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Englisch sprechen im Job? So läuft es runder

Ein direkter Sprachstil gilt bei uns als kompetent und karrierefördernd. Auf dem interationalen Parkett gelten aber andere Regeln, sagt Susanne Kilian. Die ehemalige UN-Dolmetscherin hat die wichtigsten Dos and Don’ts internationaler Kommunikation aufgeschrieben.

 

Dont let me be misunderstood

Susanne Kilian war 15 Jahre lang als Dolmetscherin für
die UNO in Asien, in den USA und in Europa tätig – und dort hat sie täglich erlebt, wi
e schnell es in
der internationalen Kommunikation zu Missverständnissen kommen kann. Das hat mit den grundlegend
unterschiedlichen kulturellen Spielregeln zu tun, die in der
Kommunikation ihren Niederschlag finden.

Das kennen bestimmt viele: In der Muttersprache kommuniziert man
gekonnt, balanciert problemlos zwischen Humor und Ironie, erkennt Zwischentöne seines Gegenübers – doch bei geschäftlichen Terminen auf Englisch gelingt all das nicht so, wie man es gerne hätte – selbst wenn das eigene Englisch richtig passabel ist. Man ist weniger spontan, kommt weniger authentisch
und souverän rübe. Im Interview erklärt Susanne Kilian, wie man bei internationalen Geschäftskontakten punkten kann.

Susanne Kilian, Bild: Die Hoffotografen

In Ihrem Buch heißt es: Das eigene Englisch ist passabel, wir beherrschen die Grammatik und haben einen großen Wortschatz – und dennoch läuft da einiges schief. Was genau wird denn gerne falsch gemacht?

„Es ist nicht entscheidend, wie gut wir eine Sprache ,technisch’ beherrschen. Entscheidend ist, die internationale Erwartungshaltung bezüglich eines Gesprächs und eines guten Kommunikationsstils zu verstehen. Die meisten Kulturen dieser Welt kommunizieren anders. Es hilft, neben Wortschatz und Grammatik die kulturellen Codes zu kennen. Es geht also weniger darum, wie gut mein Englisch ist, sondern vielmehr ,wie ich was’ sage.

Sie schreiben, die Deutschen würden nicht lange drum herum reden, sondern gern ohne Umschweife zum Punkt kommen; Probleme und Missstände werden klar benannt, wir streben schnelle Leistungen an und erklären anderen gern, wie etwas zu regeln ist. Ein direkter Sprachstil gilt als kompetent, Floskeln finden wir überflüssig – und das sei nur bei den Deutschen so (und im Hebräischen, Finnischen und Estnischen) – woran liegt das? An einer bestimmten Mentalität?

„Vor allem liegt es an unserer ,Sprachsozialisation. ,Das haben Sie genau auf den Punkt gebracht und ,Präziser hätte ich das nicht formulieren können sind bei uns echte Komplimente. Sie unterstreichen unsere Prägung auf sprachliche Präzision. Wir sind dazu erzogen, Dinge schnell und klar beim Namen zu nennen und Sachverhalte ohne Umschweife zu kommunizieren. In anderen Kulturen gehören Small Talk und etwas mehr sprachliches ,Drumherum zum guten Ton. Wenn wir direkt und funktional kommunizieren, werden wir in Deutschland gut verstanden. Wenn wir uns im Rest der Welt ähnlich erfolgreich ,Gehör verschaffen wollen’, sollten wir uns auf den Kommunikationsstil unserer Gesprächspartner einlassen. Das spart uns Zeit, Nerven und Geld. 

Make the other person feel good – ist das tatsächlich etwas, das wir Deutschen nicht gut können? Warum? Weil wir das Prinzip nicht kennen?

„Na klar können wir das. Wir haben viele wunderbare praktische Qualitäten im Umgang mit anderen. So bringen wir beispielweise unseren Kindern bei, dass sie im Bus den Sitzplatz älteren Fahrgästen überlassen. Wenn es aber darum geht, Komplimente zu machen und Anerkennung in Worte zu kleiden, sind wir nicht unbedingt Weltmeister.

Zur Kunst des Smalltalks: Sie schreiben, dass eine Mexikanerin in Tränen ausbrach, weil sie von deutschen Geschäftspartnern immer nur auf den Drogenkrieg in ihrem Land angesprochen wurde und das Gefühl hatte, die Deutschen denken, ihr Land bestünde ausschließlich aus der Drogenmafia. Wie geht es besser (falls man tatsächlich nichts anderes über Mexiko weiß)?

„Wir neigen dazu, primär Fakten auszutauschen. Es ist eine deutsche Tugend, informiert zu sein – beispielsweise über tagespolitische Fakten. Anstatt – wie am Beispiel der Mexikanerin – sehr direkte Fragen zu stellen, wäre es geschickter, den anderen über sein Land erzählen zu lassen, Interesse an der Kultur zu zeigen. Wir sollten das Gespräch mit Anerkennung und Neugier starten ,Sie kommen aus Mexiko? Was für ein wunderbares Land mit einer reichen und sehr alten Kultur, erzählen sie doch mal. . .”

Sie schreiben, empathische Kommunikation sei der Schlüssel zum Erfolg – was kann ich mir darunter vorstellen?

„Zeigen Sie echtes Interesse am Gegenüber, zeigen Sie durch Ihre Fragen Neugier und Begeisterung für die kulturellen Wurzeln des anderen. Damit schaffen Sie mühelos ein gewinnbringendes Gesprächsklima. Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass ein empathischer Kommunikationsstil  ,gehirnfreundlicher ist und somit die Informationen, die wir vermitteln wollen, um ein Vielfaches besser verstanden und erinnert werden.

Heißt das konkret: Sich vor Business-Treffen mit Leuten aus anderen Ländern tatsächlich einlesen, was dort jeweils in der Kommunikation üblich ist?

„Wenn ich in ein bestimmtes Land reise, schadet es natürlich nie, sich vorher über die Gepflogenheiten zu informieren. Auf internationalen Konferrenzen vermag ich nicht abzusehen, welchen Menschen aus welchen Kulturen ich begegnen werde. Jeder bringt seine Geschichte mit. Seien Sie genau dafür offen und neugierig – und zeigen Sie das auch. Lassen Sie Ihr Gegenüber von seinem oder ihrem Heimatland erzählen. Machen Sie ihn oder sie so zum Experten. Durch empathische Kommunikation wird man zum wahren ,global player.


Susanne Kilian: „Dont let me be misunderstood! Wie wir weltweit besser verstanden werdenAriston Verlag, 2015


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