass ich diese Frage nicht beantworten möchte. Manchmal füge ich hinzu, dass die Frage keinen Beitrag zum (beruflichen) Kontext darstellt und dass ich deshalb nicht darauf eingehen werde.

Wichtig dabei ist dennoch, dass man immer höflich und sachlich bleibt. Dieses Verhaltensmuster hilft mir im Alltag, mit unterschiedlichen Menschen klarzukommen – ohne mich selbst zu verbiegen oder unwohl zu fühlen. Ein weiterer Vorteil einer solchen Haltung besteht zudem darin, dass man Missverständnisse vermeidet und dadurch einen positiven Beitrag für das Arbeitsklima leistet.

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