Foto: Joanna Nix | Unsplash

Schönheitschirurgie für den weiblichen Intimbereich – geht´s noch?!

Neulich auf einer Veranstaltung hörte ich das erste Mal etwas
von Intim-Schönheitschirurgie. Dass es auch „untenrum“ Schönheitsideale gibt, war mir zwar bewusst – leider, wie schön wäre eine Gesellschaft ohne – aber ich dachte, da hätte es sich mit Rasur oder Waxing getan …

 

Schönheitsideale für den Intimbereich 

Als ich auf besagter Veranstaltung über den Begriff „Intim-Schönheitschirurgie” stolperte, war ich erst mal baff. Ist unsere Gesellschaft wirklich auch untenrum solch einem Schönheitswahn verfallen? Ich konnte es nicht glauben und begann zu recherchieren. 

Eine Praxis klärte mich auf ihrer Website auf, dass „ein häufiges, aber äußerst intimes Problem […] verlängerte oder vergrößerte innere Schamlippen oder erschlaffte äußere Schamlippen“ seien. Und dass sei so störend für die Patientinnen, „dass sie Saunabesuche, Sexualkontakte oder das Tragen enger Kleider vermeiden“. Zusätzlich könnten vergrößerte innere Schamlippen „beim Sport oder Geschlechtsverkehr auch zu starken Schmerzen führen“. Wenn dem wirklich so ist, sollte es natürlich geändert werden (dürfen).

Meistens scheint es allerdings nicht um die Verringerung von Schmerzen zu gehen, sondern vor allem darum den Idealen zu entsprechen. Deshalb werden unter anderem Schamlippenkorrekturen,-verkleinerungen und Vaginalstraffung angeboten.

Schönheits-OPs an sich sind nichts verwerfliches 

Um es vorweg zu nehmen: Ich verurteile keine Frau, die sich einer (Genital-)Schönheits-OP unterzieht! Und wenn eine solche Operation dazu führt, dass Frau sich in ihrem Körper wohl(er) fühlt und dann glücklicher und selbstbestimmt leben kann – super! Die feministische YouTube-Bloggerin Suzie Grime zum Beispiel hat sich ihre Brüste vergrößern lassen.

Was ich aber kritisch sehe ist der gesellschaftliche Druck, der oft eben dahinter steckt und der auf uns allen – und auf Frauen insbesondere – lastet. Da geht es um: jünger, schlanker, fiter. Und wenn du nicht so jung, schlank und fit bist, dann zeige dich bitte wenigstens nicht in der Öffentlichkeit. Das ist, meiner Meinung nach, auch der Grund, warum es so gut wie keine körperlich vielfältige Werbung gibt, warum es mir nach dem Blick in Frauenmagazine schlecht geht oder warum schon junge Mädchen Diäten machen.

Der gesellschaftliche Druck ist enorm

Laut Anna-Katharina Meßmer, die ihre Doktorarbeit zum Thema „Überschüssiges Gewebe – Intimchirurgie zwischen Ästhetisierung und Medikalisierung“ geschrieben hat, sind es nämlich nicht direkte Erwartungen der Männer an ihre Freundinnen oder Ehefrauen, die viele Frauen zu dem Eingriff bewegen, sondern der gesellschaftliche Druck, „weil es in der Gesellschaft eine sehr präsente Vorstellung davon gibt, wie sich Frauen verhalten sollen und wie ihre Körper auszusehen haben.“

Weiter veranschaulicht sie:

„Wenn man nachmittags mal fern schaut, dreht sich fast jede zweite Werbung um Diätprodukte. Der weibliche Körper wird immer als defizitär dargestellt. Er wird erst mit Hilfe von Diätprodukten, Kosmetika, ästhetisch-plastischen Eingriffen oder Hanteln zum guten Körper.“

Würden also weniger Frauen diese OPs machen lassen, wäre der weibliche Körper gesellschaftlich anders konnontiert? Gundula Schildhauer, Sexualtherapeutin, sagte auf eben der Veranstaltung, auf der ich das erste Mal von dem Phänomen hörte, dass Männer nie etwas machen würden, was ihre Lust mindern würde. Da die gesamte Vulva der Lust dient/dienen kann, rät sie deshalb Frauen davon ab, etwas wegzuschneiden oder zu verändern.

Und auch ich frage mich: In was für einer Gesellschaft leben wir, wenn wir riskieren unser Lustempfinden stark zu beeinträchtigen, nur um einem völlig realitätsfremden Schönheitsideal zu entsprechen? Wir müssen dringend darüber nachdenken und etwas ändern – damit Frauen sich mit ihren Genitalien wohl fühlen können. Alles andere ist doch absurd, oder?!  

Dieser Beitrag ist zuerst auf Julias Blog erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht. 

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