Foto: www.mein-grundeinkommen.de

Grundeinkommen in Zeiten der Digitalisierung – Im Gespräch mit Michael Bohmeyer

Bedingungsloses Grundeinkommen: Der Weg zur Würde des Menschen im 21. Jahrhundert?

 

Durch die
Digitalisierung fallen bereits jetzt, im Zeitalter der Industrialisierung 4.0, mehr Arbeitsplätze weg, als neue entstehen. Es ist also an der Zeit, Alternativen zu finden. Alternativen, die diesen Wandel zu dem
machen, was er eigentlich sein soll: Fortschritt.

Das bedingungslose Grundeinkommen
entkoppelt die Arbeit und das Einkommen. Es ist ein spannendes Werkzeug, mit dem
man den Menschen Freiheit sichern kann. Und Freiheit ist in unserem Land gleichbedeutend
mit einem menschenwürdigen Dasein.

Philosophisch wird von der
„Überwindung der Arbeit” gesprochen. Studien belegen, dass die Deutschen
weiterhin arbeiten würden, auch wenn die ein bedingungsloses Grundeinkommen bezögen. Womöglich kreativer, erfinderischer und an
langfristigen, aufwendigeren Projekten, die nicht notwendigerweise zu
finanziellem Erfolg führen müssen. Gut möglich, dass diese Arbeitsweise die
Innovationskraft des Landes fördern würde. Fest steht, die Deutschen möchten produktiv sein. Existenzängste, nicht selten trotz Lohnanstellung,
sollten wir im 21.
Jahrhundert in Deutschland jedoch hinter
uns lassen!

Götz
W. Werner ist jemand, der in unserem Land als Visionär bezeichnet wird. Old Economy und Digital Natives sind sich darin einig. Der Gründer der Kette dm, das simpel für »Drogeriemarkt«
steht, hat nicht nur beim Thema Lichtverhältnisse in der Regal- und
Preisstruktur im deutschen Einzelhandel an den Schrauben gedreht, womit er für einen
schnellen Umsatz von Babypuder, ökologischen Müllbeuteln für
Treteimer-Müllsäckchen und Liquid Eyeliner gesorgt hat. Er ist ebenso Publizist
und Verfasser weitaus zukunftsweisender ideologischer Ideen für Deutschland.

Götz
W. Werner ist auch jemand, der zu den Ersten gehört, die das bedingungslose
Grundeinkommen als Thematik für die Deutschen auf den Tisch brachte.

Es
ist nicht mehr tragfähig, die Notwendigkeit einer Debatte um ein Grundeinkommen
von der Hand zu weisen. Werner, der Visionär, hat uns schon 2007 damit
konfrontiert. Und wir konnten uns auf ihn verlassen, er hat Recht behalten.

Wir
leben in einer Gesellschaft, die hochzivilisiert ist. Für Prognosen können wir
uns auf Wissen aus Wissenschaft und Aufklärung stützen. Dieses Wissen führt
dazu, dass wir mit einem demografischen Wandel rechnen können. Ebenso mit
Klimaflüchtlingen. Und der Digitalisierung unserer Berufe. Letzteres ist im
heutigen Kenntnisstand gleichzusetzen mit der Aufhebung vieler Berufe. Propagiert
wird das (noch) nicht. Zu groß ist die Angst der Deutschen, ihre Identität, die
sie über Jahrzehnte hinweg über ihre Leistungsfähigkeit definierten, neu überdenken
zu müssen. Einige werden sich jetzt vielleicht dabei ertappen, wie sie diesen
Gedanken heimlich von sich weisen, lediglich von einer „Umstrukturierung“ der
Berufe ausgehen und sich selbst in die Schublade „Survival of the fittest“
stecken. Schublade zu, gerettet!

Fakt
ist jedoch: Eine Software ist heute leistungsfähiger als wir es sind.

Die
Frage, die sich stellt, ist: Möchten wir
künftig mit Computern konkurrieren? Mit den Computern vielleicht, die
darauf programmiert sind, weitere Computer zu programmieren? Die, wie heute von
jedem Start-Up im Pitch gefordert, garantiert exponentiell wachsen?

