Foto: Johnny Cyprus I CC BY-SA 3.0 I via Wikimedia Commons

Wie sexuelle Selbstbestimmung und wirtschaftlicher Erfolg zusammenhängen

In Entwicklungsländern liegt oft nach wie vor die Hauptarbeitslast bei Frauen und Mädchen. Vor welchen Herausforderungen steht die Weltgemeinschaft bei der Stärkung von Frauen und Mädchen?

 

Neue Suffragetten

Caroline Schmutte ist Repräsentantin Bill & Melinda Gates-Stiftung in Deutschland. Zum Weltfrauentag veröffentlichen wir einen Gastbeitrag, in dem sie sich mit den Herausforderungen besonders bei der Stärkung von Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern beschäftigt:


Im Kino
macht in diesem Winter der Film „Suffragette“ Furore. Diese Frauen werden
bisweilen als liebenswerte Vorkämpferinnen für Frauenrechte belächelt, die kurz
vor Beginn des Ersten Weltkriegs begannen, in London mit Schirmen auf harte
Polizistenhüte einzuschlagen. Doch das wird ihnen bei weitem nicht gerecht. Der
Film macht deutlich, wie hart der Kampf um das Wahlrecht für Frauen wirklich
war. Die Frauen haben sich letztendlich durchsetzen können. Seit dieser Zeit
wird der 8. März als Internationaler Frauentag begangen.

Machen
wir uns nichts vor: Wir Frauen haben viel erreicht in den vergangenen hundert Jahren und dennoch liegt noch ein weiter Weg vor uns. Gerade erst berichtet das
Statistische Bundesamt, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen in
Deutschland weiterhin unbefriedigend ist und Deutschland im Vergleich zu
anderen EU-Staaten im unteren Drittel liegt.

In den
Entwicklungsländern ist die Lage aber noch viel ernster. Vielfach liegt der
Großteil der Arbeitslast auf Frauen und Mädchen. Junge Mädchen müssen schon
kilometerweit laufen, um Wasser vom Brunnen zu holen. Frauen verrichten die
Feldarbeit, die meist noch mit bloßen Händen und unter extremen klimatischen
Bedingungen ausgeführt wird. Gleichzeitig kümmern sie sich um die Kinder und
halten die Familie zusammen. Dabei arbeiten Frauen weltweit durchschnittlich
4,5 Stunden pro Tag unbezahlt, ohne jeglichen Lohn. Vielfach haben Frauen und
Mädchen keine Chance, sich frei und voll zu entwickeln, weil sie die physische
und psychische Last von Armut und Diskriminierung alleine tragen. Wenn man
daran etwas ändern will, muss sich Entwicklungszusammenarbeit ganz besonders um
Frauen und Mädchen kümmern.

Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung stärken

Eine
bessere Ausbildung von Frauen und Mädchen ist ein wirkungsvoller Schritt, um
Länder voranzubringen. Auch dies gilt insbesondere für Entwicklungsländer, in
denen die Lücke bei Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung zwischen
Männern und Frauen noch am größten ist. Es fängt oft bei so einfachen Dingen
wie selbstbestimmter Sexualität an: Studien zeigen: Wenn Mädchen in die Lage
versetzt werden, den Zeitpunkt einer Schwangerschaft selbst zu wählen, ist die
Wahrscheinlichkeit, dass ihrer gesamte Familie wirtschaftlich erfolgreicher ist, wesentlich verbessert.  

Wenn die
Arbeit dann auch noch gerecht bezahlt würde, was noch viel zu selten der Fall
ist – und das gilt global – würden ganze
Volkswirtschaften davon profitieren. Allein das Bruttoinlandsprodukt der
Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) könnte in den nächsten 20 Jahren um etwa zwölf Prozent
zunehmen.  

Wir
haben seit den Suffragetten viel erreicht, aber es liegt auch noch Weg vor uns.
Die Suffragetten sind gegen alle Widerstände auf die Straße gegangen. Sie
bleiben für uns ein Vorbild. Der Weltfrauentag erinnert uns daran, dass wir die
Hände nicht in den Schoß legen dürfen. Noch lange nicht!


Die Autorin Caroline Schmutte.

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