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Warum es manchmal so schwer ist, das zu tun, was uns am Herzen liegt

Wenn man nachts um zwei Uhr mit seinem Geist allein ist in den eigenen vier Wänden, kommen die Karten ungeschönt mal auf den Tisch. Eine nächtliche Analyse.

 

Warum ist es schwer, das zu tun, was man liebt?

Kunst schaffen, etwas Kreatives tun, sein eigenes Ding machen. Was für ein Druck, den ich mit diesen Worten verbinde. Alle Ratschläge klingen so plausibel und doch traue ich mich keinen Schritt vorwärts, als hätte ich mich an das zu kleine Haus gewöhnt und nicht damit gerechnet, mal wirklich in den Garten zu dürfen.
Ich fühle mich nicht geschlagen, auch wenn das Wort Schlag im Ratschlag drin ist. Aber schwer scheint es doch, das zu tun, was einem am Herzen liegt und man gern machen mag. Und es sprich so vieles dagegen:

1. Brotlose Kunst

Auch in meinen Ohren klingt es noch nach, dass ich doch was Vernünftiges lernen soll, schließlich kann man von Luft und Liebe nicht leben. Und selbst wenn ich weiß, ich werde finanziell getragen, treibt mich der Gedanke um, dass ich doch selbst mein Geld verdienen sollte. Unabhängig davon, dass es vor hundert Jahren noch als nicht normal in der Gesellschaft galt, dass eine Frau arbeiten geht, ist diese Freiheit heute für mich keine. Ich muss es selbst schaffen und tun.
Ich wollte dann wenigstens einen Job, der mir mehr Spaß macht, und nicht nur das Geld im Auge haben. 
Und so wurde ich auf Umwegen Sozialarbeiterin. Denn Menschen haben mich schon immer interessiert. Mittlerweile weiß ich, es sind ebenso ihre Geschichten. Die Mischung aus „Wer bist du? und „Wie kommst du hierher? macht es so spannend. Ich möchte diese Arbeit nicht missen müssen. 

2. Selbstverwirklichung

Zum Glück lebe ich in einer Zeit, in der auch ich als Frau mich fragen darf, was ich mal werden will, wenn ich groß bin. Und diese Reise ist für mich nicht vorbei. Ich bin immer noch auf Entdeckungstour und versuche, meinen Weg zu sehen und zu gehen.
Aber dann denke ich daran, wie alt ich für die anderen schon bin und was von mir in diesem Alter (und später) erwartet wird. Und es macht mir Angst, diesen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Ich will rebellieren und den Mittelfinger erheben und rufen: „Ich weiß, was ich da tue!“ Aber ich merke, dass es keinen zu interessieren scheint, die Erwartungen scheinen wichtiger. Ich weiß die Wahrheit aber nicht, weil selten darüber geredet wird. Und dann bin ich die Dumme, die zwischen zwei Stühlen sitzt: was ich will oder was die anderen wollen. Man darf dabei ja nicht vergessen, dass Scheitern eben kein Small-Talk-Thema ist.
Und dann frage ich mich, wen die Gesellschaft lieber haben will: eine maulige Frau mit Erfolg oder eine glückliche Frau, die ab und an hingefallen ist, und doch wieder aufstand und weitermachte. Wohlgemerkt, die zweite ist glücklich.


3. Mein inneres Kind

Doch trotz meiner Erfolge und obwohl ich immer mehr gefunden habe, was mich ausfüllt, ist ein Teil von mir verärgert, ja schon verzweifelt und frustriert. Und dann bricht es sich Bahn, ab und an. Ich hole das Notebook, öffne die letzte Word-Datei und tippe munter drauflos. Es ist nicht so, dass mir die Worte zufallen, ich muss sie schon herausholen und auf das Weiß bringen. Aber ich fühle mich danach leichter, freier, als hätte ich meinem Kind das Spielen erlaubt. Ich versteh es ja selbst nicht. Aber es geht mir dann wortwörtlich besser.


4. Wenn ich es einfach mache?

Die Angst ist da. Ich will ehrlich sein: Ich habe Angst. Vor dem Alleinsein, dem Versagen und dass ich es doch nicht schaffe, dass ich mich rechtfertigen muss und nicht ins Schema „normal“ passe. Ich möchte einfach ein Teil der Gesellschaft Sein und mein Ding machen. Es gibt einen schönen Spruch: Das ist dein Problem, also behalte es bitte. Aber das hilft mir auch nicht immer weiter, wenn ich Menschen vor den Kopf stoße. Ich werde einen Mittelweg finden, hoffentlich früher als später. Aber so kann ich auch ein Vorbild sein als Sozialarbeiterin, wenn ich zeige: Man kann es schaffen, auch wenn es unwahrscheinlich ist. Wenigstens für sich selbst. Ich bin das mir selbst und meiner Umwelt schuldig, nicht verpflichtet, sondern freiwillig, glücklich zu sein und damit andere anstecken zu können.


Schreiben ist meine zweite Haut, so wie auch mit Menschen zusammensein meine zweite Haut ist. Und ich will mich nicht häuten, weder für die Gesellschaft noch für Geld. Und ich will mich nicht entscheiden, weil das nicht nötig ist. Es ist meine Angst und die ist nur ein Gefühl aus Erfahrung und Befürchtung. Uns wenn ich nicht tue, was ich gern tue, dann platze ich irgendwann. Und das will ich auch keinem antun. Aber dann platzt es auch aus mir heraus und ich tue es einfach. Eine interessante Erfahrung.
Mir haben einige Artikel auf EDITION F geholfen – „Große Kunst: Wie man mit kreativer Arbeit Geld verdient“, dass ich nun einen Abschluss als Sozialarbeiterin habe und einige Bücher, wie zum Beispiel „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron.

Zu sehen, dass so viele das gleiche „erleiden“ und es doch tun und ihren Weg gehen, inspiriert mich. Und ich bin dankbar dafür, dass ich trotz aller Angst und Gegenargumente immer wieder dahin zurückkomme, wer ich bin und was ich kann. Und es dann irgendwann tue…


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