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Britta Kiwit: „Das Internet ist voll von veralteten Bewerbungsvorlagen und Tipps, die nicht mehr zeitgemäß sind“

Britta Kiwit ist Expertin in Sachen Bewerbung. Sie hilft ihren Kunden dabei, authentische, professionelle und individuelle Bewerbungen zu erstellen. Wie das geht, auf was man achten sollte und was als absolutes No-go gilt, verrät uns Britta im Interview.

 

„Letztens
hatte ich eine Bewerbung auf dem Tisch, bei der sah das Bild wie ein Fahndungsfoto aus“

Britta Kiwit hatte eigentlich nie vor, Bewerbungsexpertin zu werden. Ihr Mitgründer lockte sie allerdings mit der Idee zurück nach Deutschland, denn zu dem Zeitpunkt war Britta für längere Zeit in Kambodscha. Gemeinsam gründeten sie das Dienstleistungsunternehmen „Dein-Lebenslauf“. Dort können Bewerberinnen und Bewerber, egal ob Berufseinsteiger, –erfahrene oder Führungskräfte ihre Bewerbungsunterlagen individuell zusammenstellen lassen, sodass sie am Ende aus der breiten Masse hervorstechen. 

Wie das funktioniert, welche Tipps sie hat und was man in der Bewerbung besser vermeiden sollte, hat uns Britta im Interview erzählt. 

Wie wird man
Expertin in Sachen Bewerbungen schreiben? Hast du vorher Erfahrungen im
HR-Bereich gemacht? Wie ist die Idee zu „Dein Lebenslauf“ entstanden?

„Den Grundstein hierfür legte damals mein
Mitgründer, der die Idee hatte. Ich war sofort Feuer und Flamme und hatte große Lust, mit ihm einen individuellen Bewerbungsservice
hochzuziehen. 
Jahre zuvor habe ich mal eine Freundin dabei beaobachtet, wie
sie bei einer ihrer Bewerbungen 36 Mal konzentriert auf die Leerzeile tippte,
um die Überschrift mittig zu zentrieren. Der Vorgang dauerte ewig und das
Ergebnis war ein einziges Trauerspiel. Da fiel zum ersten Mal der Groschen,
dass es für solche Formatierungsfummeleien doch Hilfestellung da draußen geben
muss. 
So entstand im Wohnzimmer Schritt für Schritt unser Unternehmen. Dass wir letztendlich einen Service entwickelten, der sich
schwerpunktmäßig sogar auf den Inhalt der Unterlagen konzentriert, hätte ich
damals auch nicht gedacht.“

Also bist
du eher zufällig Bewerbungsexpertin geworden?

Ich hatte das auf jeden
Fall nie vor. Als jedoch die ersten Zeitungen anfragten und mir diese
Bezeichnung ganz natürlich als Titel gaben, gewöhnte ich mich langsam daran. In
meiner Zeit bei dem Onlinemagazin Gründerszene hatte ich in den Jahren zuvor oft Bewerbungen auf
meinem Tisch, bei denen ich mich ständig über die Schludrigkeit der Bewerber ärgern
musste. Noch dazu sah jeder Lebenslauf genau gleich aus und jedes Anschreiben
begann mit den gleichen Floskelsätzen
, sodass ich irgendwann nur noch einen
Einheitsbrei wahrnahm, wie bei einem Blick in eine Schüssel mit lauwarmem
Milchreis. Schon damals habe ich mir geschworen, dass meine nächste Bewerbung
anders aussehen würde, um schlicht und einfach aus der Masse herauszustechen.“

Auf eurer Seite heißt es: „Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job? Wir schreiben
Ihre nächste Bewerbung.“ – Wie kann man sich das vorstellen? Schreibt ihr
tatsächlich an den Bewerbungen eurer Kunden mit oder steht ihr den Kunden mit
Anregungen und Tipps zur Seite?

