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Was bringt mehr Frauen in die Wirtschaft? Das diskutierten Angela Merkel, Christine Lagarde und Ivanka Trump

Am 25. und 26. April findet der Gipfel „W20 Summit“ statt, bei dem eine hochkarätige Frauenrunde für eine Diskussion zusammengekommen ist – darunter Angela Merkel, IWF-Chefin Christine Lagarde, Ivanka Trump und Königin Maxima.

 

Frauen und Führungspositionen? Wir müssen reden!

Der in diesem Jahr am 25. Und 26. April in Berlin stattfindende Gipfel „Women20 Summit“, auf dem sich Wirtschaftsexpertinnen, Politikerinnen und Unternehmherinnen aus den G20-Staaten treffen, steht ganz im Zeichen der wirtschaftlichen Stärkung von Frauen. Also der Frage danach, was passieren muss, um endlich mehr Frauen in entscheidende Positionen zu bringen.

Antworten darauf sollte es während einer Diskussionsrunde am 25.April geben, an der unter anderem Angela Merkel, die niederländische Königin Maxima, „First Daughter“ Ivanka Trump, IWF-Chefin Christine Lagarde und die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland teilnahmen. Dabei wurde etwa die Sinnhaftigkeit der Frauenquote diskutiert, die sehr geteilt bewertet wurde. So sieht sie Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH, eher kritisch, weil sie hierbei einen Eingriff der Politik in die private Wirtschaft sieht. Ein Punkt – warum sie aber dennoch eingeführt wurde, erklärte Angela Merkel folgendermaßen: „Wir haben Jahrelang gebettelt und gebeten. Die Aufsichtsräte haben sich das Gesetz selbst erarbeitet – durch Nichtstun.” 

Was bringt uns weiter?

Was aber kann dazu beitragen, einen Prozess, ohne solche Regulierungen, hin zu mehr Frauen in Entscheider-Positionen zu starten? Alle waren sich einig, dass dafür (endlich) die Situation der Kinderbetreuung verbessert, flexibler gestaltet werden und vor allem flächendeckend gegeben sein muss. Das aber nicht nur im Kindergartenalter, sondern es müssen auch Lösungen für Kinder im Schulalter her – denn, so sagte Angela Merkel, hier würden die Probleme für Eltern meist erst richtig anfangen. Ein wichtiger Punkt, findet auch Nicola Leibinger-Kammüller, die erzählte, sie müsse Frauen in ihrem Unternehmen fast in Führungspositionen zwingen, weil die sich davor scheuen, in diesen zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben.

Auch Ivanka Trump liegt das Thema des Ausbaus der Betreuungsangebote am Herzen, da auch sie hier den Schlüssel für mehr Diversität in der Führungsetage sieht. Aber sie habe Hoffnung, denn heute gäbe es schließlich auch mehr und mehr Männer, die gerne ihren Anteil an der Kindererziehung leisten und sich so die Themen Zeitmanagement und Fürsorge auf zwei Schultern verteilen würden. Sicherlich, hier bewegt sich etwas, aber im Privaten alleine kann diese Situation nicht gelöst werden. Und auch eine verbesserte Kinderbetreuung, die natürlich wichtig ist, wird nicht alleine dazu führen, dass es mehr Frauen in Top-Positionen gibt. Essentiell seien daher auch bessere Zugänge für Frauen zu Kapital.

Gute Ansätze, keine Lösungen

Das alles sind bereits bekannte Ansätze, aber konkrete Lösungsvorschläge gab es nicht. Und doch ist es wichtig, diese Themen immer wieder auf den Tisch zu bringen – und das vor allem von Frauen (und Männern), die durchaus etwas bewegen könnten. Aber in einer solchen Runde sprechen sich Ideen eben leichter aus als sie mit Nachdruck ins Unternehmen oder die Partei zu tragen. Man kann nur hoffen, dass die große Aufmerksamkeit, die der Gipfel in diesem Jahr vor allem durch die Teilnahme von Ivanka Trump bekommen hat, dazu beiträgt. Vielleicht schafft es ja doch das ein oder andere aus dem Katalog mit Forderungen der W20 in die G20-Gespräche, die heute öffentlich an die Bundeskanzlerin übergeben wurden.

Eine Neuigkeit gab es dann aber doch, so wurde Angela Merkel das erste Mal öffentlich gefragt, ob sie Feministin sei. Während Frau Lagarde bei der Frage in freudiges Lachen ausbrach, schien die Bundeskanzlerin etwas überrumpelt und konnte sich nicht zu einer eindeutigen Antwort durchringen. Viele Frauen hätten für dieses Label gekämpft, sagte sie, und sie wolle sich nicht mit fremden Federn schmücken – aber sie würde zuhause darüber nachdenken. Na, das ist doch was. Ivanka Trump, die zu Beginn der Diskussion sagte, sie sei hier um etwas zu lernen und wolle neue Ideen nach Amerika mitbringen, war da sehr viel klarer: „Ich betrachte mich als Feministin. Ich glaube an die Gleichheit der Geschlechter.“

Nun, vielleicht kann sie das mit als Idee nach Hause und bis ins Weiße Haus nehmen. Das wäre nämlich auch etwas. Aber wahrscheinlich wird das kein Thema sein, schließlich sieht Ivanka Trump ihren Vater bereits als Verfechter von Geschlechtergerechtigkeit – denn, so sagt sie, er sei fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen. Nun ja, dass sie dafür Buh-Rufe erntete, können wir uns eigentlich ganz gut erklären.

In diesem Video könnt ihr euch die gesamte Diskussion ansehen.

Quelle: CHANNEL90seconds newscom | Youtube

Artikelbild: Philipp | Flickr | CC by 2.0

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