Foto: Jasmin Arensmeier

„Brands und Blogger brauchen einen gesunden Realismus “

Consultant, Bloggerin oder doch eher YouTuberin? Jasmin hat sich für jeden dieser Berufe entschieden. Gleichzeitig. Wie das geht, hat sie uns erzählt.

 

Kreativ auf vielen Ebenen

Irgendwann im Leben kommen wir alle an den Tag, an dem wir uns nun endlich entscheiden sollen, wo es beruflich hingeht – und nicht selten fällt die Antwort darauf verdammt schwer. Wie nur alle Interesse unter einen Hut bekommen? Wie wissen, was man morgen will? 

Aber das Berufsleben ist ja, was man selber daraus macht. Und das kann eben auch bedeuten verschiedene Talente zu bündeln, statt sich nur auf eine Sache zu konzentrieren. Genau so, hat es Jasmin Arensmeier gemacht. Mit uns hat sie darüber gesprochen, wie sich ihr Dasein als Consultant, Bloggerin und YouTuberin organisieren lässt, welche Erfahrungswerte aus den verschiedenen Jobs sie für den jeweils anderen nutzen kann und wann sie den Computer bewusst mal ruhen lässt.

Du arbeitest als PR-Beraterin im Bereich Influencer Relationship Management. Was sind hier deine Aufgaben?

„Ich arbeite bei uns als Schnittstelle in der Konzeption und beschäftige mich neben der Blog PR mit digitalen Strategien und den Möglichkeiten, Influencer erfolgreich und nachhaltig zu integrieren. Das ist bei jedem Kunden auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten: Manche fangen mit diesem Thema langsam an und wollen Kontakte zu Bloggern knüpfen, erste Kooperationsmodelle testen und andere fahren in diesem Bereich bereits globale Kampagnen und setzen Blogger als Testimonials oder hauptsächlichen Media Invest ein. In erster Linie geht es aber erst einmal darum Meinungsmacher zu identifizieren, zu binden und eine für beide Seiten gleichermaßen profitable Beziehung aufzubauen. Das muss auch nicht immer monetär bemessen werden, auch Contentproduktion, SEO und Branding spielen eine große Rolle.“

Zusätzlich betreibst du gemeinsam mit Isabella den Blog Tea&Twigs. Welche Themen nehmt ihr hier in Angriff und wer liest euch?

„Tea&Twigs ist unser gemeinsames Stiltagebuch und Sammelplatz für inspirative Themen aus den Bereichen Beauty, Interieur und Lifestyle. Weil es den Blog schon so lange gibt und Isabella und ich alles zusammen machen, fühlt es sich ein bisschen wie ein digitales Zuhause an. Unsere Leser finden das auch und darauf kommt es an. Statistisch gesehen ist unsere typische Leserin zwischen 18-34 Jahren, kommt aus einem deutschsprachigen Land oder den USA und surft bei jedem Besuch etwa dreieinhalb Minuten auf unserem Blog.“

Fällt es dir schwer Vollzeitjob und Blog unter einen Hut zu bekommen?

„Ich habe das Glück einen Job zu haben, der mal mein Hobby war und immer noch meine Passion ist. Mit der Stuttgarter Agentur Werbewelt habe ich einen tollen Partner gefunden, der an das Feld Influencer Relationship Management glaubt und mutige und spannende Kunden hat, die genau das wollen. Meine eigene Tätigkeit als Bloggerin hilft mir, am Ball zu bleiben und Kontakte zu knüpfen. Eigentlich ist es ein fließender Übergang und da fällt es natürlich manchmal schwer um 20 Uhr den Rechner auszuschalten. Inspiration finde ich allerdings immer mehr offline und das treibt mich an, rauszugehen und mich mal von der digitalen Welt zu verabschieden. Das tut gut.“

Wie kannst du deine Erfahrungen aus beiden Bereichen noch für dich nutzen?

