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Vorsicht vor Muster – Bewerbungsanschreiben!

Das wäre ja toll: Einen Musterbrief kopieren, Adresse einsetzen, und – schwupps – hat man den Job. Leider ist das nicht so einfach. Ich persönlich kenne niemanden, der so einen Job bekommen hat.

 

Häufig stehen in den angeblichen Muster-Beispielen wirklich falsche Tipps: Wenn in den Muster-Anschreiben so ein Satz empfohlen wird wie : „Ich bin überzeugt, dass dieser Ausbildungsberuf sowohl meinen Fähigkeiten wie auch meinen persönlichen Zielen entspricht…“ wird nicht gesagt, dass der Personaler denkt: „Schön, dass Du überzeugt bist. Aber ich würde lieber selbst mein Urteil darüber fällen.“

Fatal und verantwortungslos

Ganz ehrlich, ich finde es fatal und verantwortungslos, was da im Netz teilweise empfohlen wird, um ein paar mehr Klicks zu bekommen:
Ich möchte hier nur ein paar einzelne aufführen.

Fatale Fehler aus Muster-Bewerbungsanschreiben und wie das auf Personaler wirkt

1.Sehr geehrter Herr Müller,
mit großem Interesse habe ich in der „Berliner Abendzeitung“ vom 28. Oktober 2012 gelesen

= gähn! Noch nie „mit großem Interesse habe ich“ gelesen. Der erste Satz muss – wie in der Werbung auch, Interesse wecken – und nicht die Schlafläuse. Außerdem: Ein Tipp aus 2012? Wir haben 2016! Und es hat sich tatsächlich so Einiges geändert. Zum Beispiel schreibt man auch nicht mehr (so gesehen in der Abbildung dieses „Musters“ auf der entsprechenden Website) die Bezeichnung der ganzen Anlagen unter das Anschreiben.

2.Sehr geehrte Frau Schulze,
vielen Dank für das aufschlussreiche Telefonat, welches wir gestern miteinander führten. Hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen für die Stelle als Hausmeister.

= Aufschlussreich? Warum nicht freundlich, angenehm oder etwas ähnlich Positives? Und warum, WARUM? schreiben Bewerber immer noch „Hiermit bewerbe ich mich..“, wenn in der Überschrift bereits „Bewerbung als..“ steht? Verschwendet nicht den wertvollen Platz, schreibt etwas Informatives!

3.Sehr geehrter Herr Personaler,

es dürfte Sie nicht überraschen: Als gelernte Bilanzbuchhalterin ist der Schwerpunkt meines BWL-Studiums – Rechnungswesen. Natürlich! Dort fühle ich mich wohl, Zahlen sind meine Welt.

= Na, prima, eine lustige Bewerberin. Locker & leicht. Nur, ich bin tatsächlich doch überrascht: in der Bilanzbuchhaltung sind ganz andere Qualitäten gefragt. Zum Beispiel die Fähigkeit, konkret und formell zu formulieren.

4.Sehr geehrter Herr Unternehmer,

als erfahrene rechte Hand mehrerer Chefs weiß ich, wie ich Ihnen im Alltag den Rücken freihalten kann. Und selbstverständlich kann ich Sie beim Erledigen Ihrer Arbeiten auch optimal unterstützen.

= Wieviel Chefs hatte er /sie denn schon? Und: Wenn man mir den Rücken freihält, dann doch durch die Erledigung der Aufgaben, oder? Warum wird hier noch differenziert? Und warum betont, dass man seine Aufgaben erledigt? Ist das nicht selbstverständlich? Könnte ich lieber erfahren, wie und mit welchen Fähigkeiten und welcher Motivation die Aufgaben erledigt werden?

5.Sehr geehrter Herr Personalleiter,

schon in meiner aktuellen Position verantworte ich die kontinuierliche Verbesserung in der Fertigung….
Ich sehe mich dabei in erster Linie als Moderator und professioneller Störenfried, der unsere Prozesse immer wieder hinterfragt und so Optimierungspotenziale aufdeckt.

= Oh, super! Noch ein Störenfried! Ich habe schon genug davon, danke auch.

Kein Musterschreiben der Welt kann Ihre Persönlichkeit wieder geben.

Liebe Bewerber, nach wie vor zählt in den Personalabteilungen immer noch: Kann ich aus dem Anschreiben lesen, dass sich der Bewerber mit unserer Firma und unseren Anforderungen wirklich auseinandergesetzt hat? Kann ich herauslesen, was genau diesen Bewerber im Vergleich zu anderen ausmacht?
Ich möchte doch wissen, ob die Persönlichkeit und das Wissen des Bewerbers zu der Stelle passt, die ich ausgeschrieben habe.
Muster-Anschreiben können also nur – wenn überhaupt – Inspirationen liefern, aber niemals die Fähigkeiten, den Willen, das Profil eines Menschen „kopieren“.

Wer nach „Schema F“ schreibt, bekommt auch eine „Schema F“ – Absage.

Personaler sind nicht doof. Sie sehen schnell, ob sich jemand Mühe gegeben hat oder ob es nur ein Schreiben nach „Schema F“ ist. Und würdet ihr jemanden einstellen, der schreibt „Ich wollte schon immer bei Ihnen arbeiten“ aber dann vergisst, den Ansprechpartner aus der vorherigen Bewerbung zu ersetzen?

Es bleibt also nichts anderes übrig, als sich selbst Gedanken zu machen und diese dann in Sätze zu verwandeln, die einen Personaler tatsächlich ansprechen und den Wunsch wecken, diesen Menschen persönlich kennenzulernen. Ja, es macht Arbeit. Und die möchten Sie doch, oder?


Herzlichst, Ihre Silke Wöhrmann

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