Foto: Dennis Strassmeier

Corine Kakmeni: „Man sollte schon in der Kita anfangen, Mädchen für Technik zu begeistern“

Wie schaffen wir es, mehr Frauen für MINT-Fächer zu begeistern? Indem wir schon im Kindesalter damit anfangen, sagt die Maschinenbauerin Corine Kakmeni.

 

„In meinem Jahrgang war ich die einzige Frau, die das Diplom in Maschinenbau geschafft hat“

MINT-Fächer gelten immer noch als Männerdomäne, und das sind sie auch. Weiterhin gibt es sehr viel weniger Frauen, die sich für technische Berufe begeistern können als Männer. Aber wie kann man das ändern? Darüber haben wir mit Corine Kakmeni gesprochen. Sie ist Maschinenbauingenieurin, arbeitet als Assistent Programme Manager bei Rolls-Royce und hat sowohl in Kamerun als auch in Deutschland studiert. Welche Erfahrungen sie dabei gesammelt hat und warum sie Initiativen wie den heutigen Girls‘ Day so wichtig findet, das hat sie uns im Interview erzählt.

Sie stammen aus Kamerun und haben dort Physik studiert. Hatten sie viele weibliche Kommilitonen? Und welche Reaktionen haben sie aus Ihrem Umfeld auf ihre Studienwahl erhalten?

„Ja, ich hatte weibliche Kommilitonen, die mehr als ein Drittel der gesamten Studierenden bildeten. Es war nicht überraschend, Frauen in diesem Bereich zu sehen. Frauen in Kamerun orientieren sich mehr in die Fachgebiete, die ihnen bessere Möglichkeiten bieten, in der Zukunft eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt zu finden.“

Später haben Sie in Deutschland zusätzlich Maschinenbau studiert. Wie war die Situation hier, hatten sie das Gefühl, in eine Männerdomäne einzubrechen?

„Die Situation hier in Deutschland war anders. Hier habe ich das Gefühl gehabt, mich nicht in einem adäquaten Bereich zu befinden. Viele Leute waren erstaunt, eine Frau in dieser Domäne zu sehen. Er war am Anfang sehr schwer, sich an die neue Situation zu gewöhnen – insbesondere, weil man als Ausländerin auch mit vielen anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wie die Sprache, die Kultur oder das Wetter. Aber nach dem ersten Semester war es mir nach mehreren Versuchen gelungen, eine Lernstrategie zu definieren. Durch diese Strategie konnte ich selbstbewusster sein und mich dadurch besser fühlen und integrieren.“

Sie waren am Ende ihres Studiums die einzige Frau, die es mit einem Diplom abschloss. Woran lag das? Ist Sexismus ein Thema oder was genau hält Frauen davon ab, in MINT-Fächern durchzuhalten? Denn, dass die Abbruchrate hier bei Frauen groß ist, ist schließlich kein Geheimnis.

„In meinem Jahrgang war ich die einzige Frau, die das Diplom geschafft hat. Die anderen Kommilitonen hatten leider vor dem Hauptdiplom aufgehört oder gewechselt. Meine Meinung nach hat Sexismus keine große Rolle gespielt .Nach meiner Erfahrung sollte man von Anfang an ein klares Ziel haben, um sich in diesem Bereich durchsetzen zu können. Dieses Ziel sollte das Engagement und die Motivation weiter unterstützen, besonders wenn man nach vielen Anstrengungen anfängt, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln.“

„Wo man als Frau respektiert und gezielt gefördert wird, steigt die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein stellt sich automatisch ein.“

Auch das Arbeitsumfeld in diesen Berufen wird in Erfahrungsberichten immer wieder als problematisch für Frauen beschrieben. Wie sind ihre Erfahrungen damit?

„Nach meiner Erfahrung ist die große Herausforderung für Frauen der Mangel an Durchsetzungsfähigkeit und die Angst, mehr Verantwortung zu übernehmen und zu versagen. Die Unternehmensphilosophie spielt ebenfalls eine große Rolle. Wo man als Frau respektiert und gezielt gefördert wird, steigt die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein stellt sich automatisch ein.“

Was wären konkrete Maßnahmen, um mehr Frauen für MINT-Fächer zu begeistern und wie früh muss man mit diesen Maßnahmen beginnen?

„Man sollte gleich in der Kita anfangen. An meinen Kindern – ich habe zwei Jungen und ein Mädchen – kann ich das ganz gut beobachten. Es fängt schon mit dem Spielsortiment für Jungen und Mädchen an, das man in den Geschäften findet. Der Girls‘ Day ist eine gute Idee, er hilft den Horizont von Mädchen im technischen Bereich zu erweitern und gibt ihnen die Chance, Fragen an Ingenieurinnen zu richten.“

Woher stammt Ihr Interesse an diesen Fachgebieten? Gibt es eine Person oder eine Situation, die sie geprägt bzw. ihre Leidenschaft für das Thema geweckt hat?

„Seit meiner Kindheit bin ich mehr für konkrete Sachen zu haben – für Dinge die sich anfassen lassen. Alles was mit Technik zu tun war, fand bei mir große Resonanz. Deswegen kamen nur technischen Fachgebiete für mich infrage. Aber ich muss gestehen, dass ich mir diese Frage noch nie wirklich gestellt habe.“

Sie arbeiten heute als Assistent Programme Manager bei Rolls–Royce. Wie viele Frauen haben sie im Team und wie geht man in ihrem Unternehmen mit dem Thema um bzw. was wird dafür getan, um mehr Frauen für diese berufliche Richtung zu begeistern?

„Leider habe ich weniger Frauen als Männer im Team. Aber ich habe den Eindruck, dass das Bild sich von Jahr zu Jahr verbessert. Die Unternehmensphilosophie von Rolls-Royce stellt sicher, dass sich Frauen nicht diskriminiert fühlen und wir haben ein Tarifsystem, das die Gleichberechtigung von Frauen und Männern unterstützt. Und Rolls-Royce unterstützt den Girls‘ Day, um mehr Frauen für das Unternehmen zu gewinnen.“

Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk in ihrem Beruf und haben Sie hier Tipps, wie man in diese reinkommt?

„Es ist ein Fakt, dass Netzwerke überall in unserer Gesellschaft wichtig sind. Durch gezieltes Netzwerken kann man auch seinen sozialen Fähigkeiten Ausdruck geben, was nicht zuletzt bei der Zuteilung einer neuen Position eine Rolle spielen könnte. Bei Rolls-Royce hat man viele Möglichkeiten, sich ein solides Netzwerk beispielsweise durch Betriebs-Sport-Aktivitäten oder firmeninterne soziale Netzwerke wie Yammer aufzubauen. Hier wurde vor acht Jahren auch ein Rolls-Royce WoMen Netzwerk gegründet. Die Vision ist, Frauen via verschiedener Trainings und auch Mentoring-Programme zu fördern, um ihr Führungspotential weiter zu entwickeln.“

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