„Ich glaube, alle Blogger kennen die manchmal recht abstrusen Anfragen, bei denen man sich nicht wirklich wertgeschätzt fühlt. Ich versuche bei Brands und Bloggern einen gesunden Realismus was Angebote, Budgets und Erwartungshaltungen angeht voranzutreiben. Das hilft uns Projekte zu planen und wir machen keine falschen Versprechungen. Durch meine Arbeit mit internationalen Bloggern weiß ich inzwischen was die Benchmark ist – für den deutschen Markt momentan kaum denkbar. Reichweiten, Gagen und ein Level an Professionalität das man hier bisher noch kaum kennt. Aber es hilft auch zu wissen was sich die Kunden wünschen: messbare Erfolge, innovative Ideen, Reportings, schnelle Reaktionszeiten und keine Allüren. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine Kooperation erfolgreich und angenehm machen.“

Du und Isabella habt vor Tea&Twigs schon ein anderes gemeinsames Blog-Projekt gehabt: Stuttgarterstraße 34.

„Die Stuttgarterstraße 34 war eine fiktive Adresse und glich konzeptionell noch viel mehr einem digitalen Zuhause. Es ging jedoch kaum um Mode, viel mehr symbolisierte die Seite ein Freundschaftstagebuch mit humoristischen Ansätzen und teilweise wirklich lustigen Bildern, die nichts mit steriler Modeblogfotografie zu tun hatten. Neben unseren damals noch getrennten Fashionblogs konnten wir uns hier austoben. Die Stuttgarterstraße ist inzwischen auf Tea&Twigs mehr oder minder als Kategorie integriert und steht für uns intern für einen Fotostil, den wir gerne bei gemeinsamen Shootings wieder heraufbeschwören.

Apropos Stuttgart: Die Stadt ist ja nicht eben als Fashionmetropole bekannt..

„In Stuttgart tut sich in letzter Zeit einiges. Durch innovative Konzepte, wie die temporäre Fluxus Mall oder das Startup Mädchenflohmarkt inklusive Pop-Up Store, gibt es doch immer mehr interessante Marken, Läden und vor allem Knotenpunkte für Modeinteressierte.“

Consultant, Bloggerin und YouTuberin bist du auch. Seit wann machst du das und wer ist dabei deine Zielgruppe?

„YouTube habe ich schon 2008 genutzt, um Videos für den Blog zu hosten – da war mir gar nicht klar, dass auch Leute außerhalb des Tea&Twigs-Universums die Videos anschauen. Wirklich zugeschnitten auf die YouTube-Bedürfnisse produziere ich seit 2013. Die Zielgruppe überschneidet sich mit der des Blogs und fängt etwas jünger an, was sich gut bedingt, da der Content jeweils ergänzend ist. Mein bekanntestes Video hat etwa eine halbe Million Klicks.“

In letzter Zeit wurde viel über YouTuber im Zusammenhang mit Simon Unge und Mediakraft debattiert. Hast du das verfolgt?

„Als Konzepterin Digitaler Strategien kann ich nur sagen: Chapeau! Viele meiner Kunden würden sich eine solche reichweitenstarke Kampagne mit einem derart durchschlagenden PR-Erfolg wünschen. Auch wenn ich mir für #Freiheit mehr thematische Bedeutsamkeit gewünscht hätte. Meine persönliche Meinung fällt jedoch viel diplomatischer aus: Ich denke in einer etwas stilleren Einigung, hätten beide Seiten bekommen können, was sie wollen. So sind die Fronten bis heute verhärtet und die Auswirkungen auf Mitarbeiter, das Vermarktungskonstrukt per se und andere YouTuber selbst ist immens.“

Auch wenn du dir deine Inspiration mittlerweile gerne mal offline holst, welche Blogs oder YouTube-Kanäle siehst du dir an, wenn du neuen Input brauchst?

„Ich schaue gerne auf  Man Repeller vorbei, weil das erfrischend und trotzdem modisch anspruchsvoll ist. Ansonsten treibe ich mich ehrlich gesagt am liebsten auf Foodblogs und Pinterest rum. Gerne schaue ich auch Videos von Freunden, die zufällig auch auf YouTube unterwegs sind. Zum Beispiel kann ich mich dadurch meiner Freundin Carina von Travelrunplay näher fühlen, die gerade mit einem alten Bus die Panamericana erkundet oder Reni aka xKarenina, die auch immer zu weit weg ist, aber mich mit ihrem intelligentem Humor und stichfestem Wissen nicht nur privat überzeugt.“

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