Foto: Kirsten Becken

4 Fragen, die sich Gründer stellen, bevor sie ein Startup gründen – und unsere Antworten

Hinterher ist man immer schlauer – da ist öfters schon was dran. Und weil auch wir inzwischen ein bisschen weiser sind als vor der Gründung von EDITION F, antworten wir auf die zehn wichtigsten Fragen, die wir vor der Gründung hatten. Heute starten wir mit den ersten vier Fragen.

 

1. Ist das Startupleben wirklich so, wie man in den Medien liest?

Als wir EDITION F gegründet haben, kannte ich die Startupszene schon recht gut. Dachte ich.

Als Redaktionsleiterin von Gründerszene hatte ich viele Gründer interviewt, Investoren gesprochen, saß bei Abendessen in scheinbar offenen Dialogen und hatte mich mit dem ein oder anderen angefreundet.

In den zweieinhalb Jahren meiner Gründerszene-Zeit hatte sich unglaublich viel bewegt. Und da war ganz schön viel Erfolg in Berlin, da waren ziemlich viele gute Zahlen, immer größere Investments, immer mehr internationale Investoren und Aufmerksamkeit von Medien weit über die deutschen Grenzen hinaus und nur ganz selten kam mal eine Idee Zweifel auf oder eine Insolvenz dazwischen.

Ich hatte damals die Journalistenbrille auf. Und dadurch blieb der Blick oft trotz Recherche oberflächlich, weil die meisten Gründer aus gutem Grund mit Journalisten nicht offen sprechen. Weil viele Medien nicht in der Startupwelt stecken und ein Eingestehen von Fehlern oft viel zu stark als provokante Headline missbraucht wird. Und nicht als Chance bewertet wird für das Startup, Dinge künftig anders zu machen. Scheitern bleibt ein Problem in Deutschland.

Diese Perspektive des glücklichen Booms änderte sich schlagartig mit Susanns und meiner Gründung. Auf einmal waren da Gespräche mit anderen Gründern über kritische Momente, geplatzte Investments, müde Augen und verdammt schwere Zeiten.

Sogar die heutigen Proven Stars am Berliner Startuphimmel sind alle mal durch ihre Krisen gegangen. Die Zeilen vom glamourösen Startup-Leben zeigen nur wenig echtes Geschäft. Die Wahrheit ist: Gründen ist herausfordernd. Immer wieder kommen
Zweifel. Ängste. Harte Entscheidungen. Die Sorge um das Geld. Die Sorge
um den Erfolg. Erwartungen. Zeitmangel. Und dann vergisst man manchmal,
sich an den vielen kleinen und großen Errungenschaften und dem
Erreichten zu freuen, zu reflektieren, wo man gerade steht und wo man
hinmöchte, um festzustellen, dass der Schritt genau der richtige war.

Ein Startup zu gründen und zu führen, ist das Beste, was wir uns vorstellen können, aber auch Tiefen gehören dazu. Also glaubt den Medien kein Wort und macht euch auf eine Achterbahnfahrt gefasst.

2. Wer kann mir Feedback geben? Wie kann ich meine Idee schützen?

Immer wieder bin ich auf Gründerinnen und Gründer gestoßen, die nicht über ihre Idee sprechen wollten. Manchmal gab es Startups, die jahrelang im Stealth Mode waren. Manche wollten sogar, dass ich einen Geheimhaltungsvertrag unterschreibe, bevor sie mit der Sprache rausrückten. Ich halte dieses Vorgehen in 99 Prozent der Fälle für falsch. Ideen sind mit Ausnahme von Patenten ohnehin nicht schützbar. Und die Angst vor dem Kopieren ist meist unbegründet. Spätestens im Moment des Launches ist die Idee ohnehin allgegenwärtig. Und dann gegen Kopierer nicht gefeit. 

Dafür läuft man aber bei all der Geheimniskrämerei Gefahr, dass das Produkt, welches man in monatelanger harter Arbeit entwickelt hat, am Ende gar nicht ankommt; ein Fantasiegespenst bleibt, das neben einem selbst und den zwei besten Freunden eigentlich niemand haben will. Erst wenn man beginnt, mit potenziellen Kunden und Investoren über die Idee zu sprechen, wird man diese weiterentwickeln können.

Bei der Wahl der Feedbackgeber würde ich dabei immer nach den Sternen greifen. Überlegt genau, wer für eure Idee sinnvolles Feedback haben könnte, schreibt die Personen an (zum Beispiel über Xing, LinkedIn et cetera) und fragt, ob euer Wunschgesprächspartner 30 Minuten Zeit für einen Kaffee und Feedback hätte.

Ideen sind nicht schützbar. Und können nur besser werden, wenn man mit den besten Leuten über sie spricht. Also: Chancen für Feedback nutzen. 

