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Wie ich mich entschieden habe, glücklich zu sein

Als Kind kannte unsere Community-Autorin Meike Neitz nur ein Motto: Das Leben ist schön. Doch mit dem Erwachsenwerden wurde es für sie immer schwerer, sich diesen Gedanken zu bewahren. Bis sie beschloss, das zu ändern.

 

Das Beste, was Eltern beibringen können: Alles wird gut!

Früher hatte ich mein Lebensmotto dick und fett in meinem Kinderzimmer hängen: DAS LEBEN IST SCHÖN! So simpel. So einfach. So schön. Bis auf die üblichen pubertären Lebenskrisen kam ich damit perfekt durch. Nach dieser Lebenseinstellung zu leben, festigte mich einerseits und ließ mich andererseits leichter, fröhlicher durch den Alltag schreiten. Denn mit dem Motto lebte ich nach einer angenehm naiven Grundüberzeugung: Das Leben ist gut und muss mich ansonsten erst einmal vom Gegenteil überzeugen.

Ich verdanke meinem Vater dieses Vertrauen. Denn er versorgte mich regelmäßig mit einem beruhigenden: „Alles wird gut.“ Und ich würde mich freuen, wenn jedes Kind mit einem „Gute Nacht“ verbunden mit der „Alles wird gut“- Einstellung ins Bett gehen dürfte.

Ich nahm es mit, dieses Vertrauen in die Welt, diesen Optimismus – ich lebte danach. Ist das Glas halb leer oder halb voll? Na, halb voll natürlich! So ging ich durch meine Kindheit, verschwendete meine Jugend, war fröhlich, wild, unvernünftig, tanzte, knutschte, erlebte Abenteuer, reiste, lernte tausend Menschen kennen, machte Nächte durch, machte neue Freundschaften, lachte. Ich lebte eben.

Doch ein paar Jahre später stellte ich fest, dass ich irgendwo entlang des Weges, irgendwo im Strudel des Arbeitslebens und des Älterwerdens vergessen hatte, dieses lebensfrohe Kind zu sein.

Wo war mein „Das Leben ist schön“ verloren gegangen?

Sorgen lagen auf einmal viel schwerer auf meinen Schultern als früher der Schulranzen. Ich ertappte mich immer wieder dabei, meine Lage erst einmal negativ, statt wie früher positiv einzuschätzen. Dachte etwa darüber nach, wie müde ich am nächsten Tag sein werde und ging lieber früh nach Hause. Warum schaffte ich es nicht mehr, einfach wieder unvernünftig zu sein und mir zu sagen, dass eine durchgetanzte Nacht die Müdigkeit wert sein kann? Warum konnte ich nicht einfach mal wieder Spaß haben?

Auch merkte ich, dass ich leichter genervt war, schneller sorgenvoll, manchmal ängstlich. Aber warum eigentlich? Objektiv gesehen habe ich doch ein Top-Leben. Ist das automatisch so, wenn man älter wird? Schleichen sich nun Ängste und Sorgen in das Leben, die früher noch unsere Eltern übernommen haben?

Ich vermisste den grundlegenden Optimismus, mir fehlte meine kindliche
Neugier, mir fehlte die kindliche Freude über die kleinen Dinge des Lebens, die damals groß erschienen. Ich vermisste Überraschungen. Doch wo entstehen diese Gefühle? Genau, die Impulse dazu werden im Kopf ausgelöst. Nun bin ich wirklich keine Therapeutin, keine Psychologin und mit größter Sicherheit Galaxien entfernt von jeglicher Esoterik. Doch an eins glaube ich: An die Macht, die durch eine optimistischen, positiven Grundeinstellung entsteht. Die Kraft, die dazu führt, dass wir wieder ein bisschen jünger sind und leichter leben,
so wie früher.

Unsere Denkmuster haben viel mehr Einfluss auf uns als uns bewusst ist

Ich habe letztens von einer Studie zum gleichen Thema gelesen, die mich
beeindruckte: Eine Harvard-Professorin teilte Putzfrauen in einem Hotel in zwei Gruppen. Der einen Gruppe wurde erzählt, dass ihre Tätigkeit einem Fitness-Workout gleiche, nur eben an ungewöhnlichen Fitnessgeräten. Sie sollten umdenken und ihren Job als eine sportliche Aktivität betrachten. Der zweiten Gruppe wurde diese neue Definition ihrer täglichen Arbeit nicht vorgetragen. Vier Wochen später stellte sich heraus, dass die Teilnehmerinnen aus der ersten Gruppe tatsächlich abgenommen hatten und sich fitter fühlten. Bei den anderen Frauen jedoch hatte keine Veränderung stattgefunden.

Diese schöne Studie unterstreicht letztlich meinen Punkt: Unser Denken, unsere Einstellung hat viel mehr Einfluss auf unseren Alltag, als wir meist annehmen.

Ich habe mich entschieden, einfach wieder glücklich zu sein

Also habe ich beschlossen, einfach wieder umzudenken. Statt immer nur nach dem großen Glück des Lebens zu streben, einfach wieder an der Basis positiv zu sein. Das funktioniert tatsächlich -zumindest im meinem bescheidenen Fall- erstaunlich gut.

Ich nehme die positiven Dinge im Alltag bewusster wahr und schätze vor allem die kleine, feinen Dinge. Letztens habe ich zum Beispiel ein neues Lieblingslied entdeckt – und das war, als hätte ich einen Schatz gehoben! Ein großartiger kleiner Glücksmoment.

Sich selbst einfach mal ein Lächeln auf das Gesicht zu setzen und sich mit
diesem Lächeln in der Außenwelt blicken zu lassen, wirkt ebenfalls Wunder. Und das Schönste daran? Es ist ansteckend! Wenn ich mit diesem Lächeln mit meine „Lotta-aus-der-Krachmacherstraßen“-Fahrrad durch Hamburgs Straßen düse, bemerke ich, dass die Leute zurücklächeln. Man grüßt Fremde mit einem freundlichen Nicken und schon fühlt man sich ein wenig besser.

Ein optimistische Sicht macht so vieles leichter

Cogito, ergo sum. Ich denke, also bin ich, sagte schon Descartes. Besser wäre
noch: Ich denke positiv, denn das werde ich. Sich anzutrainieren, eine optimistische Sicht der Dinge anzunehmen, erleichtert das Leben ungemein. Ich stelle auf der Straße fest, dass ich oben in der Wohnung etwas vergessen habe? Wie gut, schon etwas Frühsport am Morgen! Mir ist ein fünf Euro-Schein aus der Hosentasche gerutscht? Ist verschmerzbar und man stelle sich einfach die ungleiche Freude des Finders vor! Auf dem Weg zur Arbeit von einem Regenschauer überrascht worden? Endlich mal der Ansporn, sich vernünftige Regenklamotten anzuschaffen. Und so weiter, und so fort….

PS. Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich ist unser Leben nicht nur Ponyhof. Wir werden immer wieder mit herben Rückschlägen, Verlusten und Problemen konfrontiert. Manchmal ist es wichtig und gut, sich so richtig schön zu ärgern oder traurig zu sein. Es geht mir aber darum, in mir, in meiner Substanz mit Sonnenstrahlen ausgestattet zu sein, die mich diese „Das Leben ist schön“ Mentalität ausstrahlen lassen.

„Now and then it’s good to pause in our pursuit of happiness and just be happy.“ sagte ein gewissen Guillaume Apollinaire einmal. Recht hat er. Das müsste an jedem Kühlschrank hängen. Oder gibt es noch einen Platz im Haus, der präsenter ist? Die Klotür? Okay, dann da.

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