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Mut und Lebenslust statt Prüfstand und Karriere

Erfahrungen einer jungen mutigen Ehefrau vor fünfzig Jahren im fernen Osten

 

Wie mutig sind wir heute?

Sind Frauen von heute in gewisser
Hinsicht einfach nicht mehr so mutig wie früher? Wollen sie immer alles ewig
auf den Prüfstand stellen, sich für alle Eventualitäten absichern und ja nichts
riskieren? Wird vielleicht auch das Kinderkriegen tausendmal abgewägt und so
lange gewartet, bis es zu spät ist oder der Mann vielleicht schon wieder weg
ist?

Mutig war die damals 26
jährige Beate Voltz schon, als sie 1957 in Darmstadt auf einer Party einen
jungen Architekten kennen lernte und 24 Stunden später beschloss, mit ihm in
das ferne Malaya, das heutige Malaysia zu ziehen. C.W. Voltz arbeitete mit Max
Bill zusammen und war bereits einer der ersten Verfechter des Mottos „Form
Follows Function“. Er wurde damals an das Technical College von Kuala Lumpur
berufen, um dort als Senior Lecturer Architektur zu lehren. Dies unter den
Bedingungen des Colombo Plans, ein Programm aus dem das Commonwealth
Entwicklungshilfe für die ehemaligen englischen Kolonien finanzierte. C.W. war
sozusagen einer der ersten Entwicklungshelfer, den das Auswärtige Amt
beauftragte. 

Und Beate stellte sich der
Herausforderung und ging mit ihm das ferne Land. Für sie begann ein Abenteuer in
einer exotischen Welt. Reisen war noch beschwerlich, die Anreise dauerte
mehrere Tage. Auf die junge Frau kam eine exotische, schöne und aufregende Welt
zu, von der sie ihren Eltern zu Hause in vielen Briefen berichtete. Die
Eingewöhnung in ein fremdes Land, das Leben als Ehefrau, die Geburt der Kinder
sowie das Kennenlernen der fremden Kultur und das Zusammentreffen mit Leuten
aus aller Herren Länder konnte Beate in den knapp drei Jahren – von 1957
bis 1960 – erleben.

Entscheidung für Familienleben

Bei heutigen Frauen kommt
immer erst die eigene Karriere und dann wird überlegt, wann diese am besten zu
unterbrechen ist. Am besten eigentlich nie und so wird den Familien ein
ungeheuerlicher Druck aufgelastet. Beate war auch beruflich aktiv, hat sechs
Semester Modedesign in Berlin studiert. Doch hat sie ihrem Mann die Möglichkeit
gegeben, sich beruflich zu entfalten und sich der Familienphase gewidmet. Sie
wollte viele Kinder, vier Söhne sind es schließlich geworden. Ihr war auch wichtig,
dass kein so großer Altersunterschied zwischen ihr und den Kindern war. 

Heute
sind Mütter ja oft schon etwas älter. Man hat, wenn man jung mit der
Familienphase anfängt, später auch noch tolle Chancen, sich etwas aufzubauen. Die
Frauen von heute zögern das Kinderkriegen so lange hinaus, dass sie wirklich 58
sind, wenn Kind oder Kinder aus dem Hause sind. Frauen haben dann oft die
Spannkraft nicht mehr um sich für was Neues ganz zu engagieren. „Als ich Mitte
40 und die Kinder aus dem Haus waren, bin ich in die Kommunalpolitik gegangen.
Da war ich Fraktionsvorsitzende vom Stadtparlament und in mehreren Ausschüssen,
zum Beispiel Vorsitzende im Umweltausschuss. Dann habe ich mich der humanitären Hilfe
zugewendet. Leider ist mein Mann dann gestorben und ich genieße jetzt solo meinen
Ruhestand. Ein Sohn lebt in Spanien, den ich öfters besuche, dann habe ich vor
ein paar Jahren sogar Kinder von Freunden in Kalifornien besucht. Jedes Jahr
bin ich zur Sommerfrische in Österreich und passe während des Jahres oft und
gerne auf meine Enkel auf“, berichtet Beate, die sich mit regelmäßigem Schwimmen
und Spazieren gehen fit hält.

