Foto: Monika Schuerle für ZS Verlag

Malakeh Jazmati: „Wir mögen uns fremd sein, aber die Sprache des Essens ist universell“

Wie sehr Essen verbinden kann, erfahren wir alle immer wieder im Alltag. Genau dieses Gefühl ist auch der Antrieb der Damaszenerin und Fernsehköchin Malakeh Jazmani, die nun ihr erstes Kochbuch mit syrischen Gerichten in Deutschland veröffentlicht hat.

 

Die Sprache des Essens ist universell

Gemeinsamer Genuss verbindet. Gerade auf Reisen erlebt man immer wieder, wie Essen, typische Gewürze oder auch Gerüche einem nahezu nebenbei und unbemerkt das Land und die Leuten näherbringt. Denn gutes Essen kann uns, trotz unterschiedlicher Sprachen, in Gespräche bringe, das noch Fremde vertrauter machen und uns so einfach wie kaum etwas anderes ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dennoch werden viele nach dieser Exkursion in unbekannte Genüsse auch die Freude auf heimische Gerichte kennen, die bereits auf der Rückreise für die nächsten Tage geplant werden. 

Für viele Geflüchtete ist der Geschmack der Heimat allerdings nur noch eine Erinnerung, die in ihrer Vielfältigkeit nur noch schwer zu beleben ist. Denn eine Falafel in den Straßen Neuköllns schmeckt eben anders als eine in den historischen Straßen von Damaskus. Ein Problem, mit dem sich auch Malakeh Jazmati konfrontiert sah und das, obwohl sie in Deutschland mit einem Koffer voller Gewürze und eingelegter Speisen ankam. 

„Wir mögen einander in vielen Dingen zunächst einmal fremd sein, aber die Sprache des Essens ist universell.“ – Malakeh Jazmati

Von einer Fernsehköchin zur Geflüchteten

Die gebürtige Damaszenerin Malakeh hat der Verlust ihrer heimatlichen Speisen besonders getroffen. Nicht nur weil Syrer ein besonderes Verhältnis zu ihren Speisen pflegten, wie sie selber sagt, sondern auch weil sie es vor ihrer Flucht nach Deutschland, in ihrem jordanischen Exil zu einer bekannten TV-Köchin im gesamten arabischen Raum geschafft hatte. Bei dem regierungskritischen Sender Orientonair“ kochte sie nicht nur, sondern besprach mit Prominenten nebenbei noch Kultur und Politik. 

Selbst im Exil machte sie dieses Engagement zu einem Ziel der syrischen Regierung. Deswegen folgte Malakeh 2015 ihrem Mann nach Deutschland. Dieser war schon ein Jahr früher geflohen und hatte sich bereits im Berliner Sharehaus „refugio“ eingelebt – und den anderen Bewohnern schon viel von den Kochkünsten seiner Frau vorgeschwärmt.

Königin der Kochkunst

Dem Lob ihres Mannes und ihrem Ruf – Malakeh bedeutet „Königin“, was ihr in der arabischen Welt schnell den Namen „Königin der Kochkunst“ einbrachte – wurde sie durchaus gerecht. Schnell war auch der damalige Leiter und Bewohner des „refugio“ Sven Lager von den Kochkünsten Malakehs überzeugt und stellte den Kontakt zum ZS Verlag her. 

Daraufhin folgte eine Zeit, in der Rezepte und Erinnerungen gesammelt wurden, die übersetzt und besonders die Gewürze auf das deutsche Warenangebot angepasst werden mussten. Und quasi nebenbei bekam Malakeh ihr erstes Kind und startete mit ihrem Mann und den anderen „refugio“ Bewohnern auch noch ein Cateringunternehmen, durch das sie sich mittlerweile selbst finanzieren können. 

Mehr als ein Gericht

Neben den syrischen Rezepten, mit denen man höchstwahrscheinlich in windeseile eine große Liebe für Zimt, Kardamom und Koriander entwickeln wird, gibt es im Buch aber noch mehr zu entdecken – nämlich allerlei tolle Bilder und Geschichten zu den Gerichten, denn selbst das scheinbar einfachste Gericht hat seine Bedeutung.

„Tabouleh ist nicht einfach nur Salat. Er erinnert uns daran, wie viele Menschen bei uns im Jahr Geburtstag haben, wie viele Menschen sich um diejenigen sorgen, die Geburtstag haben.“ – Malakeh Jazmati

Damit ihr auch den Geschmack Syriens kosten könnt, haben wir hier für euch Malakehs Tabouleh Rezept:


So sieht dann der fertige Tabouleh aus. Bild:  Maria Grossmann/Monika Schuerle für ZS Verlag

Zutaten:

  • 50 g weicher Bulgur
  • 400 g Petersilie
  • 50 g Minze
  • 100 g Weißkohl
  • 200 g Tomaten
  • 75 ml Zitronensaft
  • 150 ml Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • 10 g gemahlener Sumach

Zubereitung: 

Den Bulgur in 50 ml lauwarmem Wasser so lange quellen lassen, bis die Flüssigkeit vollständig aufgesogen ist. Die Petersilie und die Minze waschen und trocken schütteln, die Blätter abzupfen und mit dem Wiegemesser fein hacken. Vom Weißkohl ggf. die äußeren Blätter entfernen und den Kohl klein schneiden. Die Tomaten waschen und in Würfel schneiden, dabei die Stielansätze entfernen. Petersilie, Minze, Weißkohl und Tomaten mit dem Bulgur in einer Schüssel mischen. Tabouleh mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz, Pfeffer und Sumach würzen.

Malakeh Jazmati:

Malakeh: Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat“, ZS Verlag, 2017, 192 Seiten, 34,00 Euro

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