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Mut ist ein Muskel – und so kannst du ihn trainieren

So viel Mut hätte ich nie! Hast du diesen Satz schon mal gesagt? Coach Lea Vogel erklärt bei uns, wie du diese Eigenschaft lernen kannst.

 

Trainieren ist gesund!

Dass es gesund ist, unseren Körper zu trainieren, ist uns allen klar. Wir wissen, dass uns regelmäßige Bewegung gut tut, dass wir unsere Muskeln aufbauen können und dass wir an Kraft gewinnen, wenn wir regelmäßig Sport machen. Viele von uns wissen auch, dass das Training nicht immer Spaß macht. Im Gegenteil: Wir schwitzen und schnauben und machen es dennoch. Wissend, dass wir unseren Körper verändern können.

Im Gegensatz zu unserem Körper gehen wir bei unserem Geist und unseren Gedanken immer davon aus, dass sie – so wie sie sind – festgelegt sind.
Ein paar Wenige haben eine Portion Mut und Selbstvertrauen in die Wiege gelegt bekommen, der Rest hat eben Pech. Der Gedanke, dass wir mit Übung unseren Geist wirklich verändern können, kommt uns immer noch komisch vor. Und wenn wir doch bereit sind, etwas auszuprobieren, dann mangelt es manchmal auch einfach an Geduld. So war es zumindest bei mir.

Training ist der Feind des Angsthasen!

Ich möchte dir etwas verraten: In meinem Grundnaturell bin ich ein Angsthase. Hätte ich zu Beginn meiner Selbstständigkeit einen Tauglichkeitstest gemacht, ich wäre glatt durchgefallen. Ich bin unendlich dankbar, dass es einen solchen Test nicht gab, denn die Selbstständigkeit ist für mich inzwischen die schönste Form der Arbeit, die ich mir vorstellen kann. Heute weiß ich, dass Mut trainierbar ist. Er kommt in kleinen Portionen und auch nur dann, wenn wir uns immer ein kleines Stückchen weiter aus unserer eigenen Komfortzone wagen. Und dabei kann es auch schon mal zu Schwitzen und Schnauben kommen. Aber: Es lohnt sich.

Ich will dir folgende Punkte mitgeben, die mir nach wie vor dabei helfen, meinen Mut-Muskel zu trainieren:

1. Im Zweifel: Handeln! 

Jedes Buch, das ich gelesen, jede Erfolgsgeschichte, die ich gehört und jede Situation, die ich gut gemeistert habe, fußt auf diesen drei Wörtern. Nichts baut Selbstvertrauen und Mut so wirksam auf, wie die Entscheidung, aktiv zu werden. Ganz besonders dann, wenn die Handlung ein Risiko birgt oder Fehlschlagen kann. Handeln sorgt für Entwicklung und diese stärkt den Mut-Muskel!

2. Nicht grübeln, machen! 

Wenn es um Mut geht, ist unser Gehirn nicht gerade unser Freund. Wir verschwenden viel zu viel Zeit damit, über Dinge nachzudenken. Zwar tarnt sich diese Grübelei unter dem Deckmantel der Tiefgründigkeit, sie führt aber meistens zu nichts. Denn noch mehr Grübeln wird unseren Mut-Muskel nicht stärken, es wird unser unser Selbstvertrauen nicht wachsen lassen und höchstwahrscheinlich wird es uns am Entscheiden hindern. Kontraproduktiv. Unser Mut-Muskel mag es allerdings, wenn wir uns mit einem lauten STOPP aus der Grübelei hinausholen – dann Ein- und ausatmen und handeln.

3. Umprogrammieren! 

Leider neigen wir dazu, die negativen Dinge besonders hervorzuheben. Bei unseren Vorfahren machte das auch außergewöhnlich viel Sinn: Wenn alle versammelt am Lagerfeuer saßen, war es wichtig zu erwähnen, wo ein Säbelzahntiger lauerte und an welchem Ast giftige Beeren hangen. Das half uns in einer Welt, die einfach, aber gefährlich war, beim Überleben. Heute machen wir es genauso, mit dem Unterschied, dass wir in einer komplexen Welt leben, in der uns Stolz, Eitelkeit und Existenzängste bekannt sind. Wer jetzt nur negativ denkt, hindert sich am Vorankommen. Ein Tipp: Kauf dir ein schönes Büchlein und notiere dir pro Tag drei Dinge (schriftlich!), die dir gut gelungen sind. Es hilft deinem Gehirn dabei, deinen Fokus neu zu setzen.

4.  Sei bereit zu Scheitern!

Die Grundidee ist nicht neu, für mich persönlich ist es immer noch herausfordernd. Eigentlich möchte ich, dass jeder Text gut ankommt, jedes Coaching Aha-Momente bringt, jeder Workshop voller Energie strotzt und jedes Training einfach und souverän abläuft. Surprise: So ist es nicht immer. Wirklich und innerlich verankert zu haben, dass Scheitern eine echte Option ist, kann ein beängstigender Gedanke sein. Aber jetzt, wo ich mich nach und nach damit anfreunde, ist es auch gleichermaßen erleichternd. Scheitern ist nicht mehr nur der Feind, es ist eigentlich ein Lehrer. Je schneller du scheiterst, desto schneller weißt du, wo du noch nachjustieren kannst. Gib nicht auf. Scheitern gehört dazu.

5. Üben, Üben, Üben! 

Wer auf lange Sicht seinen Mut-Muskel trainieren möchte, muss üben, üben und nochmals üben. Diesen Teil mag ich selbst manchmal nicht, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es der einzige Weg ist, ihn zu stärken. Wenn wir mutiger sein wollen – im Job, in der Liebe, im Leben – dann müssen wir uns aus unserer Komfortzone heraus bewegen. Im Konkreten bedeutet das: Wir tun Dinge, von denen wir glauben, daran wachsen zu können, obwohl sie uns im Magen liegen. Das ungewollte Telefonat, die Auseinandersetzung mit dem Vorgesetzten, das Gespräch mit dem Freund, die Gehaltsverhandlung. Es darf sich am Anfang ungut anfühlen – das geht vorbei, es sind nur Wachstumsschmerzen! Dein Bizeps wächst ja auch nicht über Nacht.

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