Kommt die Familienphase
heute zu kurz, weil Eltern abgehetzt sind und sich nichts mehr richtig widmen? Frauen
(als auch immer öfter Männer) haben das Gefühl, wenn sie auf dem Spielplatz
sitzen, müssten sie eigentlich Emails checken und wenn sie am Computer
arbeiten, dass sie eigentlich mit ihren Kindern spielen bzw. Hausarbeit machen
müssten. Dies sorgt bei den heutigen Eltern schon für eine gewisse Zerrissenheit.
Oft geht es finanziell nicht anders, doch wenn man sieht, wieviel Geld und
Energie für Kinderbetreuung aufgewendet wird, fragt man sich schon, ob es das
alles Wert ist. Und ob die Gesellschaft nicht einfach mal akzeptieren könnte,
den Frauen diese Phase zuzugestehen, den Druck rauszunehmen und sie danach
wieder in den Arbeitsmarkt zu führen. Jeder muss sein eigenes Modell finden.

Als die mittlerweile
gewachsene Familie 1960 dann wieder zurück in Deutschland gewesen ist,
arbeitete Beate im Grafik-Atelier ihres Mannes und unterstützte ihn in Administration,
Organisation und Reinzeichnung. Das hat ganz toll funktioniert, weil das Büro
im Haus war. „Ich habe das gerne gemacht, weil ich sehr selbständig gewesen bin
und auch für mich Freiräume schaffen konnte. Wir haben oft Auftraggeber zu Besuch
gehabt, ich habe meine Gastgeberfunktion voll genossen. Es war ein kleiner
Betrieb, den ich gemanagt habe“, so Beate, die nun 84 Jahre zählt. Sie
lebt heute an der Hessischen Bergstraße, hat von den vier Söhnen sieben Enkel
und zwei Urenkel. 

Und bis man schaut, sind die
Kinder aus dem Haus und man hat auch noch viele Chancen, was aufzubauen. Das
sollte eigentlich den Frauen signalisiert werden. Mach mal in Familie und
später wenn die Kinder größer sind bekommst Du Deine Freiheit Stück für Stück
wieder zurück. Der Fokus in der Gesellschaft liegt zu sehr auf den ersten
Jahren der Kinder, also in der Baby- und Kleinkindphase. Doch ein 10 oder 14jähriger
sitzt auch nicht gerne den ganzen Nachmittag nach der Schule alleine zu Hause
ohne Ansprache. Hier steht dann eine andere Art der Prägungsphase der
Nachfolger unserer Gesellschaft im Vordergrund. Das Leben in der Gemeinschaft. 

Das Zeitdokument von Beates
aufregender Phase in Malaysia, dessen Manuskript vor über 50 Jahren entstanden
ist, ist unter dem Titel „Briefe aus Malaya“ als Buch und E-Book mit rund 370
Seiten erschienen. Ihre Schwiegertochter Claudia Voltz, die in München mit Beates
Sohn Michael – einem Münchner Rechtsanwalt – lebt, hat es in ihrem Verlag
METROPOLITAN Publishing aufgelegt. Foto-Eindrücke und weitere Informationen
gibt es unter www.briefeausmalaya.de .

Die Briefe fügen sich zu
einer Geschichte aus einer exotischen und aufregenden Welt im Fernen Osten zusammen,
die in witziger und selbstironischer Manier über die täglichen Erlebnisse der
Familie erzählt. Der Tagesablauf einer jungen Ehefrau und Mutter, die sich in
einem fremden Land zu Recht finden muss wird ebenso heiter beschrieben wie der
Umgang mit Malayen, Chinesen und Engländern und die Besonderheiten in der
Federation of Malaya.

Beate liebt es nach wie vor,
Leute zu verköstigen, besonders mit ihrem Malayischen Curry. Öfters lädt sie
hierzu ihre Freunde ein. Gerne denkt sie zurück an diverse Feiern in der
Botschaft in Kuala Lumpur, an die furchtbare „Cold Collation“ und an die
Alpträume ihres Mannes über malayischen Kartoffelpürree und englischen Plum Pudding sowie den sagenhaften
Mister Cölli. Das alles kann man in „Briefe aus Malaya“ nachlesen, wo es Beate
Voltz in ironischer, witziger und mitreißender Weise in den Original-Briefen
schildert.

Auf Anfrage stellt Beate
gerne das Rezept für ein original malayisches Curry zur Verfügung. Erleben kann
man Beate im Interview auf der Seite www.briefeausmalaya.de wo sich auch eine
Les eprobe und Fotoeindrücke dieser spannenden Zeit befinden.

gez. Claudia Voltz

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