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Wie uns das Wort „irgendwie“ permanent den Arsch rettet

Raus aus der Komfortzone? Viel zu anstrengend! Außerdem haben wir für diese Situation ja immer die perfekte Ausrede: das Wörtchen „irgendwie“. Lisa Mücklich schreibt von der Kunst, etwas zu wollen und es dann doch nicht zu tun.

 

Eigentlich wollte ich ja, aber…

Ich war für heute Abend eigentlich mit Freunden verabredet, um ein,
zwei Bierchen zu kippen. Aber irgendwie habe ich keine Lust. Also liege
ich den Abend über auf dem Sofa und mache mir stattdessen Vorwürfe, weil
ich nicht am Schreibtisch sitze, und für die bevorstehende
Abschlussprüfung lerne.
Darauf habe ich nämlich auch keine Lust, irgendwie.

Das Wort irgendwie” kommt immer dann zum Einsatz, wenn wir selbst
nicht ganz von unseren Worten überzeugt sind. Kommt zum irgendwie dann auch
noch ein „eigentlich” dazu, ist unsere Unsicherheit perfekt.

Eigentlich sollte ich mir eine Auszeit vom stressigen Alltag nehmen, aber irgendwie habe ich keine Lust.
Eigentlich sollte ich lernen, aber irgendwie habe ich keine Lust.
Eigentlich sollte ich aufhören zu rauchen, aber irgendwie schaffe ich es nie.

Die Liste können wir unendlich weiterführen.

Kommt hier unser vernünftiges Ich zum Einsatz?

Das Wort eigentlich steht hier stellvertretend für unsere bessere Hälfte, unser vernünftiges Ich.

Ich weiß, dass ich mir Auszeiten nehmen muss, damit es mir gut geht.
Ich weiß, dass ich frühzeit anfangen sollte zu lernen, damit ich mich
nicht zwei Wochen vorher mit „Bulimie-Lernen” noch mehr stresse als sowieso
schon.
Ich weiß, dass ich mit dem Rauchen aufhören sollte, weil es meiner Gesundheit schadet.

Mit „irgendwie” sagen wir: „Ich kann mich nicht entscheiden, zwischen
dem Engelchen und dem Teufelchen auf meinen Schultern. Das Engelchen
wälzt die Bücher, das Teufelchen ruft am Ende des Abends besoffen den Ex-Partner an.

Du konntest dich also nicht entscheiden. Irgendwie ist irgendwie die perfekte Rechtfertigung für fast alles. Arsch gerettet.

Irgendwie und eigentlich tanzen immer leicht neben dem Beat, weil sie
sich unschlüssig sind, wer das bessere Taktgefühl hat. Diese
Unschlüssigkeit haben die beiden aber perfekt miteinander abgestimmt.
Deshalb können wir unsere Augen nicht von ihnen lassen, wenn sie die
Tanzfläche betreten.
Egal wie beschissen die Musik ist, wir verlassen den Club nicht, um
einen anderen zu finden, der Musik spielt, die uns besser gefällt. Weil
es bequemer ist bei der Entscheidung für die beschissene Musik zu
bleiben, als unsere Komfortzone zu verlassen und uns auf die Suche nach etwas Neuem zu machen.

Eigentlich finden wir die Musik nämlich echt richtig scheiße, aber irgendwie sind die Drinks hier so gut.

Sag öfter mal auf jeden Fall! anstatt, irgendwie und lass öfter mal das eigentlich alleine auf der Tanzfläche stehen.

Denn wenn wir ehrlich sind, bringt dir eigentlich nämlich irgendwie gar nichts.

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