Foto: Nina Küntzel

Wie der Mythos von der perfekten Mutter uns verzweifeln lässt

Viel wird geschrieben über die Powermütter unserer Zeit, die Kind, Karriere und Haushalt scheinbar leichtfüßig meistern. Aber wie soll das eigentlich gehen? Unsere Community-Autorin gibt offen zu: „Ich kann das nicht!“

 

Der Mythos: Perfekte Mütter

Ich höre immer wieder von Müttern, die ihre Kinder Nacht für Nacht durch die Wohnung tragen. Es stundenlang schuckeln, streicheln, stillen.
Mütter, die drei Jahre am Stück nicht durchschlafen – oder vier Stunden
am Stück als Durchschlafen bezeichnen! Mütter, die jeden Abend mit ihren
Kindern zusammen ins Bett gehen und Händchen halten. Mütter, die jeden Tobsuchtsanfall gelassen hinnehmen. Mütter, die gemeinsam mit dem Kind jeden Stein auf dem Weg zur Kita bewundern. Mütter, die auch das 100. Mal Wat mat Du?” in 5 Minuten mit Ich lege immer noch die Wäsche zusammen!” beantworten. Mütter, die nach einem Tag, der morgens um 5 Uhr gestartet ist, zwischen 20 und 22 Uhr ihren Haushalt erledigen und danach noch einen Kuchen für den Krabbelkreis backen.

Ideal vs. Realität

Ich bewundere diese Frauen! Ich möchte auch so sein! Aber ICH KANN DAS NICHT! Ich geh schon am Stock, wenn ich eines meiner Kinder eine einzige Nacht durch das Haus getragen habe. Ich habe auch wirklich versucht die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Aber für mich bleibt ein Stein ein Stein. Abends, wenn meine Kinder schlafen kann ich NICHTS mehr außer kraftlos zusammensacken. Da ist nichts mit Haushalt machen oder gar backen. Mein Akku ist dauerhaft dunkelrot. Wie bitte machen das andere Mütter? Sind die mehr so wie der Duracell-Hase und ich habe eine Batterie einer beliebigen Discountermarke drin? Ich liebe meine Kinder von tiefsten Herzen und ich hätte gerne die Kraft sie Nacht für Nacht auf meinen Armen durch das Haus zu tragen. Hab ich aber nicht. Ich habe sie nicht!

An meine Kinder

Es tut mir leid, dass ich häufig so ungeduldig bin und meine Zündschnur so kurz ist. Ich gebe täglich mein Bestes und versuche die Mama zu sein, die ich so gerne für euch wäre. Aber verdammt und zugenäht, Empathie für Eure Mutter wäre manchmal auch eine dufte Sache! 

Ja! Wirklich! SO wie in den letzten Zeilen fühle ich mich wirklich manchmal. Und diese Tage wollen manchmal nicht enden. Aber dann, plötzlich und unerwartet wache ich auf, die Kinder schlummern noch und ich starte den Tag mit einer Dusche und einem Kaffee bis aus dem Babyphone ein Mama!” ertönt und mein Herz vor Freude hüpft! Ich gehe in die Zimmer meiner Kinder und könnte platzen vor Glück in dem Wissen, dass das meine Kinder sind. An diesen Tagen hüpfe ich morgens um 7 Uhr schon lachend zu diversen Kinderliedern durchs Haus, puste an allen kleinen Speckbäuchen und verdrehe auch nicht bei Windel Nummer fünf in 30 Minuten die Augen. Und dann fallen mir meine Worte und Gedanken von gestern ein und ich frage mich, wer denn bitteschön diese übellaunige Person war?!

Und wie könnte dieser Beitrag heißen? “Aus dem Tagebuch einer Schizophrenen Mutter!” Nein, mal im ernst: Mutter sein ist für mich ein Wechselbad der Gefühle mit unfassbar extremen Emotionen, positiven wie negativen. Ich war in meinem Leben noch nie, physisch wie psychisch, teilweise so sehr am Anschlag des Möglichen. Aber ich habe auch noch nie in meinem Leben so sehr geliebt!!!

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