Foto: Scott Webb | unsplash

Wie wir es endlich schaffen, den Urlaub zu genießen ohne ständig an den Job zu denken

Ferien ohne schlechtes Gewissen – so sollte es doch sein. Wir erklären, wie das wirklich gelingt.

 

Ich bin dann mal weg – aber nicht so wirklich

Da hat man sich so gut vorbereitet: Die Abwesenheitsnotiz auf Deutsch und Englisch zweimal Korrektur lesen lassen, diverse Male per Test-E-Mail überprüft, ob sie auch funktioniert, eine Übergabemail an die Kollegin geschickt mit allen wichtigen Infos und Kontakten und einer Liste, was wann womöglich anstehen könnte. Und trotzdem passiert natürlich das: Am nächsten Abend, kurz nachdem man am Urlaubsort angekommen ist, wo man jetzt idealerweise entspannt die erste Flasche Rosé aufmachen und in den Sonnenuntergang gucken sollte, irrt man wie eine Löwin, der man das Junge genommen hat, über das Finca-Anwesen, um ein Fleckchen zufinden, an dem das auf der Website übermütig als „in allen Ferienwohnungen vorhanden“ gepriesene WLAN funktioniert. 

Nicht unwahrscheinlich, dass man den ein oder anderen Finca-Gast mit Tablet, Laptop oder Smartphone trifft, der sich auf identischer Mission befindet. Im Englischen gibt es für das Phänomen sogar einen Namen: „Vacation Guilt“.

Die Welt im Büro dreht sich tatsächlich weiter

Und wenn man dann endlich den Quadratmeter mit WLAN gefunden hat und atemlos wartet, während sich das Postfach des Job-Mailaccounts öffnet, gibt es womöglich ein kleines Stechen in der Magengegend – eine Mischung aus Nervosität, ob wohl unangenehme Mails eingetroffen sind, die man umgehend bearbeiten muss, und Enttäuschung, dass die Welt im Büro sich allen Ernstes ohne einen weiter dreht, sollten nur Newsletter und Nachrichten, die keine schnelle Antwort brauchen, angekommen sein.

Leute, denen es egal ist, ob sie in ihrer Ferienunterkunft Internetzugang haben, oder die gar bewusst darauf achten, dass sie keinen haben, wirken fast wie aus der Zeit gefallen. Dabei wäre es verdammt wichtig, dass wir im Urlaub in der Lage sind, den Job hinter uns zu lassen, mit den Gedanken überall anders zu sein, aber nicht im Büro. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu, wie das besser gelingen kann.

Irrationale Ängste im Urlaub

Die Psychologin Suzanne Gelb beschreibt in einem Beitrag für Daily Muse die Sorge, nach dem Urlaub nicht zu bewältigende Arbeit aufgestapelt zu finden oder durch einen längeren Urlaub ins Hintertreffen zu geraten, als irrationale Angst. Sie zitiert eine aktuelle Studie, wonach Urlaub die Produktivität von Mitarbeitern steigert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert.

Hier ein paar Gedanken, die man sich nicht machen sollte, wenn es ums Thema Urlaub geht:

„Meine Chefin findet es sicher blöd, wenn ich so lange freinehme“

Missverständnis: Man nimmt nicht einfach frei, sondern eine gewisse Anzahl von Urlaubstagen ist vertraglich festgehalten und Teil der Arbeitsvereinbarung. Urlaub ist nichts, worum man bitten muss, sondern ganz selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitsverhältnisses. Der Urlaub gehört zur Entlohnung dazu. Wer ihn nicht nimmt, arbeitet eine gewisse Zeit für umsonst.

„Ich kann nicht so lange wegbleiben, es würde zu viel Arbeit liegen bleiben.“

Merke: Der Urlaub wird positive Effekte haben, man kommt hoffentlich bestens erholt und mit aufgeladenen Akkus zurück ins Büro und ist extrem leistungsfähig, und es ist völlig normal, dass man sich nach einem längeren Urlaub erstmal ewig durch angestaute Mails lesen und auf den neuesten Stand bringen muss. Und, siehe oben: Wer unbedingt will, der kann seine Mails problemlos regelmäßig checken, wenn er wirklich so unentbehrlich sein sollte.

„Bestimmt wird das dann nichts mit der Beförderung“

Es scheint schlichtweg abwegig, dass Vorgesetzte eine Beförderung von zwei Wochen Thailand-Urlaub abhängig machen könnten – und wenn doch, vielleicht arbeitet man dann ohnehin im falschen Unternehmen.

Also nochmal: Urlaub ist kein tolles Extra, das man sich verdienen muss, oder irgendeine Art von Luxus – sondern Teil eines Arbeitsvertrages. Wer ihn nicht nimmt, der verschenkt seine Arbeitsleistung. Und wenn man sich das mal überlegt, dann merkt man, dass es wirklich keine gute Idee ist, Urlaubstage ungenutzt verstreichen zu lassen.

Und noch ein paar Tipps, damit es sich leichter Urlaub nehmen lässt:

1. Früh planen

Wer drei Wochen vorher fröhlich kundtut, dass er vier Wochen Urlaub für die Trekkingtour durch Myanmar einreichen möchte, macht sich nicht sonderlich beliebt.

2. Stoßzeiten meiden

Falls es irgendwie geht: Urlaub für einen Zeitpunkt einreichen, zu dem voraussichtlich nicht die Bude heißläuft – und zu dem nicht der Rest der Belegschaft ebenfalls im Urlaub ist. Das heißt auch, sich früh genug mit den Kollegen abzusprechen.

3. Kein Chaos hinterlassen

Projekte, die fertig werden müssen, vor dem Urlaub abschließen, und einen Kollegen mit allem betrauen, was anfallen könnte. Kunden und Geschäftspartner müssen einen verlässlichen Ansprechpartner haben, der auch wirklich weiß, um was es geht, wenn er kontaktiert wird.

4. Sich kein schlechtes Gewissen machen lassen

Es kann gut sein, dass es da den Kollegen oder die Kollegin gibt, deren Augen sich in Panik weiten, wenn sie erfahren, dass man zwei Wochen Urlaub plant. Hier gilt aber ganz klar: Wenn Kollegen überarbeitet oder überlastet sind, ist das ein Problem, das unabhängig vom eigenen Urlaub gelöst werden muss.

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