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Ziemlich beste Freunde

Mit ihnen ist die Suppe feurig, das Leben bunt wie ein Bonbonglas und Kummer klein. Freunde sind große Freude! Zum Weihnachtsfest habe ich mich mal ein paar Gedanken zum Thema gemacht.

 

Große Freundschaft mit 3 Jahren

Leonie ist drei Jahre alt. Paula
ist drei Jahre alt. Die beiden kennen sich quasi seit dem Tag ihrer
Geburt. Zufallsbekanntschaft im Krankenhaus. Paula ist einen Tag älter
als Leonie. Dafür ist Leonie einen Kopf größer als Paula. Leonie und
Paula drücken sich platt wie Briefmarken, wenn sie sich begrüßen,
verabschieden, auch einfach nur so. Sie kleben Küsse auf ihre
Nasenspitzen und spätestens am letzten Treppenabsatz dreht eine um,
flitzt noch einmal hoch und schießt eine allerletzte Portion Hingabe
nach. Sie übernachten neuerdings beieinander, Arm in Arm, sie teilen
sich das Stühlchen, das Tellerchen, Gäbelchen vor allem aber die
Herzchen. Es ist große, reine Liebe. Beste Freundschaft. Rührender noch
als „Titanic“.  

Mit drei schon wissen die zwei, wie alpengroß
sich Freundschaft anfühlt. Und dieses Gefühl lässt nicht nach. Zwar
kommen irgendwann Brüche dazu und neue Freunde. Manche verabschieden
sich still und leise, manche mit einem Rumms und Scherben. Manche
bleiben fürs Leben, andere nur für Lebensabschnitte. Immer aber haben
Freunde ihre Daseinsberechtigung, sonst wären sie ja keine.

Sie kennen
unser Innerstes und uns in jeder Lebenslage. Manchmal nerven sie uns und
manchmal nerven wir sie. Das ist Teil des Deals. Wir stapfen als
Freunde von Tollheit bis Trübsinn und wieder zurück. Zumindest mit den
Herzensfreunden ist das so. Dann gibt es auch die drum herum, die
einfach für gutes Gefühl sorgen, die Spaß machen und mit denen wir Spaß
haben, die wir nicht viel sehen, nicht viel sprechen aber wenn Kontakt
kommt, dann mögen wir uns wie Bolle so dolle. 

Freunde als Familie

Freunde sind an
vielen Stellen unser Pattex, die neue Familie. Die ist häufig weit weg,
wenn das Leben uns einen Tritt verpasst. Dann helfen uns Freunde, nicht
zu zerbröseln. Wenn das Leben gutgelaunt ist, drehen sie mit uns
zusammen durch vor Glück. Manchmal leisten sie uns auch einfach beim
Tatort Gesellschaft oder schicken Youtube-Blödsinn. Sie sind da, wenn
neue Lieben und neugeborene Babies uns neu definieren, überfordern, um
den Verstand bringen vor Müdigkeit und Gluckenglück. Sie kennen uns so
gut wie wir sie. Wir stellen sie unseren Eltern irgendwann vor wie das
neue Schwiegerkind. Ihr Wohlsein ist unser Wohlsein und umgekehrt. 

Zuletzt
noch ein Geständnis. Ich höre Reinhard Mey. Ein Lied allerdings nur: „Gute Nacht, Freunde.“ Es dudelt immer dann in Endlosschleife, wenn der
Himmel graut, die Vögel anfangen zu zwitschern, jeder der noch
versprengten Hiergebliebenen nach Hause gehen sollte und keiner mag.
Wenn wir die Dunkelheit durchgequatscht, die Rotweinvorräte aufgebraucht
und das Leben einmal von oben nach unten, von rechts nach links
durchgenudelt haben. Wenn wir Stunden gold wie Glück hinter uns gebracht
haben und mit schwerem Kopf in der Sofaecke hängen. Dann war das eine
gute Nacht, Freunde! Oder um es mit dem werten Guitarrenschrammler
Reinhard zu sagen: „Habt Dank für die Freiheit, die als steter Gast bei
euch wohnt. Habt Dank, dass ihr nie fragt, was es bringt, ob es lohnt.
Vielleicht liegt es daran, dass man von draußen meint, dass in euren
Fenstern das Licht wärmer scheint.“

Liebe Herzensgenossen, hört mal zu: ihr seid die Besten, das Beste, ziemlich beste Freunde, danke, dass es Euch gibt!

Der Artikel ist erschienen zuerst auf dem Blog Gretas Freunde.

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