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Darum versagen die meisten von uns dabei, die Gesundheit über den Job zu stellen

Selbst der beste Job der Welt bringt uns nichts, wenn wir nicht gesund sind. Warum aber stellen wir unsere Gesundheit trotzdem so oft hintenan? Ein Plädoyer dafür, besser auf sich achtzugeben.

 

Klarer Fall und doch unterschätzt: Nichts ist so wichtig wie unsere
Gesundheit

Was ist wichtiger, die Gesundheit oder der Job? Wir alle
würden auf diese Frage wohl die gleiche Antwort geben: die Gesundheit
natürlich! Aber wenn das so glasklar ist, wieso halten wir uns dann so
selten daran? Das geht von den Tagen, an denen wir uns noch mit Fieber ins Büro
schleppen bis hin zu einer vergifteten Büro-Atmosphäre, die uns mehr und mehr
krankmacht, und die wir uns doch immer wieder schönreden – oder schlimmer:
einfach akzeptieren, weil das in diesem Unternehmen nunmal so ist.

Und bei dieser Dummheit, anders kann man es nicht nennen,
muss ich gar nicht erst auf andere zeigen, sondern kann mich ganz entspannt
selber an den Pranger stellen. Denn auch ich habe lange Zeit für meinen Job
mehr mit meiner mentalen und körperlichen Gesundheit gespielt, als dass ich auf
sie aufgepasst hätte. Bis ich irgendwann nicht mehr schlafen konnte, meine
liebsten Menschen nur noch mit den ewig gleichen Problemen belästigt habe und
ich  nur noch mit starken Schmerzmitteln in der Tasche aus dem Haus
ging, weil ich ab spätestens mittags richtig starke Magenschmerzen hatte. Krank
war ich messbar nicht, hier hatte sich einfach mein mentaler Zustand in körperliches
Leiden umgewandelt. Und ich habe das so hingenommen.

Warum lassen wir es zu, dass uns der Job krank macht?

Warum? Nun, zum einen brauchte ich ganz einfach das Geld.
Und ich steckte so viel Zeit und Energie in den Job, dass ich es für unmöglich
hielt, mich nach Alternativen umzusehen. Außerdem hielt ich es für Schwäche,
wegen vermeintlicher Zipperlein kürzer zu treten und ich wollte mir auch nicht
recht eingestehen, dass mich die Situation wirklich zusehends lahmlegte. Denn
Stress bin ich gewohnt und kann da auch einiges ab, so dass es auch nicht die vielen Spätschichten waren, die mir so zusetzten. Nein, was mich fertigmacht, sind prekäre Arbeitsbedingungen,
eine fiese Atmosphäre, unausgesprochene Ungereimtheiten, Spießrutenläufe wegen unerklärlicher Launen oder Ellenbogen so spitz,
dass es beim Hinsehen schon wehtut. Solche Dinge. Und letztlich: Halten wir
uns doch alle für ziemlich unverwundbar. Und zwar genauso lange, bis wir auf
die Schnauze fallen.

Mit diesen Erfahrungen bin ich ja mitnichten alleine. Ich
kenne für meine 29 Jahre viel zu viele Menschen in meinem Alter, die sich mit
Burnout, Panikattacken, Magengeschwüren oder depressiven Schüben plagen
müssen. Doch wie sollen wir 40 bis 50 Jahre durchhalten, wenn wir uns jetzt schon so
kaputtmachen? Und vor allem für was?

Warum wir uns mit unserem Eifer ein Eigentor schießen

Warum fällt es uns so schwer, nach den Überzeugungen zu
handeln, die wir in uns tragen und nach den Wahrheiten, die wir ja alle kennen? Denn was bringt uns Anerkennung im Job oder ein Aufstieg auf der Karriereleiter, wenn wir mental und körperlich immer
mehr leiden? Nichts! Und Gesundheit lässt sich auch nur zu einem gewissen Maße
erkaufen. Wer über zu lange Zeit Raubbau  an seinem Körper und seiner Seele betreibt,
wird irgendwann vor einem Haufen Scherben stehen und sie kaum zusammenkehren können.
Eure Chefs können jemand anders anstellen, wenn ihr euch irgendwann habt
durchkauen und ausspucken lassen. Aber ihr, ihr könnt euch nicht einfach einen
neuen Körper zulegen und auch die Seele lässt sich meist sehr viel schwieriger
reparieren, als sie in Not gerät.

Und nicht zu vergessen: Daran haben die meisten Chefs und Chefinnen ja nicht mal Interesse! Doch viele von uns haben sich eine derart verquere Denke zugelegt, dass wir davon erstmal ausgehen.

Ich plädiere dafür, dass wir es in Sachen Gesundheit bei uns
nicht nur bei mauer Theorie belassen, sondern uns stärker dafür einsetzen, dass wir
gesund sind und bleiben. Denn es ist doch so: Kein Job der Welt ist es wert,
seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen und kein Chef sollte so viel Macht über
uns haben, dass wir uns von ihm oder ihr krank machen lassen.

Das schaffen wir aber nur, wenn wir es endlich als Stärke ansehen, wenn wir uns hinstellen und sagen: bis hierhin und
nicht weiter. Wofür aber auch die Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern an einem Strang ziehen müssen! Denn dann muss es gar nicht erst zum körperlichen Super-GAU kommen – und davon haben wir doch wirklich alle was.


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