Foto: FischerAppelt

Franziska von Lewinski: „Wer dem digitalen Wandel nicht folgt, wird nicht überleben“

Um sein Unternehmen voran zu bringen, ist es wichtig, die Möglichkeiten des digitalen Wandel auszuschöpfen. Warum das so ist, erklärt FischerAppelt-Vorständin Franziska von Lewinski.

 

Digitalisierung als Hype?

Glaubt man einer Studie von Crisp Research
sind gerade einmal sieben Prozent der deutschen Manager Digital Leader und nur
jeder fünfte ein sogenannter „Tech-Expert“.
Die Zahlen sind kaum verwunderlich. Denn jeder Zweite stuft die
Digitalisierung als zumindest teilweise überbewerteten Hype ein. Im Jahr 2015
ist das ganz schön mutig. So wissen wir doch alle, dass die Digitalisierung
erstens nicht aufzuhalten ist und zweitens auf alle Bereiche unseres Lebens Einfluss
nimmt.

Die disruptive Kraft des Webs hat bereits
viele große Unternehmen vom Markt gefegt. Ob Kodak, Buchketten, den DVD-Verleih,
Karstadt, Auskunftsdienste. Die Liste von Produkten und Dienstleistungen, die
sich durch Web, Smartphone und Apps erledigt haben oder dadurch in
Schwierigkeiten geraten sind, wird von Tag zu Tag länger.

In Zeiten des digitalen Darwinismus

Wir leben im Zeitalter des digitalen
Darwinismus: Wer dem digitalen Wandel nicht folgt, wird nicht überleben. Das
zeigt schon jetzt die jüngste Historie. Instagram entwickelte sich zur
weltweiten Bildertauschbörse – mit nur 13 Mitarbeitern. Etablierte Player wie
Kodak – mit 145.000 Mitarbeitern – gingen unter, obwohl sie ein ähnliches
Produkt wie Instagram schon selbst entwickelt hatten. WhatsApp substituierte
das Geschäft der Telekommunikationsanbieter mit der neuen SMS. Die Telkos konnten
bis heute darauf nicht angemessen antworten. Airbnb verunsichert die
Hotelbranche, Uber das Taxi-Geschäft. So wird es in Zukunft weitergehen.

Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht
aber auch völlig neue Perspektiven für existierende Geschäftsmodelle. Das
Mittel zum Erfolg: Eine Idee, die den Kundenutzen in den Mittelpunkt stellt und
stark umgesetzt wird. IT, Software- und Designkompetenz sind dabei ein Muss.

Software macht den Unterschied. Das ist die
Revolution

Denn Industrie 4.0 und Internet of Things
werden softwareseitig getrieben und sind nur dann erfolgreich, wenn die
konkrete Bedürfnisbefriedigung gelingt. Die Hardware befähig lediglich dazu.
Teilweise wird gar nichts Neues entwickelt. Es werden einfach nur bestehende
Elemente neu zusammengesteckt. Nike+ oder bald Runtastic mit Adidas sind solche
Beispiele.

Dafür muss man kein IT-Spezialist sein, sondern
einfach nur den gesunden Menschenverstand einschalten – oder neue Werkzeuge
nutzen, wie man sie aus dem Design Thinking kennt. Eine Methode ist zum
Beispiel das sogenannte Mashup-Spiel. Hier nennen die Teilnehmer einer Gruppe
verschiedene Bedürfnisse, Technologien und Datenquellen. Am Ende nimmt man aus
je einer Kategorie eine Karte und überlegt gemeinsam in zehn Minuten eine Idee
für ein Startup. So wird ganz schnell und spielerisch aus dem Bedürfnis
„Gesunde Ernährung“, der Technologie „Augmented Reality“ und der Datenquelle
„Barcoo“ ein Warnschild für ungesunde Produkte auf meiner Datenbrille.

Digitalisierung: Nutzt den Spieltrieb

Die Digitalisierung weckt unseren Spieltrieb.
Neues auszuprobieren ist einfach und macht Spaß. Kann jemand, der nicht selbst
mal einen Tweet abgesetzt hat, die Social-Media-Strategie für ein Unternehmen
entwickeln? Kann jemand, der keine Apps nutzt, sehen, welche neuen
Geschäftsmodelle möglicherweise disruptiv sind? Kann jemand, der noch nie eine
VR-Brille ausprobiert hat, die neuen Chancen erkennen? Nein, kann er nicht.

Deswegen empfehle ich jedem, die
Digitalisierung spielerisch zu erkunden. Das Lieblingsessen aus dem Restaurant
um die Ecke über Deliveroo oder Foodora bestellen, Kochbeutel aus
Eat-At-Home-Automaten ziehen, Stadträder per App leihen, ein MyTaxi rufen, sich
Klamottensets über Outfittery liefern lassen. Egal, was Spaß macht, es
wird sich etwas Passendes finden.

Doch leider müssen wir in Deutschland immer
alles perfekt machen. So perfekt, dass wir vergessen, diejenigen einzubeziehen,
für die unser Service oder das Produkt gedacht sein soll. Dass wir nicht gucken,
ob unsere Idee auch „gesprächsfähig“ ist. Deswegen brauchen wir eine
Prototypen-Kultur. Mit Mini-Computern wie dem Raspberry Pi oder dem 3D-Druck
lassen sich viele Ideen ohne riesige Hürden einfach realisieren. 

So sieht sie aus, die Forkbox. Quelle: fischerAppelt.

Bei FischerAppelt lernten so bereits verschiedene Ideen das
Laufen.
Zum Beispiel die Forkbox: Der
erste Fotoautomat für animierte GIFs
oder auch die Installation „Lass die Helden
heulen
mit Kai Diekmann für die re:publica in
Berlin. D
ie Forkbox haben wir vor ein paar Wochen erstmals auf der Veranstaltung Startups@Reeperbahn eingesetzt. Einige Marken haben schon angefragt, sie auch einmal nutzen zu
dürfen. Die Installation „Lass die Helden heulen“ zählte auch zu den 14 denkwürdigsten
Kai-Diekmann-Momenten
, nachdem verkündet
wurde, dass er Herausgeber der Bild wird. 

Kai Diekmann mit seinem Konterfei. Quelle: fischerAppelt

Das zeigt, dass diese Art des Ausprobierens
sowohl für das Neugeschäft als auch für die Eigen-PR von FischerAppelt und Fork
interessant ist. Prototypen sollten Teil der Digitalisierungsstrategie sein.

Wir brauchen eine Kultur des Ausprobierens statt immer nur Perfektionismus.
Auch Spielen muss erlaubt sein. Leadership heißt, im Rahmen des Möglichen dafür
Freiraum zu geben. Das kann ein guter Start für die Digitalisierung eines jeden
Unternehmens sein. 

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