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Mit diesen Tricks holt ihr euer Publikum ins Boot

Bei der Vorbereitung einer Rede gilt es, gedanklich die Perspektive der Zuhörenden einzunehmen. So tretet ihr in einen Dialog, durch den das Publikum sich später einbezogen fühlt – und es euch mit der vollen Aufmerksamkeit dankt.

 

Gute Reden sind kein Hexenwerk

Das Reden vor Publikum könnte so einfach sein – wenn es da bloß einen Knopf gäbe, der unsere Inhalte schnell, klar und überzeugend in die Köpfe unserer Zuhörer befördert. Quasi wie bei einem USB-Stick: Einstöpseln, Daten draufladen, alle einverstanden, fertig. 

Leider funktioniert Kommunikation – und auch eine Rede vor Publikum ist Kommunikation – nicht nach diesem Prinzip. Verständigung zwischen Menschen ist manchmal kompliziert. Zumindest so lange, bis sie ganz einfach wird: weil sich beide Seiten aufeinander einstellen. 

Nun ist eine Rede vor Publikum (ich benutze Rede als Oberbegriff: natürlich sind damit auch Vorträge, Präsentationen und Ansprachen gemeint) erst einmal eine einseitige Sache: es gibt einen exponierten Menschen, der redet. Und eine größere oder kleinere Gruppe von Menschen, die dieser Person zuhören. Das unterscheidet die Rede vom Gespräch, bei dem beide Kommunikationspartner wechselseitig in einem Dialog stehen.

Eine Rede ist erst einmal ein einseitiges Gespräch

Bei der Rede, die erst einmal ein Machtgefälle etabliert (einer redet, alle anderen hören zu) besteht eine große Gefahr: Der Redner kann leicht nur seine eigenen Argumente und Ziele im Kopf haben und seine Zuhörer aus dem Blick verlieren. Wir alle haben beim Zuhören der unterschiedlichsten Vorträge schon erlebt, wie schnell genau das Unverständnis und Desinteresse auslösen kann. Da tauchen dann plötzlich Gedanken auf, wie: „Und was hat das jetzt mit mir zu tun?“ oder „Der Vortragende nimmt mich ja überhaupt nicht ernst.“ 

Und schon schweifen wir als Zuhörer gedanklich ab oder bauen innere Barrikaden auf. Wenn die erst mal stehen, muss sich der Redner sehr anstrengen, diese wieder einzureißen und neue Brücken zu bauen. Deswegen geht es hier darum, wie ihr das Publikum schon bei eurer Rede-Vorbereitung mit ins Boot holt. 

Auch bei einer Rede geht es um den Dialog 

Reden haben eine extrem dialogische Komponente. Nur findet das „Gespräch“ bei der Vorbereitung der Rede statt. Ideal ist es natürlich, wenn ihr eure Zielgruppe von Haus aus gut kennt – etwa, weil ihr diesen Menschen jeden Tag auf dem Büro-Flur begegnet. Dann braucht ihr euch nur hinzusetzen, und euren Leuten zuzuhören – mit all ihren Anliegen und Sichtweisen. Bei der Vorbereitung auf eine Rede gilt es dann, einfach die letzten Gespräche zu rekapitulieren, um sich auf das Publikum einzustellen. 

Was aber, wenn ihr vor der Situation steht, demnächst einen Vortrag oder eine Präsentation vor Leuten halten zu müssen, denen ihr nicht jeden Tag über den Weg lauft? Auch hier gibt es einige Möglichkeiten, die Antennen auszufahren und das Gespräch mit eurem Publikum schon im Vorfeld zu beginnen. 

Natürlich habt ihr schon euer Thema abgesteckt und wisst, worüber ihr demnächst reden werdet. Alle Informationen liegen vor euch auf dem Tisch – und auch eure eigenen Positionen sind euch klar, wunderbar! Bevor ihr jetzt weitermacht und alles in eine Form gießt, geht es ans Projekt „Perspektivenwechsel”. 

Vorab in die Perspektiven der Zuhörenden eintauchen 

Damit euer Publikum mit euch mitgeht, wollen diese wunderbaren Menschen, die euch ihre Aufmerksamkeit schenken, vorkommen. Jeder liebt es, mit den eigenen Anliegen und Ideen wahrgenommen und einbezogen zu werden.

Schließlich investiert jeder Zuhörende ein Stück Leben und wertvolle Zeit in euch. Und jeden Einzelnen von ihnen wollt ihr schließlich mit eurem Vortrag, euren Ideen und Gedanken bewegen und überzeugen. 

