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Mütter sollen arbeiten – aber bitte nur in Teilzeit

Immer mehr Mütter in Deutschland sind berufstätig, steuern aber nur 25 Prozent des Familienhaushaltes bei. Das zeigt eine neue OECD-Studie. Was können wir dagegen tun?

 

Neue Studie, altes Problem 

Am Montag wurde eine neue Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin vorgestellt. Unter dem Titel: „Dare to Share: Germany´s Experience Promoting Equal Partnership in Families” untersuchte die Studie, den Stand der Gleichberechtigung von Müttern und Vätern im Bezug auf Arbeitszeit, Lohn und Kinderbetreuung sowie Haushaltsarbeit. Das traurige, aber nicht besonders überraschende Ergebnis: Deutschland hat immer noch einiges aufzuholen was faire Verteilung angeht: Über die Hälfte aller Mütter in Deutschland arbeitet in Teilzeit, im Durchschnitt 17 Stunden die Woche. Ihnen gegenüber stehen Väter mit im Schnitt 42 Stunden die Woche. Deshalb tragen Mütter auch nur 25 Prozent zum Haushaltseinkommen bei und sind damit im Falle einer Trennung sowie für die Altersvorsorge schlecht abgesichert. 

Dabei nehmen immer mehr Deutsche ihr Land als kinderfreundlich wahr. Immer weniger hierzulande sind der Überzeugung, Frauen sollten, wenn sie Kinder haben, gar nicht arbeiten. In den letzten Jahren hat die Regierung einige Maßnahmen ergriffen, um eine gleichberechtigte Aufteilung möglich zu machen und zu fördern: Beispiele hierfür sind das Elterngeld, Elterngeld Plus und mehr Betreuungsplätze. Dennoch liegt die Geburtenrate, trotz Wiederanstieg, im OECD-Vergleich mit 1,47 (2014) weiterhin unter dem Durchschnitt (1.67 im Jahr 2013). Außerdem berichten Deutsche mit am Häufigsten in Europa von einem Konflikt zwischen Arbeit und Familie. In Partnerschafts-Familien mit Frauen zwischen 25 und 45 Jahren und mindestens einem Kind zwischen 0 und 14 Jahren, arbeiten die Mütter in Deutschland im Schnitt 17 Stunden in der Woche. Im Vergleich dazu arbeiten Mütter in dieser Konstellation in Dänemark, Norwegen und Schweden 30 oder mehr Stunden. Deutsche Väter arbeiten 42 Stunden – obwohl ein Drittel der Väter sich wünscht, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können.

Mama arbeitet mehr als Papa – unbezahlt

Das traditionelle Modell bleibt, wenn auch modifiziert, bestehen: Väter arbeiten, meist viele Stunden, Mütter arbeiten mittlerweile zwar deutlich häufiger, aber oft nur in Teilzeit. Dafür übernehmen sie einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. „Dual-reduced-Full-Time work” Haushalte, in denen beide Elternteile zwischen 30 und 39 Stunden arbeiten, sind in Deutschland mit unter zwei Prozent immer noch sehr untypisch. In Dänemark und Schweden sind dagegen über 25 Prozent der Partnerhaushalte so strukturiert. Warum hinkt Deutschland  hinterher?

Je geringer die Differenz der Arbeitszeit von Männern und Frauen, die in einer Partnerschaft leben und mindestens ein Kind haben, ist, desto geringer ist auch die Differenz der Zeit, die beide im Haushalt und mit den Kindern verbringen. Das zeigen Studien der OECD im europäischen Ländervergleich. Nach Schweden ist die deutsche Bevölkerung mittlerweile am stärksten interessiert an einer gleichberechtigten Aufteilung der Elternzeit zwischen Müttern und Vätern.

Wir wandern nach Schweden aus 

Trotzdem arbeiten Väter in Partnerschaftshaushalten mit mindestens einem Kind 25 Stunden in der Woche mehr als Mütter. Auch hier zeigen vergleichbare OECD-Länder, dass es auch anders geht: In Dänemark, Schweden und Portugal liegt der Unterschied bei unter zehn Stunden.

Auch wenn die Erwerbstätigkeit von Müttern in Deutschland in den letzten 15 Jahren im OECD-Vergleich um rund elf Prozent auf knapp 70 Prozent deutlicher als der Durchschnitt der restlichen Länder gestiegen ist, tragen Mütter nur 25 Prozent zum Familienhaushalt bei. Ähnliches gilt für Österreich und die Schweiz. In Frankreich, Schweden und Dänemark tragen Mütter schon 35 Prozent zum Haushaltseinkommen bei und sind damit in Falle einer Trennung deutlich besser abgesichert.

Und selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, übernehmen Mütter in Deutschland im Durchschnitt 88 Prozent der Hausarbeit – und das im Jahr 2017. In Zahlen bedeutet dass: Mütter verbringen im Schnitt 4,74 Stunden am Tag mit Kinderbetreuung und unbezahlter Hausarbeit, Väter nur 2,52 Stunden. Zwar tendieren Frauen dazu weniger Arbeit im Haushalt zu übernehmen, wenn ihr Anteil am Haushaltseinkommen steigt, allerdings ist diese Entwicklung nicht linear, betont die Studie. Sehr gut verdienende Frauen neigen dazu, mehr Anteile an der unbezahlten Hausarbeit zu übernehmen, um dem vorherrschenden Rollenverständnis weiterhin gerecht zu werden. Wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammenrechnet, arbeiten Frauen in allen OECD-Ländern mehr als Männer. 

Wir brauchen dringend Maßnahmen 

Wir brauchen also dringend mehr Fördermaßnahmen in Deutschland. Die OECD-Studie zeigt einige interessante Ansätze auf: Der Staat muss Väter deutlicher bestärken, in Elternzeit zu gehen, die Betreuungsangebote müssen, vor allem abseits Berlins und auch nach der Schule, ausgebaut werden, mehr Maßnahmen zur Förderung von Teilzeit-, aber auch Vollzeitmodelle für beide Eltern. In Schweden funktioniert es doch auch.

Außerdem müssen Frauen und Männer endlich gleichen Lohn bekommen. Denn, auch das zeigt die Studie, junge Frauen in Deutschland verdienen immer noch deutlich weniger als junge Männer. Schon finanziell macht ein traditionelles Familienmodell also leider noch viel zu viel Sinn. 

Hier geht´s zur kompletten Studie

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