„Ja, wir schreiben tatsächlich die Bewerbung. Oder
unterstützen auch nur bei der Neuaufbereitung – je nachdem, was der Kunde
möchte. Die Worte unserer Kritiker wie „Das ist ja Betrug und merkt der
Personaler sofort“ konnten wir bisher überhaupt nicht bestätigen. Bei uns steht
Authentizität ganz weit oben, sodass sich jeder mit seinen individuell
erstellten Unterlagen zu 100 Prozent identifizieren kann. Es wäre Quatsch, wenn sich ein Montagebauer mit einem
Grafik-Monsterlebenslauf irgendwo bewirbt oder jemand mit der Zweitsprache
Deutsch ein deutsches Anschreiben in Prosa-Form einreicht. Wir achten also
stark darauf, dass jeder Fall individuell durchleuchtet wird.“

Kann jede
und jeder, egal um welche Art von Bewerbung es sich handelt, eure Hilfe bei
der Bewerbung in Anspruch nehmen oder seid ihr auf bestimmte Jobprofile
spezialisiert?

„Nein, wir übernehmen mittlerweile jede Branche,
jede Position und jede Art von Anschreiben, wie zum Beispiel auch Motivationsschreiben
für Unis oder Initiativbewerbungen. Das war natürlich nicht immer so. Damals
mussten wir uns mühevoll in jede neue Kategorie einlesen, das hat pro Kunde
dann auch mal gute vier Stunden gedauert, bis das Endergebnis wirklich perfekt
war. Heute sind wir besser aufgestellt und arbeiten mit vielen spezialisierten
Freelancern zusammen, die ehemals aus dem Recruiting oder ähnlichen Bereichen
kommen.“

Woran liegt es, dass
so viele Menschen unsicher sind, worauf es bei einer guten Bewerbung ankommt?

„Das Internet ist voll von veralteten Vorlagen und Tipps,
die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Es gibt keinen Markt, der stehenbleibt
und so sind Änderungen und neue Trends üblich. Es ist denke ich auch völlig
natürlich, dass sich die Gestaltung der Bewerbungen über die Zeiten anpasst, da
sie nicht der Norm DIN 5008 unterliegen, weshalb ein Bewerber ziemlich frei in
der Gestaltung ist.

Ein zweiter Grund denke ich ist, dass man sich im besten
Fall nur alle fünf Jahre neu bewirbt und sich selten über mehrere Jahre lang die
neuesten Bewerbertrends abonniert.“

Wenn es um das
Aufsetzen des eigenen Lebenslaufs geht, spalten sich oft die Meinungen über
vermeintliche Normen. Wie stehst du zu der Frage, ob ein Porträtfoto in den
Lebenslauf gehört?

„Bei der Frage ist die Sache für mich schnell klar: Ich rate
immer zum Foto. Die einzige Bedingung ist, dass es einen authentischen und
professionellen Eindruck vermittelt. Ich habe schon so viele schräge
Bewerbungsfotos gesehen und bin immer wieder überrascht, wie man auf die Idee
kommen kann, ein Selfie als Bewerbungsfoto einzufügen. Letztens hatte ich eine
Bewerbung auf dem Tisch, bei dem das Bild als Fahndungsfoto hätte benutzt
werden können – da geben wir dann auch immer ehrliches Feedback.

Kein Foto einzufügen finde ich bei deutschen Bewerbungen
immer noch schwierig. Auch wenn viele Recruiter behaupten, es sei ihnen völlig
egal, stelle ich immer wieder fest, dass Bewerbungen mit Foto aus der Masse
herausstechen, weil man ein erstes Gefühl für die Person bekommt im Vergleich
zu den anderen Papieren. Außerdem betonen alle die Wichtigkeit von sozialen
Netzwerken, weshalb der Personaler spätestens bei Xing ein Foto des Bewerbers
finden wird.“

Während der
Ausbildung haben viele von uns einmal gelernt, worauf es bei einer gelungenen
Bewerbung ankommt. Viele dieser Regeln, wie zum Beispiel die Angabe zum Beruf der Eltern
oder die Konfession, gelten heute allerdings als veraltet. Wie regelmäßig sollte
man sich mit den aktuellen Trends auseinandersetzen, um up to date zu bleiben?

„Ach, ich
denke updaten reicht, wenn es Zeit wird sich zu informieren, oder? Das gilt für
die Bewerbung genauso wie für den Hauskauf oder die Anschaffung eines Hundewelpen.
Das Wichtigste ist wahrscheinlich nur, die neuen Trends zu adaptieren und sich
zu lösen vom „Das hab ich damals aber anders gelernt!“

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