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Fleisch ist geil? Warum es einfach nur noch nervig ist, Veganer als Gutmenschen zu bashen

„Ach komm, dieses ganze Vegansein ist doch sowieso nur wieder so eine Hipsterscheiße. Das ist jetzt halt Trend und deswegen wollen jetzt alle ein bisschen vegan sein. Kommt halt cool auf Instagram“ – unsere Community-Autorin Vreni kann solche Sätze langsam nicht mehr hören.

 

Alles nur vegane Hipster-Scheiße?

Ich würde mich selbst (noch) nicht unbedingt als Veganerin bezeichnen, aber ich ernähre mich überwiegend pflanzlich, achte auch in anderen Lebensbereichen immer mehr darauf, auf tierische Produkte zu verzichten, bin der veganen Szene gegenüber sehr offen und finde, dass das einer der besten Trends seit Langem ist. Ja, ich würde sagen, es ist ein Trend und das finde ich auch überhaupt nicht negativ. Trends besagen ja lediglich, dass viele Menschen in eine Richtung tendieren. Halb so dramatisch also, wie es sich aus manchen Mündern anhört. Was ist es also dann, das manche gegen den Veganismus haben, und wieso ist das alles nur Hipsterscheiße?

Manchmal kommt es mir so vor, als würden einige so argumentieren: „Ich will halt anders sein. Und wenn alle anders sind, dann werd ich halt wieder wie früher. Hauptsache nicht so wie alle.“

Ich finde es ziemlich traurig, was es so für „Gegentrends“ gibt. Muss man denn immer gleich gegen alles sein? Es gibt Menschen, die posten ihr 900-Gramm-Steak auf Facebook, als Statement, gegen die ganzen Hipster-Veganer sozusagen. Sei ja schließlich nicht mehr auszuhalten, was es alles für „Gutmenschen“ gibt, man finde Fleisch halt geil und fände diese ganzen neuen Trends scheiße. Man würde da halt nicht mitschwimmen. Hauptsache anders sein, Hauptsache dagegen. So ganz nach dem Motto: Wenn jetzt alle vegan werden, esse ich doppelt so viel Fleisch. Nicht weil das einen Sinn hat, sondern weil man gerne anti ist und immer ganz, ganz dringend anders sein will. Dass es sehr gute Gründe und Argumente dafür gibt, vegan zu leben, interessiert natürlich nicht und schließlich hat man ja immer das sinnigste Fleischargument im Petto: „Fleisch ist geil.“ Punkt. Damit ist die Sache dann im wahrsten Sinne des Wortes gegessen und die veganen Hipster können sich verpissen. Wir sind nämlich „Old School“, finden Fleisch total geil und das reicht ja wohl als Argument.

Ich finde deine Lebensweise scheiße, weil sie mir ein schlechtes Gewissen macht.

Ein Dialog mit einer unangenehmen Form des Veganer-Gegners geht so: „Ich finde Vegansein ist dumm.“ „Wieso denn?“ „Milch ist ja wohl nichts Schlimmes. Stirbt die Kuh ja nicht.“ „Naja aber die meiste Milch kommt aus der Massentierhaltung, wo es den Tieren dreckig geht und sie sterben viel früher, als es für eine Kuh normal wäre. Außerdem werden Kühe immer wieder schwanger gemacht, nach der Geburt wird ihnen sofort das Baby weggenommen und die männlichen  Kälber kommen nach wenigen Tagen zum Schlachter.“ „Boah, dass du immer nur über sowas reden kannst! Bei dir geht es echt um nichts Anderes mehr, voll ätzend, dieses Vegan-Gelaber.“

Zu solchen Aussagen sage ich mittlerweile gar nichts mehr, denn es ist genau eines passiert: Der Gesprächspartner hat gemerkt, dass du uneingeschränkt recht hast und will das 1. nicht zugeben und hat 2. jetzt ein verdammt schlechtes Gewissen.

Ich habe zwar keine Ahnung, aber viele Ausreden

Kommen wir zu einer anderen Sorte von „Anti-Veganern“. Da hört man sowas wie: „Ich mag Fleisch einfach, weißt du ich mag Fleisch. Ich weiß ja, du isst keins, aber ich könnte einfach nicht ohne Fleisch. Ich mag es halt.“ Aha, danke für die Information. In so einem Moment denke ich immer an diese Fun-Bildchen, bei denen Veganer auf die Schippe genommen werden, weil sie ständig über das Vegansein reden. Fakt ist aber, dass ich oben stehenden Satz bestimmt schon 20-Mal gehört habe. Es gibt nämlich die Menschen, die den Sinn des veganen Lebens begreifen und es auch insgeheim ganz gut finden, aber so ein schlechtes Gewissen bekommen, dass sie ständig versuchen, sich zu rechtfertigen, warum sie denn nun Fleisch essen.

„Ist halt auch gesund, Fleisch zu essen, ich mache das auch für meine Gesundheit.“,  „Ich trainiere halt viel, da brauche ich Fleisch, sonst würde ich vielleicht auch keins essen.“, „Ich habe total Angst, dass mein B12-Wert sinkt und deswegen esse ich viel Milchprodukte.“, „Mein Leben wäre ohne Käse einfach nicht das Gleiche.“, „Ich wäre echt gern vegan, aber ich brauche Milch im Kaffee und dann kann ich es ja gleich ganz lassen.“…

Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Und eines schwöre ich an dieser Stelle feierlich: All diese Aussagen habe ich mindestens ein Dutzend Mal gehört, OHNE dass ich auch nur ansatzweise danach gefragt habe oder es gerade um veganes oder vegetarisches Leben ging. Sobald manche Leute wissen, dass du vegan oder vegetarisch isst, erzählen sie dir einfach mal ihre 100 Gründe, wieso sie es nicht tun, ohne dass du es wissen wolltest.

Und die Moral von der Geschicht:

Es gibt tausend Gründe, vegan zu sein, für manche ist es vielleicht sogar der Grund, „cooler“ zu sein. Aber mal ehrlich, wen juckt das schon, solange damit Mensch und Tier etwas Gutes getan wird?


Dieser Artikel erschien zuerst auf auf Vrenis Blog „Jäckle & Hösle“. Wir freuen uns, dass wir ihn auch bei uns veröffentlichen können.


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