 Mit einem bewussten Perspektivenwechsel könnt ihr euch den Menschen in eurem Publikum schon bei der Vorbereitung der Rede nähern. Das bedeutet, dass ihr euch virtuell in die Köpfe eurer Zielgruppe hinein begebt; in ihre Sichtweisen, die Interessen und dahinter liegenden Bedürfnisse eintaucht. 

Ein paar Fragen können dabei helfen: 

1. Zu wem spreche ich? Wer sind meine Zuhörenden? 

Versucht, euch die Menschen, die später vor euch sitzen werden, so genau wie möglich vorzustellen. Wie ticken diese Leute? Vielleicht unterscheiden sie sich in Alter, Geschlecht, Position oder Kenntnisstand, aber wo sind die Verbindungen? Haben diese Menschen ein gemeinsames Interesse eurem Rede-Inhalt gegenüber? 

2. Welchen Wissensstand hat mein Publikum? 

Es macht einen riesigen Unterschied, ob euer Thema für die meisten Zuhörenden absolutes Neuland ist, oder ob ihr vor FachkollegInnen sprecht. Je nachdem, welches Vorwissen ihr voraussetzen könnt, werdet ihr eure Sprache und die Informationen anpassen. Vorsicht ist etwa beim Umgang mit Fachbegriffen geboten: vor einer gemischten Gruppe ist es ratsam, diese zu erklären, zu umschreiben oder überhaupt sparsam mit ihnen umzugehen.

3. Welche Ziele, Erwartungen und Bedürfnisse haben meine Zuhörer? 

Jeder einzelne Mensch im Publikum bezweckt etwas damit, dass er euch Aufmerksamkeit schenkt: ein Mehr an Wissen, Erfahrung, Inspiration. Vielleicht auch eine Bestätigung der eigenen Gedanken und Ansichten. 

Hinter diesen Interessen und Erwartungen stehen die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Welche stehen bei eurer Zielgruppe im Vordergrund? Das Bedürfnis nach Sicherheit – im physischen oder wirtschaftlichen Sinne? Oder soziale Bedürfnisse wie Zuwendung, Anerkennung und Aufmerksamkeit? Was es auch ist, Bedürfnisse sind die Antriebsfedern des Handelns. Je genauer ihr diese verborgenen Motivationen eurer Zuhörer kennt, umso besser könnt ihr sie aufnehmen und auf sie eingehen. 

4. Welche Einstellungen haben meine Zuhörenden zum Thema meiner Rede? 

Jedes Thema ruft sofort Einstellungen, Wertungen oder Gefühle hervor, positive wie negative. Es kann passieren, dass das Publikum befürchtet, dass sich mit der Umsetzung eines neuen Vorschlags, der durch eure Rede auf den Tisch gebracht wird, die Lebensumstände ändern. Ängste und Widerstände können die Folge sein. Je genauer ihr euch diese Befürchtungen und Vorbehalte vor Augen führt, desto besser könnt ihr sie einbeziehen. 

Es vermittelt den Zuhörenden ein gutes Gefühl, wenn sie merken, dass euch ihre Bedenken bewusst sind und ihr sie nicht „unter den Teppich kehrt“. So geht ihr auf die reale Situation ein und könnt euer Publikum dort abholen, wo es gerade steht. Das erzeugt ein „mentales Kopfnicken“  – die Menschen werden dann um einiges bereiter sein, euch weiter bei euren Ausführungen zu folgen und zu unterstützen. 

Euer Publikum: eine Gruppe von Individuen 

Versucht, diesen Teil der Vorbereitung eurer Rede als ein Gespräch mit euren künftigen Zuhörern zu sehen. Was denken sie? Wie reden sie? Worüber machen sie sich Sorgen? Sammelt alles, was euch an originellen Zitaten zur Verfügung steht, gerade „direkte Rede“, also persönliche Statements aus der Ich-Perspektive des Zuhörers, lassen sich wunderbar in einen Vortrag einarbeiten und machen ihn sofort lebendiger. 

Stellt euch die Leute aus eurem Publikum so genau wie möglich vor – und zwar als das, was sie sind: lauter Individuen. Natürlich sitzen sie später als Gruppe vor euch – aber jeder von ihnen bringt eine eigene Geschichte, Ansichten und Vorstellungen mit. Jeder möchte „persönlich gemeint“ sein und sich angesprochen fühlen. 

Je näher ihr bei eurer Rede an eurem Publikum dran seid, desto eher könnt ihr es begeistern, motivieren, bewegen und überzeugen. Wenn diese aufnahmebereiten Menschen merken, dass ihr euch auf sie einstellt und euch wirklich überlegt habt, was sie umtreibt – dann wird Kommunikation plötzlich ganz einfach, versprochen.

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