Foto: Robert-Enke-Stiftung

Teresa Enke: „Wir müssen es schaffen, mit Depressionen offen umzugehen“

Heute ist der sechste Todestag des ehemaligen Nationaltorwarts Robert Enke. Seine Frau Teresa arbeitet seitdem daran, mehr Wissen über die Krankheit zu schaffen und plädiert dafür, einen natürlichen Umgang damit zu finden.

 

Depressionen können jeden treffen

Am Sonntag sprach Guido Westerwelle in der Sonntagabend-Talkshow bei Günther Jauch über seine Leukämie-Erkrankung. Teresa Enke haben seine öffentlichen Auftritte bewegt und sie schreibt in ihrem Blog: „Die beeindruckenden Auftritte des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle in den Medien dieser Tage haben demonstriert, wie selbstverständlich wir heute über Krebserkrankungen reden können. Meine Eltern haben mir erzählt, dass vor 30, 40 Jahren über Krebs noch genauso verdruckst geschwiegen wurde wie bis zu Roberts Tod über seelische Krankheiten.“

Sie wünscht sich, dass es gesellschaftlich endlich normal wird, offen über Depressionen sprechen zu können, denn, so Teresa Enke, könnten Menschen, die depressiv werden, ebenso wenig dafür wie solche, die beispielsweise an Prostata- oder Brustkrebs erkrankten. Sie macht ganz klar: Depressionen sind eine Krankheit, was wiederum bedeutet, dass sich niemand aussucht, depressiv zu sein, die seelische Erkrankung nicht einfach verfliegt und in der Regel eine professionelle Behandlung erfordert. Deshalb sei es wichtig, dass im Profifußball verstanden würde, dass Depressionen unter Fußballern genauso vorkommen wie Kreuzbandrisse, und dass deshalb genauso erstklassige Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen wie für Kreuzbandrisse vorhanden sein sollten.

Der Sport hat ihn nicht krank gemacht

In ihrem Artikel thematisiert sie daher auch das Vorurteil, ihr Mann sei aufgrund des Drucks im Hochleistungssport erkrankt. Teresa Enke schreibt: „Es ist gut möglich, dass Robert auch als Sportjournalist oder Versicherungsvertreter unter Depressionen gelitten hätte.“ Das Beispiel Robert Enke zeigt aber auch, dass Depressionen nicht nur in jedem Beruf auftreten können, sondern auch Menschen erkranken, von denen andere denken, sie müssten glücklich sein, denn sie hätten doch Erfolg. Doch weder eine intakte Beziehung, noch ein erfüllender Job oder ein volles Konto schützen davor, dass die Seele krank wird. Krankheiten sind unberechenbar, sie können ohne Vorzeichen auftreten.

Reichen die Hilfsangebote?

Teresa Enke erzählt, dass sie und ihr Mann zunächst nicht wussten, wo sie sich Hilfe holen konnten, als Robert Enke krank wurde. Auch das ist typisch für Menschen mit Depressionen: Denn dass die Krankheit tabuisiert wird, trägt dazu bei, dass es wenig Wissen darüber gibt, auf welchem Weg man am besten gesund werden kann. Noch mehr: Wenn sich Menschen nicht darüber bewusst sind, dass es sich um eine Krankheit handelt, für die sie nichts können, suchen sie zunächst bei sich selbst nach Schuld, anstatt medizinische Hilfe zu wollen. Die Stiftung von Teresa Enke hat nun ein Angebot geschaffen, dass Leistungssportler mit Sportpsychiatern und Psychotherapeuten schneller zusammenbringt. 

Die schnelle Hilfe ist dabei nicht nur im Sport ein ganz wichtiger Punkt. In Deutschland ist es für Menschen mit Depressionen ein Kraftakt, die passende Hilfe zu finden. Mehrmonatige Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind die Regel und werden von Krankenkassen als zumutbar bewertet – dabei können Depressionen lebensgefährlich sein.

Vielleicht kann ein stärkerer öffentlicher Diskurs über Depressionen aber auch dazu beitragen, dass Behandlungsangebote zahlreicher und besser werden, denn die aktuelle Versorgungslage nimmt in Kauf, dass es Menschen über lange Zeit hinweg sehr schlecht geht, das Gesundwerden immer schwieriger wird oder das Leid so groß, dass Suizid versucht oder begangen wird. Genau das muss jedoch anders werden: So wie es selbstverständlich ist, dass wir Krebspatienten hervorragende Therapien anbieten wollen, sollte das gleiche für Menschen mit seelischen Leiden gelten.

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