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Standardfragen im Vorstellungsgespräch: Diese Antworten will der Vice-Personalchef von euch hören

Es gibt ein paar Klassiker, die in keinem Bewerbungsgespräch fehlen – aber wie antwortet man darauf souverän und originell? Wir haben Personaler unterschiedlichster Branchen um ihre Tipps gebeten.

 

Keine Standardantworten auf Standardfragen

An ein paar immer gleichen Fragen kommt man in der Regel nicht vorbei im Vorstellungsgespräch – natürlich gibt es Variationen, aber im Grunde läuft es immer auf ähnliche Fragen hinaus: Ihre größten Stärken? Warum wollen Sie bei uns arbeiten? Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?

Vielleicht kennen das manche von euch ja auch: Das Gefühl, gar keine originelle Antwort mehr geben zu können, weil sie schon in so vielen Ratgebern gelesen haben, was denn eine ideale Antwort ausmachen würde und einem deshalb alle Antworten irgendwie fad und abgeguckt vorkommen. Deshalb starten wir eine neue Serie, in der wir direkt bei denen nachhaken, die es ganz genau wissen müssen: Bei den Personalern selbst. Den Anfang macht heute 

Jannis Tsalikis,
HR Director bei Vice Media in Berlin:

Quelle: Vice Media

Grundsätzlich:
Ich mache Bewerbern immer am Anfang unseres Gesprächs klar: Ich
stelle keine Fangfragen, von mir kommen keine Gemeinheiten. In der
Regel gibt es bei mir eine Art teilstrukturiertes Interview, bei dem
sich die Bewerber keine Sorgen machen müssen. Ich will mich einfach
ein bisschen mit ihnen unterhalten, ich erzähle im Vergleich zu
anderen Personalern vielleicht etwas länger von mir und was ich so
mache und präsentiere mich bewusst auf Augenhöhe mit den
Kandidaten.“

 1.
„Erzählen Sie uns doch mal ein bisschen was über sich selbst“

Bei
der Frage geht es darum, ein bisschen von der Persönlichkeit des
Kandidaten zu erfahren. Das ist die klassische Warm-up-Frage, die ich
auch immer gern stelle. Bei der Frage hat der Bewerber
Gelegenheit, Schwerpunkte zu setzen, also einige Punkte aus dem
Lebenslauf herauszuheben, die besonders wichtig sind für die Stelle.
Ich empfehle, sich vorher drei, vier Stichpunkte zu machen, was man
auf die Frage sagen will; den Zettel braucht man dann auch nicht im
Gespräch dabeizuhaben – wenn man sich das einmal notiert hat,
hat man es auch im Kopf.“

2.
„Was wissen Sie über unser Unternehmen?

Besonders
das junge Gemüse denkt ja, bei der Frage ginge es nur darum, den
Wikipedia-Eintrag zur Firma auswendig zu können. Es geht aber
vielmehr darum: Hat der Bewerber sich damit beschäftigt, was das
Unternehmen momentan bewegt? Es geht also darum, aktuelle
Pressemitteilungen zu lesen, herauszufinden, was es rund um das
Unternehmen Neues gibt, das geht dank Google in Sekundenschnelle.
Dass jemand weiß, dass das ein Unternehmen seit dem Jahr XY
existiert, haut keinen Personaler vom Hocker und hat keine
Primärrelevanz, würde ich mal so sagen.

3. „Warum wollen Sie bei uns arbeiten?

Hier
hat man Gelegenheit, zu sagen, was man an einer Firma gut findet.
Arbeitgeber wollen natürlich wissen, ob jemand authentische
Begeisterung für ein Unternehmen und dessen Produkte hegt. Die Frage
kann tatsächlich das Zünglein an der Waage sein – wenn ich als
Personaler unentschlossen bin und zwischen zwei Kandidaten oder Kandidatinnen schwanke, nehme ich eher die- oder denjenigen, von der beziehungsweise dem ich
das Gefühl hatte, dass sie oder er stärker für das Unternehmen
brennt, emotionaler und enthusiastischer rüberkam.

4.
„Was sind Ihre größten Stärken/Schwächen?“

Die
Frage stelle ich so nicht mehr, einfach weil die Antworten in den
seltensten Fällen zu gebrauchen und in der Regel todlangweilig sind.
Jeder sagt, dass er manchmal zu hohe Ansprüche an sich stellt oder
ähnlich vorgefertigte Standardantworten. Ich formuliere das lieber
ein bisschen anders und deutlich berufsbezogener, um etwas
Brauchbares aus den Kandidaten herauszubekommen. Wenn ich zum
Beispiel einen neuen Buchhalter suche, frage ich den Kandidaten,
was er denn besser kann als alle anderen Buchhalter, oder wo sich die
anderen Buchhalter eine Scheibe von ihm abschneiden könnten. Oder
ich frage, was ihm an seiner Arbeit am meisten Spaß macht. Eine gute
Antwort wäre zum Beispiel eine konkrete Tätigkeit, die im Job
notwendig ist, im genannten Fall also: ,Die anderen staunen
schon ab und zu, was für Tricks ich in Excel draufhabe’, das ist nicht
schlecht, oder ,Immer wenn es ein neues Projekt zu planen gibt,
kommen die Kollegen gerne auf mich zu, das scheint mir ein Indikator
dafür zu sein, dass ich das ganz gut kann. Am Ende ist eine gewisse
Bescheidenheit natürlich immer auch etwas sympathischer als
Angeberei.“


Jannis Tsalikis bloggt gemeinsam mit Ralf Junge auf Mein Freund, die Arbeitgebermarke.


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