3. Welches ist der beste Name für mein Startup?

Die Namenssuche war uns am Anfang unglaublich wichtig. Irgendwie hat das Ganze wohl noch keine bindende Realität, solange es keinen Namen für das Baby gibt. Wir brainstormten zu zweit, allein, in entspannter Atmosphäre, wir luden unsere kreativsten Freunde zum Essen ein, wir probierten es mit den verschiedensten Techniken zur Namensfindung. Und dann probierten wir es immer wieder mit Online-Umfragen. Doch schlussendlich wollten unsere Befragten irgendwie nicht so richtig wie wir. Wir fühlten uns mit den Ergebnissen nicht wohl.

Susann hatte relativ früh die Idee zu EDITION F. Und irgendwie verliebten wir uns ziemlich schnell in den Namen. Was sich viele ohne Produkt noch nicht vorstellen konnten, funktioniert mittlerweile noch immer wunderbar für uns.

Am Ende sollte man neben dem Blick auf die URL-Thematik (denn die .com- und .de-Endungen sind natürlich oft schon weg) also auch ein Stück weit mit dem Herzen gehen.

4. Wie finde ich Investoren?

An den ersten Tag im Homeoffice im September 2013 erinnere ich mich
noch genau. Susann und ich am Esstisch in ihrem Wohnzimmer, die Laptops
aufgeklappt und dann die Frage: Wo starten?

Hausaufgaben machen

Der erste Schritt ist auf jeden Fall, konkret zu werden. Die Idee auszuformulieren und unternehmenstauglich zu machen. Und
so verbrachten Susann und ich die ersten zwei Wochen intensiv damit,
einen Businessplan zu schreiben und uns ein Bild von unserem
Finanzbedarf zu machen. Die meisten Gründer würden hier schon abwinken.
Alles Blödsinn. Ein Pitch Deck – die Präsentation, mit der Gründer ihre Idee bei
Investoren vorstellen  – und ein MVP, der Prototyp des Produktes mit
den Minimalanforderungen, würden reichen. Vor Investoren, die in die
Finanzfantasien schauen wollen, sollte man ohnehin Reißaus nehmen.

Wir haben uns trotzdem für den klassischen Weg entschieden. Uns bot der ausführliche Businessplan, nach Vorlage des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg,
vor allem eines: Einigkeit. Der Plan verlangte von uns dezidierte
Gedanken. Und er festigte unsere gemeinsame Vision. Das hat uns bisher
in jedem Pitch geholfen.

Ähnlich gestaltet es sich mit der Finanzplanung. Natürlich wissen wir
alle, dass die Zahlen niemals genauso eintreten werden, aber die
Planung zwingt Gründer dazu, sich über die wichtigen Hebel und KPIs
Gedanken zu machen – eine gute Basis auch für Mitarbeiterziele und die
Frage danach: Wie viel Geld brauchen wir eigentlich, und wann brauchen
wir es?

Alles kommt dann in ein 10-Slide-Pitch-Deck.

Recherche

Hier ist auf jeden Fall Kreativität gefragt. Ein sinnvoller Start ist die regelmäßige Lektüre von Startup-Magazinen wie Tech Crunch und Gründerszene, aber auch von Fachmedien aus eurem Gründungssegment.

Hier kann man genau scannen, welcher Investor in welche Unternehmen investiert, und vor allem: wie viel Geld. Hilfreich sind dabei auch Crunchbase, die Gründerszene-Datenbank und Angel List. Denn für jedes Business-Modell eigenen sich unterschiedliche Investoren. Viele investieren nur in bestimmten Phasen (Seed, Series A oder Later Stage) oder in bestimmte Themen (Fintech, Internet of Things, E-Commerce et cetera ), da kann man sich manchmal Gespräche sparen.

Netzwerken

Netzwerken ist als Gründer unglaublich wichtig. Sowohl der Kontakt zu anderen Gründerinnen und Gründern als auch zu Investoren, hilft, wenn auch nicht immer direkt, vielleicht über einen Umweg.

Alle Investoren, die Susann und ich für EDITION F gewinnen konnten, haben wir über direkte Kontakte oder über E-Mail-Intros gefunden. Man sollte Personen, die man gut kennt, deshalb ruhig nach einer persönlichen beziehungsweise digitalen Vorstellung fragen. Das schafft Vertrauen, vor allem, weil viele Investoren über 1.000 Pitch Decks im Jahr erhalten und ansehen.

Am Ende ist das Wichtigste, dass ihr Investoren findet, die an euch als Gründer beziehungsweise Team und die Idee glauben, und nicht in erster Linie an eure Excel-Millionen.

Erste Links für Gründer

Gründerszene – größtes deutschsprachiges Magazin für Gründer.

Tech Crunch – wichtiges internationales Leitmedium.

Crunchbase – Datenbank für Startups, Investoren und Finanzierungsrunden.

AngelList – Startupdatenbank, außerdem Jobs und Investments. Hier lang. 

Startup Digest – Startupkalender. Hier lang.

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