Fragt
man seinen Nachbarn, wird der meinen, man wird den Menschen immer brauchen, um
den Roboter einzustellen und zu kontrollieren. Er wird den Gedanken ignorieren,
dass der Mensch hierbei dem Fortschritt auch im Wege stehen kann.

Dabei
könnten wir uns schon längst zurücklehnen und beobachten, leben, lieben und kreativ
werden.

Ich
habe mit einem Visionär gesprochen, der das bereits umsetzt. Michael Bohmeyer
ist Gründer der Organisation Mein
Grundeinkommen. Über die Webseite unter www.mein-grundeinkommen.de werden
monatliche Grundeinkommen von 1.000 Euro verlost. Bohmeyer erhält selbst eine
Art Grundeinkommen in ungefähr dieser Höhe aus einem Start-Up, das ihm
inzwischen monatliche Gewinne abwirft, ohne dass er dafür weiter arbeiten muss.
Was sich für ihn verändert habe, fragte ich. Er sei kreativer geworden.
Außerdem gelassener, lebe gesünder und sei ein besserer Vater. Und vor allem
mutiger. Er traue sich jetzt Dinge, die er sich früher nicht zugetraut hätte. Mit
Mein Grundeinkommen hat er sich
getraut, alternative Ideen für die Finanzierung von bedingungslosen
Grundeinkommen zu realisieren. Sobald sich 12.000 Euro aus den alternativen
Finanzierungsmethoden angesammelt haben, wird ein Grundeinkommen für ein Jahr verlost.
Das Los-Ticket ist gratis, wobei man jederzeit spenden kann.

Bohmeyer
nutzt Affiliate-Modelle aus dem E-Commerce, um Einnahmen für den Lostopf zu
generieren. Dabei meldet man sich einmalig dafür an, und bei jedem Online-Einkauf
geht eine kleine Provision in den Lostopf. Eine Idee von Vereinen, die er
übernommen hat.

Eine
andere Finanzierungsmethode ist die CrowdCard.
Das ist eine Payback-Karte, die in vielfacher Kopie ausgegeben wird. Alle
Punkte, die darüber gesammelt werden, kommen auf ein Payback-Konto. Das
wiederum wird Mein Grundeinkommen
zugeführt. Die disruptive Idee wird von Payback nicht unterstützt, „De Facto
kriegen die [Payback] dafür nicht das, was sie wollen, nämlich Nutzerdaten. Und
das finden die nicht gut. Und das scheint ein wichtigerer Wert zu sein als die
Idee des Grundeinkommens“, sagt Bohmeyer. VerkäuferInnen in der
Drogeriemarkt-Kette dm wurden angehalten, die Karte nicht zu akzeptieren.

Dabei
braucht die Thematik des bedingungslosen Grundeinkommens gerade solche Ideen.
Götz W. Werner schlägt die Umsetzung mit einer Konsumsteuer von bis zu 100% vor.
„Da kann man gar nicht mehr darüber reden, worum’s eigentlich geht. Nämlich um
die Freiheit „Nein“ sagen zu können“, findet Bohmeyer. Er selbst ist sich
darüber im Klaren, dass er wahnsinnig privilegiert ist mit den Einnahmen aus
seinem Start-Up. Das kann nicht jeder schaffen, denn das sei ja die Lüge
unserer Gesellschaft. „Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird sich radikal verändern
durch die Digitalisierung. Jobs, die heute sicher scheinen, sind es nicht. Und
wenn wir nicht Arbeit und Einkommen voneinander trennen, das heißt ein
Grundeinkommen einführen, dann werden wir in Massenarbeitslosigkeit und
Massenarmut landen.“

Das
Thema ist vom Parlament noch weit entfernt. Michael Bohmeyer zeigt fast intuitiv
Wege zum Ziel auf. Wege, denen man un
eingeschränkt folgen kann.

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