Foto: Mark Seliger | Netflix

Judd Apatow: „Ich will die Momente zeigen, in denen Beziehungen zusammenbrechen“

Frauen, defekte Beziehungen, orientierungslose Charaktere in den 30ern – Darum geht’s in der Netflix-Serie „Love“. Wir haben Regisseur und Produzent Judd Apatow gefragt, inwiefern sich das Leben ab 30 verändert.

 

Es wird ernster…

In deinen 20ern spielst du verrückt, du nutzt jede Partygelegenheit, die sich dir bietet, tust unvernünftige Dinge, wechselst deine Bettnachbarn vielleicht schneller als deine Zahnbürste. Die 30er hingegen sind irgendwie eine Grenze – zum Erwachsenendasein, zum Runterkommen, um die Karriere voranzutreiben, um das Leben zu festigen und Beziehungen ernsthafter werden zu lassen.

Da sind die einen Pärchen, die schon jahrelang zusammen sind, dann aber merken, dass sie sich in verschiedene Richtungen entwickelt und die Gemeinsamkeiten aus den Augen verloren haben. Oder aber diejenigen, die sich einander und ihrer Bindung sicher sind, die Gegenwart dennoch von vergangenen Wunden überschattet wird.

So ungefähr versucht mir Judd Apatow, Regisseur und Produzent der neuen Netflix-Serie „Love“ zu erklären, warum er darin die Phase der 30er zu seinem Themenschwerpunkt erklärt hat. 

Serie vs. Film 

Der Vorteil des Serienformats gegenüber Filmen läge vor allem in der Länge, so Apatow.

„Wenn du einen Film machst, musst du die ganze Geschichte irgendwie in anderthalb Stunden packen. Und dann fragt man sich am Ende des Films: Ja, und jetzt? Wie geht es weiter, sind sie auseinander oder doch zusammen geblieben?“

Mit Love hätten sie jetzt die Möglichkeit, eben genau diese Fragen über die gesamte Spielzeit der Serie zu beantworten und dadurch einen authentischen Blick auf heutige Beziehungsgeflechte zu bieten. 

Defekte Beziehungen? Hauptsache ehrlich!

Love ist nach ,Bridemaids‘ und ,Girls‘ aber nicht das erste Werk des Produzenten, das Beziehungen mit all ihren Macken, Hochs sowie Tiefs abbildet. Ob er sich bewusst dazu entschieden hat? 

Abgesehen davon, dass ihn seine Frau oft dazu ermutigt hat, sich gesellschaftlich bedeutsamen Themen zu widmen, hätten für ihn der Großteil der Drehbücher, die sich der weiblichen Rolle widmeten, zu große Schwächen gehabt. Zudem sei die Arbeit mit Lena Dunham im Rahmen der Serie Girls so inspirierend gewesen, dass er sich dazu ermutigt fühlte, thematisch tiefer einzusteigen. 

Dabei sei ihm vor allem wichtig gewesen, nicht nur die schönen Momente im Leben der Charaktere zu zeigen, sondern genauso die negativen Seiten hervorzuheben. Er wolle eben die Momente zeigen, in denen bestehende Strukturen und zwischenmenschliche Beziehungen zusammenbrechen oder große Änderungen das Leben in andere Bahnen lenken.

Was uns aber vor allem interessiert: Unterscheidet sich Apatows privater Humor von demjenigen, mit dem er in seinen Serien Millionen von Menschen zum Lachen bringt?

„Mein eigenes Leben ist viel ruhiger. Auch wenn wir natürlich lustige Momente haben, besteht mein Familienleben hauptsächlich darin, meine Kinder rechtzeitig zur Schule zu bringen und sie davon abzuhalten, sich zu streiten, nur, weil der eine das Shirt des anderen getragen hat.“

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